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Grimma: In der Müller-Villa sind Kinder seit 60 Jahren gut aufgehoben

Jubiläum Grimma: In der Müller-Villa sind Kinder seit 60 Jahren gut aufgehoben

Die Faktenlage ist dünn. Eines ist aber sicher: Am 1. Juni 1957 wurde in der imposanten Villa in der Köhlerstraße 2 in Grimma eine Wochenkrippe eröffnet. Das Ereignis gilt als Geburtsstunde der heutigen Kindertagesstätte „Grimmaer Schwanenteich“. Vom 30. Mai bis zum 1. Juni wird das 60-jährige Bestehen groß gefeiert.

Tolle Spielgeräte haben die Steppkes der Kita „Grimmaer Schwanenteich“ in ihrem Garten. In der 1902 erbauten Villa befindet sich ein Teil der Gruppenräume.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Die Faktenlage ist dünn. Eines ist aber sicher: Am 1. Juni 1957 wurde in der imposanten Villa in der Köhlerstraße 2 in Grimma eine Wochenkrippe eröffnet. Das Ereignis gilt als Geburtsstunde der heutigen Kindertagesstätte „Grimmaer Schwanenteich“. Vom 30. Mai bis zum 1. Juni wird nun das 60-jährige Bestehen groß gefeiert. Seit Oktober ist Christine Jüttner die Chefin der Kita, und das Jubiläum schürte ihren Forscherdrang. Im Stadtarchiv wühlte sie sich durch Unterlagen, weil sich im eigenen Haus kaum etwas zur Historie von Villa und Kindergarten fand. Die 54-Jährige vermutet, dass bei den Muldefluten die Chronik verloren ging: 2002 und 2013 standen Keller und Erdgeschoss unter Wasser. Und ein Aufruf an ehemalige Mitarbeiter und Kinder, für eine Ausstellung zum Jubiläum Erinnerungen aufzuschreiben und Fotos herauszusuchen, fruchtete kaum. Nur zwei einstige Erzieherinnen brachten Bilder aus DDR-Zeiten.

Immerhin kann Jüttner vergilbte Projektpläne für die Villa, die sich Großmüller Gleisberg 1902 als Wohnhaus errichten ließ, vorzeigen. „Die habe ich im Archiv in einem unscheinbaren Umschlag entdeckt“, freut sich die Kita-Chefin. Auch die Kopien zwei alter Postkarten der Köhlerstraße aus dem Kreismuseum liegen auf ihrem Tisch. Zum Kriegsende nahm wohl das Militär die Villa in Beschlag, Unterlagen dazu gibt es aber nicht. Dafür existiert noch die vom damaligen Bürgermeister Gründel unterzeichnete Einladung zur Einweihungsfeier der Wochenkrippe.

Rund um die Uhr wurden seinerzeit von Montag bis Freitag Kleinstkinder im Köhlerweg betreut. Im Haus standen 80 Plätze zur Verfügung, außerdem 20 Tageskrippen-Plätze im Wallgraben. Während die Wallgraben-Einrichtung später geschlossen wurde, kam im Köhlerweg ein Teil der Großmühle als zweites Gebäude hinzu. Jüttner hat auch Unterlagen von Baumaßnahmen gefunden. Offenbar waren schon zu DDR-Zeiten regelmäßig Bauarbeiter im Kindergarten.

Am 1. Juli 1996 brach eine neue Ära an. An jenem Tag übernahm die Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental als freier Träger die Kindertagesstätte. Und hatte mit den zwei Muldefluten zu kämpfen. Der wunderschöne, idyllisch gelegene Garten ist nach erneutem Aufbau erst 2016 wieder übergeben worden. Die ein- bis siebenjährigen Steppkes können hier ein großes Spielschiff in Beschlag nehmen oder unterm Sonnensegel im Sandkasten buddeln. Im Winter geht es mit dem Schlitten rasant einen kleinen Hang hinunter. Und die Krippenkinder haben einen gesonderten Spielbereich.

Die derzeit 105 Dreikäsehoch werden von einem 15-köpfigen Team betreut. Ausgelegt ist die Kita für 72 Kindergarten- und 48 Krippenplätze. „Wir sind eine integrative Einrichtung“, erläutert Jüttner, drei Mitarbeiter haben eine heilpädagogische Zusatzqualifikation. Im Moment erfahren sechs behinderte Kinder Fürsorge in der Kita, die auch eine Ausbildungseinrichtung ist.

„Kita früher – Kita heute“ ist das Motto des ersten Tages der Jubiläumsfeier. Eine Ausstellung im Bewegungsraum des hinteren Hauses führt Dokumente und Fotos vor Augen, „wir zeigen auch altes Spielzeug aus unserem Fundus“, verrät Jüttner, die in Brandis als Stadträtin des Bürgervereins bekannt ist. Ab 8.30 Uhr und nach der Mittagsruhe von 14.30 bis 17 Uhr stehen die Türen der Kita am Dienstag weit offen. Ehemalige Kinder und Mitarbeiter sowie andere Interessenten können schauen, wie sich die Einrichtung gemausert hat. 9 und 10 Uhr sowie 15 und 16 Uhr gibt es Führungen. Jüttner bittet auch, dass sich die Besucher ins Gästebuch eintragen.

Der Mittwoch gehört den Steppkes ganz allein. „Wir feiern am Vormittag ein Kinderfest“, so Jüttner. Der eigentliche Festtag ist dann der 1. Juni, wenn gemeinsam mit den Eltern um 15 Uhr der Reigen beginnt und der Geschäftsführer des Trägervereins, Lutz Stephan, sprechen wird. Jüttner verspricht viele Mitmachstationen und Überraschungen. Auch die Grimmaer Feuerwehr ist zugegen. Mit einem Grillabend klingt das Jubiläum schließlich aus.

Von Frank Prenzel

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