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Grimma Grimma: Kirchenmitglieder denken über neue Strukturen nach – fassbar ist noch nichts
Region Grimma Grimma: Kirchenmitglieder denken über neue Strukturen nach – fassbar ist noch nichts
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00:18 07.07.2017
Die Frauenkirche in Grimma. Quelle: Andreas Röse
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Grimma

Der Mitgliederschwund macht auch um die evangelisch-lutherische Kirche im Grimmaer Raum keinen Bogen. In der Region arbeiten zwischen Mutzschen und Ammelshain 16 Schwestergemeinden zusammen – fernab von politischen Strukturen wie dem Stadtgebiet Grimma. 4150 Menschen gehen hier ihrem Glauben nach, Grimma als größte Gemeinde im Verbund zählt derzeit 1640 Gemeindeglieder. Bis zum vorigen Jahr konnten noch vier Pfarrer dieses Gebiet seelsorgerisch betreuen. Doch als Yette Schwarze von Trebsen ins Institut für Seelsorge und Gemeindepraxis Leipzig wechselte, wurde ihre Stelle nicht wieder besetzt. „Weil die Gemeinden kleiner werden, kann die Kirche nicht mehr so viel Personal finanzieren“, bringt es Grimmas Pfarrer Torsten Merkel auf den Punkt.

Die Überlegungen, wie die Arbeit neu strukturiert wird, seien noch nicht abgeschlossen, sagt Merkel, der mit Markus Wendland (Nerchau) und Henning Olschowsky (Mutzschen) das verbliebene Pfarrer-Trio bildet. Es wird im Verkündungsgottesdienst von drei bis vier ehrenamtlichen Prädikanten unterstützt, so dass in allen 16 Kirchen regelmäßig zum Gebet gerufen werden kann – beileibe aber nicht jeden Sonntag. „Wir wollen die bislang vier Seelsorgebezirke auf die drei Pfarrer aufteilen, sagt Merkel, auf den derzeit die Hauptverantwortung für den Trebsener Bereich lastet.

Als mitgliedstärkste ist Grimma die anstellende Gemeinde der evangelisch-lutherischen Kirche im Raum. Pfarrer Merkel weiß mit Kantor, Gemeindepädagogin, Kirchner und Verwaltungsangestellte vier Mitarbeiter an seiner Seite. Hinzu kommen die sechs Angestellten für den Friedhof. „Ich schätze meine Mitarbeiter für ihr Engagement und wie sie sich in die Gesellschaft einbringen sehr“, lobt Merkel. Indes bleibt viel Verwaltungsarbeit und Organisation beim Pfarrer hängen, was zu Lasten der seelsorgerischen Arbeit geht. Auch deshalb gibt es seinen Worten zufolge Überlegungen, Strukturen größer zu fassen. „Wir sind bereit, mit anderen nach Lösungen zu suchen“, sagt er. Es sei aber ein zäher Prozess.

Es werde immer der Wunsch geäußert, dass die Pfarrer von Verwaltungsarbeit entlastet werden. Wenn man aber die Verwaltung vereinfachen könnte, zum Beispiel durch Gemeindefusionen und damit weniger Sitzungen, tue man sich schwer, sagt Merkel. Wundern tut ihn das allerdings nicht. Vieles sei aus den Dörfern verschwunden, da würden sich die Leute an die Kirche klammern. Dennoch stehe die Frage, wie lange kleine Gemeinden überlebensfähig sind. Es sei aber deren Entscheidung, über Zusammenschlüsse zu befinden. Zum Beispiel würden die Gemeinden von Mutzschen bis Fremdiswalde über eine Fusion nachdenken, konkret fassbar sei aber noch nichts. „Jede Veränderung von Gewohntem stößt erst mal auf Widerstand“, weiß Pfarrer Merkel.

Er selbst steht manchmal wochenlang nicht auf der Kanzel in Grimma, sondern gestaltet dann den Gottesdienst in den Dorfkirchen. „Im Januar und Februar war ich gar nicht in Grimma“, erinnert er sich noch allzu gut und sagt: „Wir verzichten auf eine ganze Menge, um auch die Region zu bedienen.“

Von Frank Prenzel

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