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Grimma: Gymnasiasten lehren in Leipzig

Grimma: Gymnasiasten lehren in Leipzig

Der Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten für Sachsen wurde gestern im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig eröffnet. Mit dabei waren Schüler des Grimmaer Gymnasiums St.

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Mathis Nikolaus, Lisa Höer, Nicole Jacob und Zinarin Mutlu (v.l.n.r.) bei ihrem Workshop im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig.

Quelle: privat

Grimma/Leipzig. Augustin. Die Zwölftklässler gestalteten einen Workshop zum Thema „(Zwangs)nachbarschaft und Integration". Das bedeutet: „Wir haben den anderen erläutert, wie ein Zeitzeugengespräch geführt und verarbeitet werden kann", sagt Herma Lautenschläger, Fachbereichsleiterin für Gesellschaftswissenschaften.

Das Gymnasium St. Augustin war bei diesem Wettbewerb in den letzten Jahren sowohl auf Bundesebene (mit einem ersten und einem dritten Preis), als auch auf Landesebene (mehrere Landespreisträger und Förderpreise) immer wieder erfolgreich. Die Schüler des Gymnasiums, die den Workshop durchführten, arbeiten in einem Projekt mit dem Grimmaer Kreismuseum bereits seit anderthalb Jahren zusammen, führten über 40 Gespräche mit Zeitzeugen unter der Mithilfe von Lehrerin Herma Lautenschläger und Museumsleiterin Marita Pesenecker. Die Nachwuchsgeschichtler sammelten Bildmaterial und formulierten Texte – Mitte Dezember wird dazu ein Ausstellung im Grimmaer Kreismuseum eröffnet. „Außerdem entstand in diesem Projekt ein Film", sagt Museumsleiterin Marita Pesenecker.

Hintergrund dieser umfassenden und aufwendigen Arbeiten ist das Thema Flucht, Vertreibung und Integration aus Militsch-Trachenberg – ein polnisch/schlesisches Gebiet – in das Muldental. „1945 und 1946 befanden sich die Menschen auf der Flucht aus diesem Gebiet", sagt Herma Lautenschläger. Pro Tag seien in dieser Zeit etwa 30 000 Menschen nach Sachsen gekommen. Sie wurden den Gemeinden zwangszugewiesen. Ursprünglich nur übergangsweise gedacht, hieß es bald: Ihr bleibt, wo ihr seit.

Für kleinere Dörfer bedeutete es nicht selten einen Bevölkerungszuwachs von bis zu 50 Prozent. „Auf engstem Raum lief das nicht immer friedlich ab", erklärt Herma Lautenschläger. Wie schwierig die Integration regionalgeschichtlich war, das soll auch der Wettbewerb zeigen. „Er soll den Blick für den Zusammenhang zwischen Geschichte und Gegenwart öffnen." Einen weiteren Aspekt greift der Wettbewerb und die Arbeit der Schüler von St. Augustin auf: die Zeitzeugen sterben nach und nach aus. Ohne diese gibt es niemanden, der an die schweren Umwälzungsprozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Durch die Zeitzeugengespräche der Schüler gemeinsam mit dem Grimmaer Kreismuseum kann die Erinnerung gewahrt werden.

Die Schüler, die den Workshop leiteten, werden am Wettbewerb wohl nicht teilnehmen. „Dafür aber andere Schüler", sagt Herma Lautenschläger. Im Wettbewerb forschen Kinder und Jugendliche bis in den Februar hinein unter dem Thema: „Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte". Natürlich hoffen alle forschenden Schüler auf Unterstützung.

Frank Pfeifer

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