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Grimma: Händler organisieren Protest gegen Supermarkt an der Mulde

Grimma: Händler organisieren Protest gegen Supermarkt an der Mulde

Die noch vor wenigen Tagen demonstrierte Einigkeit der Händler bei einer Beratung mit dem Investor hat Risse bekommen. Während einige Gewerbetreibende auf Synergien durch einen modernen Supermarkt hoffen, sehen sich andere in ihrer Existenz bedroht.

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Rewe beliefert den Lebensmittelladen von Jörg Wanke (m.) in der Altstadt. Wie er kämpfen René Grunert und Uschi Ziegler gegen den geplanten Supermarkt des Handelsgiganten auf dem Volkshausplatz.

Quelle: Andreas Röse

"Dann kann ich meinen Laden dicht machen", stöhnte Jörg Wanke. Der Lebensmitteleinzelhändler in der Hohnstädter Straße schätzt realistisch ein, dass er gegen einen Supermarkt des Konzerns nicht mithalten kann. "Da konkurrieren 8000 Artikel gegen 15000 Artikel", so Wanke. Er fühle sich nicht nur von dem Handelsriesen bedroht, sondern auch von der Stadtverwaltung verraten. "Hätte ich von den Gesprächen mit Rewe gewusst, ich hätte den Markt nie eröffnet", sagte er. Die Tragik seines Schicksals: Er holte Rewe als Lieferanten ins Boot und ist auf dem Weg, einen zertifizierten Nachbarschaftsladen nach dem Konzept des Kölner Unternehmens auszubauen. "Nach nur drei Monaten ist der Laden gut eingeführt, etwa 300 Grimmaer kaufen täglich hier ein", so Wanke. Wenn er schließen müsse, dann bleibe er nicht nur auf seinen Investitionen sitzen. Auch fünf Verkäuferinnen würden in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Seit gestern liegen die Unterschriftenlisten nun auch bei Wanke im Laden. "Es geht uns nicht nur um die unmittelbar betroffenen Händler, für die das der sichere Tod ist", stellte Uschi Ziegler vom Kreativhaus fest. Ihre Sorge gelte auch dem Tourismus. "Wer schaut schon in tote Augen aus Fensterglas", fragte die Geschäftsfrau, die den Protest mit organisiert.

Auf Widerstand stoßen die Supermarkt-Pläne auch bei Christdemokraten, Liberalen, Sozialdemokraten und Linken im Stadtrat. "An der Peripherie und auch in der Innenstadt sind zwischenzeitlich ausreichend Märkte vorhanden", sagte Frank Linke, Chef der Fraktionsgemeinschaft von CDU und FDP im Stadtrat. Für Jörg Diecke, Sprecher der Linksfraktion, steht das Projekt im "strikten Widerspruch zum Einzelhandelskonzept" der Stadt. Er befürchte einen Verdrängungswettbewerb, der die einheimischen Händler bedrohe. "Natürlich sind auch Konzeptionen nicht auf immer und ewig festgeschrieben", räumte SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Tschiche ein. Aber ein neuer Supermarkt führe zu einem Überangebot und zu einem schärferen Wettbewerb in der Altstadt.

Nach Auffassung der Wählervereinigung Grimma Stadt und Land sollten die Rewe-Pläne Anlass sein, das Einzelhandelskonzept neu zu überdenken. "Durch den Standort könnte die Innenstadt belebt werden", sagte Fraktionsvorsitzender Conrad Hempel. Auch Hans-Jörg Dossin sieht für das "anspruchsvolle Warensortiment" von Deutschlands Nummer zwei unter den Handelskonzernen ein Klientel in Grimma. Der Fraktionschef der Bürger für Grimma beruft sich auf die Aussage der Rewe-Projektentwickler, die Synergien für die Innenstadt prognostizieren. "Wenn dies zuträfe, ... wäre dieses Projekt eine Option für das Einzelhandelskonzept", so Dossin.

Obwohl das Projekt an sich durchaus Fürsprecher in Grimma findet, wird der Standort aber überwiegend abgelehnt. "Der Volkshausplatz sollte nicht überbaut werden", so das Plädoyer von CDU und FDP. Er sei der einzige öffentliche Veranstaltungsplatz und präge das Erscheinungsbild der Stadt wesentlich. "Der kostenfreie Parkplatz am Eingang der Altstadt ist ... ein Juwel, das man nicht so schnell aus der Hand geben sollte", sagte Tschiche. Den Linken zufolge ist der Standort auch aus städteplanerischen Gesichtspunkten ungeeignet. "Ein Supermarkt würde den Blick auf Schloss und Brücke verstellen", gab Diecke zu bedenken. Auch die Wählervereinigung Grimma Stadt und Land sieht erhebliche Nachteile in diesem Standort. "Die Parkplatzsituation würde sich für alle in der Altstadt arbeitenden Grimmaer, für Gäste und Touristen verschlechtern", befürchtete Hempel. Lediglich Dossin sieht im Volkshausplatz eine Alternative, da innerstädtische Flächen fehlen würden.

Wie bereits angekündigt, sollen die Pläne von Rewe auf einer Bürgerversammlung am kommenden Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Diese Veranstaltung wollen die Freien Wähler von Grimma abwarten, um sich ein Bild zu machen. "Ich möchte dem nicht vorgreifen", sagte Johannes Heine. Erst danach wolle sich die Fraktion darüber verständigen, wie sie sich positioniert.

Für die Konservativen im Stadtrat steht heute bereits fest: "Ich und die Mehrheit meiner Fraktionskollegen würden gegen eine Ansiedlung eines sogenannten Vollsortimenters auf dem Volkshausplatz stimmen", versicherte Linke. Auch für die Linksfraktion steht fest: "Wir werden dieses Projekt ablehnen", so Diecke. Andere Stadträte wie Dossin sind noch unschlüssig. "Ich muss mich dennoch entscheiden, Enthaltungen sollte es nicht geben", sagte der Abgeordnete.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.03.2013

Schöppenthau, Birgit

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