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Grimma: Bisonherde ist Touristenmagnet - Nachwuchs wird erwartet

Grimma: Bisonherde ist Touristenmagnet - Nachwuchs wird erwartet

Sonniges Wetter sorgt für Bilder ähnlich einem Ölgemälde. Die majestätischen Tiere grasen auf der grünen Wiese, die mit Butterblumen gespickt ist.

Im Hintergrund rahmt das Dunkelgrün des Waldes, der sich an die hügelige Weide anschließt, die Szenerie. Sobald Diecke mit seiner ehrenamtlichen Helferin Evi Scholz an den Elektrozaun treten, setzt sich der Bulle mit den imposanten Hörnern in Bewegung. Die Kühe und Kälber traben hinterher. "Die Kuh ist bald so weit", stellt Scholz fest. Kurz vor der Geburt würde sie Schleim absondern und grunzen. "Dabei nimmt sie Kontakt mit dem Kalb auf", erzählt die erfahrene Frau. Bereits mehrere Geburten in freier Wildbahn habe sie miterlebt. "Es wird bald losgehen", so Scholz.

Unzählige Radfahrer und Fußgänger pilgern jedes Jahr hierher, um die zwei Bisonbullen und die neun Kühe mit ihren Kälbern zu bestaunen. Seit zehn Jahren hält Diecke die Tiere auf den Wiesen hinter dem Stadtwald von Grimma. Er erinnert sich, dass der Besuch auf der Crow Fair im nordamerikanischen Montana, einem traditionellen Tanzfest der Crow-Indianer, einst der Auslöser war, ein Stück indianische Kultur und Lebensart nach Sachsen zu holen. Der 58-Jährige räumt ein, dass ihn anfangs der Freiheitsgedanken der Indianer reizte. "Mittlerweile ist es die Philosophie, mit der Natur im Einklang zu leben", sagt der frühere Museologe. "Die Bisonzucht spielt dabei eine wichtige Rolle", so der Bauer im Nebenerwerb. Mit vier Tieren, einem Bullen und drei Kühen, habe er angefangen. Heute verkaufe er Kühe an andere Züchter in Sachsen. Außerdem vermarkte er das Fleisch der Tiere, das bei einem Fleischer in Grimma zu Bisonspezialitäten wie Schinken, Knacker und Salami verarbeitet werde. "Wir spielen hier nicht Indianer", stellt Diecke, der für die Linken im Stadtrat von Grimma sitzt, klar. Er versuche lediglich, indianisches Leben losgelöst von Romantik und Klischees unter hiesigen Verhältnissen zu etablieren.

Zur Lebensart gehört das traditionelle Powwow. Das Tanzfest der Crow-Indianer, das am kommenden Wochenende bereits zum 12. Mal auf der Farm abgehalten wird, zieht inzwischen Tausende Besucher an. Authentisch soll es auch dabei zugehen. Bei Begegnungen mit Crow-Indianern, so erzählt Diecke, seien den Mitgliedern des Grimmaer Vereins indianische Lieder übergeben worden. "Das ist Tradition bei den Crow", sagte er. Diese werden am Wochenende gespielt. Dazu wird getanzt, gelacht, indianisches Handwerk gezeigt. Und natürlich die Bisons gefüttert. "Sie sind Grundlage des Lebens und der Kultur der Prärie-Indianer", sagt Diecke. Vielleicht ist die Herde dann bereits um ein Kalb reicher.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.05.2013

Schöppenthau, Birgit

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