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Grimma: Bypass für den Thostgrundbach schafft Baufreiheit am Schöpfwerk

Hochwasserschutz Grimma: Bypass für den Thostgrundbach schafft Baufreiheit am Schöpfwerk

Viele Grimmaer reiben sich dieser Tage verwundert die Augen. Was soll das riesige Rohr, das an der Pöppelmannbrücke über die neue Hochwasserschutzmauer hinweg zur Mulde führt? In dem Rohr wird der vom Rappenberg kommende Thostgrundbach an der Schöpfwerk-Baustelle vorbeigelenkt. Gleichzeitig dient die Leitung als provisorischer Hochwasserschutz.

Über die Hochwasserschutzmauer hinweg schwingt sich der Bypass für den Thostgrundbach. In dieser Woche soll die Leitung fertig werden.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Matthias Berger mag offenbar gewagte internationale Vergleiche. Als es im Herbst vorigen Jahres wegen technischer Probleme massive Zugausfälle zwischen Leipzig, Grimma und Döbeln gab, sprach der Oberbürgermeister der Muldestadt von Zuständen wie in Indien. Eine Werbung fast wie am Londoner Piccadilly Circus sieht er schon am künftigen Rewe-Markt am Rand der Innenstadt vor seinem geistigen Auge. Aktuell zieht der 49-Jährige nun Parallelen zu einer anderen europäischen Großstadt: zu Paris. Grimma erhalte gerade sein Centre Georges-Pompidou, lacht der Rathauschef, und meint das große Rohr, das sich nahe der Pöppelmannbrücke über die neue Hochwasserschutzmauer schwingt. Das Kunst- und Kulturzentrum in der französischen Hauptstadt ist bekannt für seine auffällige Architektur mit riesigen Rohren.

Das Rohr in Grimma, über das sich derzeit viele Leute wundern, hat aber alles andere als einen künstlerischen Hintergrund. Vielmehr schafft es Baufreiheit für einen weiteren Teil der Hochwasserschutz-Anlage – und dient gleichzeitig selbst dem Flutschutz.

Seit Anfang Juni baut die Krause & Co. Hoch-, Tief- und Anlagenbau GmbH aus dem erzgebirgischen Neukirchen im Auftrag der Landestalsperrenverwaltung an der Mulde ein Schöpfwerk für den vom Rappenberg herunterkommenden Thostgrundbach. Das Gewässer 2. Ordnung, für das die Stadt Grimma zuständig ist, verläuft im Stadtbereich unterirdisch. Erst direkt am Muldeufer wird das Mündungsrohr sichtbar. Das aufwendige Schöpfwerk soll im Hochwasser-Fall dafür sorgen, dass sich der Bach nicht hinter der Schutzmauer staut und Grimma gefährdet. Vier Megapumpen sorgen künftig dafür, dass sein Wasser unterirdisch – unter den Schutzwall hindurch – in die Mulde gepresst wird. Es wird so ausgerichtet, dass pro Sekunde 1,5 Kubikmeter Bachwasser in Richtung Mulde gepumpt werden können und mit einer Notstromversorgung versehen. Auch bei massivem Regen soll der anschwellende Thostgrundbach mit dem Schöpfwerk gebändigt und Grimma damit geschützt werden.

Um am Schöpfwerk besser arbeiten zu können, wird das verrohrte Bachwasser vor der Baustelle angesaugt und in dem 120 Meter langen Rohr, dass im Durchmesser 80 Zentimeter misst, über die Schutzmauer hinweg zur Mulde umgeleitet. In dieser Woche wollen die Männer der Neukirchener Firma den Bypass fertig stellen. Er dient gleichzeitig als provisorischer Hochwasserschutz. Bei Starkregen kann pro Sekunde ein Kubikmeter Wasser durch die „Pompidou“-Röhre geführt werden. „So kann uns der Thostgrundbach nicht mehr in den Rücken fallen“, freut sich Berger. Der mit Big-Bags und Sandsäcken geschaffene provisorische Hochwasserschutz für Grimmas Altstadt ist mit dem Bypass komplett. „Er nützt der Baufirma und uns“, so der Oberbürgermeister. Das Provisorium kostet 60 000 Euro, 8000 davon zahlt die Stadt Grimma. Es sei eine Maßgabe des Auftraggebers gewesen, sagt Bauleiter Uwe Klein.

Der röhrene Bypass an der Baugrube vorbei bleibt so lange bestehen, bis das in der Tiefe liegende Schöpfwerk voraussichtlich im August 2018 in Betrieb geht. Das autark arbeitende Werk erhält laut Klein eine Rückschlagsklappe, damit bei Hochwasser die Mulde fern gehalten wird. Der Thostgrundbach laufe dann in die Pumpenkammer, wo bei einem bestimmten Pegel die vier Pumpen mit ihrer Arbeit beginnen. So wird ein Rückstau zum Volksplatz hin verhindert. „Oberirdisch ist künftig nur ein Bedienhaus mit Einstieg für die Kontrolle und Wartung zu sehen“, verdeutlicht der Bauleiter. Seine Firma sorgt für das Gros der Arbeiten am Schöpfwerk, für die Steuerungsanlagen werden andere Unternehmen gebunden.

Von Frank Prenzel

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