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Grimma: Aufzüge für Fünfgeschosser am Platz der Einheit

Wohnungsgenossenschaft Grimma: Aufzüge für Fünfgeschosser am Platz der Einheit

Die Wohnungsgenossenschaft Grimma nimmt in diesem und im nächsten Jahr 5,5 Millionen Euro in die Hand, um zwei Wohnblöcke umfassend zu erneuern und damit ihren Leerstand zu verringern. In der Woche nach Ostern rücken die Bauarbeiter im Neschwitzweg 1 bis 31 an, eine Nummer größer ist das Vorhaben am Platz der Einheit 8 bis 11 im kommenden Jahr.

Noch grau und trist: Im kommenden Jahr will die Wohnungsgenossenschaft Grimma den Wohnblock Platz der Einheit 8 bis 11 umbauen.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Zeitgemäß – solide – bezahlbar. Unter diesem Slogan nimmt die Wohnungsgenossenschaft Grimma in diesem und im nächsten Jahr 5,5 Millionen Euro in die Hand, um zwei Wohnblöcke umfassend zu erneuern und damit ihren Leerstand zu verringern. In der Woche nach Ostern rücken die Bauarbeiter im Neschwitzweg 1 bis 31 an, wo 16 Eingänge und damit 160 Wohnungen von der Sanierung profitieren. Eine Nummer größer ist das Vorhaben am Platz der Einheit 8 bis 11 im kommenden Jahr. Durch den Umbau des 1987 errichteten DDR-Plattenbaus entstehen 40 barrierearme Wohnungen.

Acht Prozent der 1472 Wohnungen der Genossenschaft stehen momentan leer, insbesondere die oberen Quartiere in den Fünfgeschossern. Das will die Führungsetage ändern. „Perspektivisch wollen wir unter die fünf Prozent kommen“, sagt der Kaufmännische Vorstand René Nauck. Dabei soll die Miete, die zurzeit im Schnitt bei 4,85 Euro pro Quadratmeter (kalt) liegt, aus sozialen Gründen bezahlbar bleiben. Immerhin beträgt das Durchschnittsalter der derzeit 1548 Mitglieder 61 Jahre. Deshalb ist die Genossenschaft auch bestrebt, mit modernem Wohnraum neue, junge Mitglieder zu gewinnen.

Das Projekt im Neschwitzweg im Grimmaer Süden ist mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt. Durch die baulichen Gegebenheiten hat sich das Wohnungsunternehmen hier gegen den Anbau von Aufzügen entschieden. Dennoch ist die Liste der Arbeiten lang. Der Komplex erhält einen modernen Farbanstrich, auch die Treppenhäuser werden gemalert. Die Genossenschaft lässt die Dachabdichtung ebenso erneuern wie die Außentreppen. Im Keller sind Brandschutzmaßnahmen avisiert, bislang nicht erneuerte Wohnungstüren werden ersetzt. Vor dem im Jahr 1979 eingeweihten Gebäude entstehen 63 zeitgemäße Stellplätze für Autos, erklärt der Technische Vorstand Henning Selditz, jeweils 2,80 Meter breit. Wege werden instand gesetzt und zwei Spielplätze gebaut, einer für die kleineren Kinder, einer für Zehn- bis 16-Jährige. Ebenerdig werden zudem drei Fahrradhäuschen errichtet. „Die Bewohner brauchen Platz für die Räder“, sagt Nauck. Vor allem für die Älteren sei das ohne Barrieren wichtig. Ein Ziel der Genossenschaft ist es nämlich, dass die älteren Mitglieder so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden selbstbestimmt ihren Lebensabend verbringen können.

Während im Neschwitzweg die Bewohner bis Ende Oktober sich mit den Bauarbeitern arrangieren müssen, wird der Wohnblock am Platz der Einheit für den Umbau freigelenkt. Schon jetzt stehen 85 Prozent der Wohnungen leer. Fünf Millionen Euro lässt sich die Genossenschaft die umfassende Sanierung kosten. Das Wichtigste: Alle 40 Wohnungen sind künftig per Außenaufzug erreichbar. Damit werden auch die sonst schwer vermietbaren Bleiben in den oberen Etagen attraktiv. Die Grundrisse im Haus werden geändert, so dass Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen zwischen 53 und 86 Quadratmeter entstehen, „alle mit großzügigem Balkon in Südlage“, wie Nauck verspricht. Das Haus soll für alle Gerationen passen. Für Rollatoren entstehen ebenso Abstellplätze wie für Kinderwagen. „Wir haben uns am Platz der Einheit bewusst gegen einen Neubau entschieden“, erläutert der 46-Jährige. Der wäre 20 bis 30 Prozent teurer geworden.

Für zwei weitere Großprojekte muss die Genossenschaft Geld leihen. Die Finanzierung kann sie nur mit etwa vier Millionen Euro neuer Kredite stemmen. Nauck: „Für unsere kleine Genossenschaft sind das wesentliche Bauvorhaben.“ Es gehe darum, Fünfgeschosser wirtschaftlich aufzustellen. Wenn der Platz der Einheit 8 - 11 in Schuss gebracht worden ist, hat die Genossenschaft keinen unsanierten Wohnblock mehr.

Zahlen und Fakten aus der Geschichte

Seit 62 Jahren ist die Wohnungsgenossenschaft Grimma am Markt. 1955 wurde sie als Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) „Einheit“ Grimma aus der Taufe gehoben. Trägerbetrieb war das Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma (CLG). Noch heute sagen ältere Genossenschaftsmitglieder liebevoll AWG zu ihrem Vermieter. Im November 1990 wurde das Unternehmen in Wohnungsgenossenschaft Grimma umbenannt – kurioserweise verschwand im Jahr der Einheit das „Einheit“ aus dem Namen. Seitdem investierte die Genossenschaft 57,5 Millionen Euro in ihren Wohnungsbestand. In diesem Jahr nimmt sie erneut 2,5 Millionen Euro in die Hand.

Nach der Wende waren im Bestand über 1800 Wohnungen. Durch Veräußerungen im Zuge des Altschuldenhilfegesetzes und Abriss reduzierte sich die Wohnungszahl auf jetzt 1472 – plus zwei Gästewohnungen. Im Jahr 2006 waren 103 Wohnungen zurück gebaut worden. 2009 nahm das Unternehmen auf diesem Weg 60 weitere Wohnungen vom Markt. Im Süden der Stadt Grimma wurden zudem bei Fünfgeschossern die oberen Etagen geschliffen. Vorstand René Nauck schließt nicht aus, bei fehlender Nachfrage weitere Blöcke abzureißen. „Aktuell ist das aber nicht geplant.“

Um dem Leerstand von momentan acht Prozent entgegen zu steuern, setzt die Genossenschaft auf barrierefreie Sanierung, die Veränderung von Wohnungsgrundrissen, eine zeitgemäße Ausstattung, etwa altenfreundliche Bäder, und den Ausbau des Services. Seit 1990 baute sie an ihren Häusern in West und Süd 400 Balkone an.

Die Genossenschaft beschäftigt derzeit 20 Mitarbeiter und bildet eine Person aus.

Von Frank Prenzel

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