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Grimma Grimma: Neuntklässler machen Senioren fit fürs Internet
Region Grimma Grimma: Neuntklässler machen Senioren fit fürs Internet
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15:30 24.04.2017
Senioren fit fürs Internet: Oberschüler Philipp Keller hilft hier Lothar Käse bei der Umsetzung der gestellten Aufgabe. Die älteren Leute werden von Neuntklässlern unterrichtet. Quelle: Foto: Thomas Kube
Grimma

Dass Schüler als Lehrer vor Erwachsenen stehen, ist eher selten. Doch genau dieses Bild bietet sich derzeit jeden Montagnachmittag im Technikgebäude der Grimmaer Oberschule. Dort sitzen 16 Senioren – 13 Frauen und drei Männer – auf den Schulbänken, jeder vor sich einen aufgeklappten Laptop. Neuntklässler der Schule bringen ihnen die ersten Schritte der Textverarbeitung und der Internetnutzung bei.

Während Marcel Biegel den Beamer dirigiert, geht Philipp Keller durch die Reihen, schaut den Schülern jenseits der 65 über die Schulter, greift helfend ein. Die zwei 15-Jährigen aus der 9b der Oberschule am Wallgraben gehören zu dem sechsköpfigen Team, das die Senioren fit fürs Internet machen will. „Wir bringen ihnen Standardkenntnisse bei“, berichtet Marcel. Die Oberschüler führen die wissbegierigen Rentner in das Textprogramm Word ein, erklären ihnen das Schreiben von E-Mails und die Funktionsweise von Google, erläutern, was beim Internet-Surfen wichtig ist. Für Marcel, Philipp und die anderen ist dieses Einmaleins am Rechner kein Problem. In jeweils Dreiergruppen wechseln sie sich an den zehn Montagen ab. Auf Wunsch können die Teilnehmer zwei Stunden Unterricht dranhängen. „Manche wollen zum Beispiel wissen, wie Skype funktioniert“, erklärt Marcel, der in der Techniker-Gruppe der Schule mitwirkt. Gelegentlich werde dort auch schon mal Lehrern geholfen, verrät der Grimmaer.

Marcel zögerte nicht, als ihn Schulleiter Steffen Kretschmar zum Mitmachen .

Die Idee so eines Computerkurses für Senioren wurde vor fünf Jahren im Mehrgenerationenhaus „Alte Feuerwehr“ geboren. „Wir sind dann auf die Schulleitung zugegangen und haben das Angebot gemeinsam aus der Taufe gehoben“, erinnert sich Leiterin Steffi Selzer. Seitdem gebe es pro Schuljahr wenigstens einen Kurs. Selzer bezeichnet das Projekt als „großen Erfolg“ beim generationenübergreifenden Arbeiten. „Jung hilft Alt“, freut sie sich.

Die organisatorischen Fäden hält im Auftrag des Mehrgenerationenhauses Monika Richter in der Hand. Die jetzt 73-Jährige, die lange Zeit im Hort der damaligen Grundschule arbeitete, hat den Computerkurs selbst als „Schüler“ absolviert – und das gleich zweimal. Viele Senioren würden von ihren Enkeln zum Mitmachen animiert, weiß sie. Kein Wunder: Die jungen Leute, die mit Smartphone und Tablet aufwachsen, möchten mit Oma und Opa online kommunizieren. Bei der Anmeldung zum jetzigen Kurs, musste Monika Richter sogar einige Senioren vertrösten: Es gab mehr Interessenten als Plätze. Die Organisatorin erzählt auch, worauf es ankommt: „Wir wollen den Teilnehmern Sicherheit im Internet beibringen und dass sie am Computer selbstständig Briefe verfassen können, etwa an Behörden.“

Vor einem Laptop sitzt auch Marianne Perschke aus Grimma. Die 69-Jährige, die vor der Rente als Graviererin für Röntgen-Bedarfsartikel arbeitete, will lernen, wie die Ränder und der Abstand zwischen den Zeilen richtig eingestellt werden. Und sie freut sich, unter Menschen zu sein. Marlies Grube hat früher ihr Geld in der Kreismedienstelle verdient. „Ich bin jetzt 13 Jahre raus und habe Nachholebedarf“, verrät die 73-Jährige. Ihre sechs Enkel hatten sie gedrängt, sich auf die Schulbank zu setzen und wollen ihr nach dem Kurs einen Laptop schenken. Wohl nicht nur deshalb will die Grimmaerin auf jeden Fall noch das Skypen lernen. Für ihre „Lehrer“ spart Marlies Grube nicht mit Lob. „Die Jungs machen ihre Aufgabe sehr gut“, sagt sie.

Übrigens kostet der Kurs, der mit einem Wissenstest endet, gerade Mal 2,50 Euro pro Stunde. Ein symbolischer Preis, den sich die Schülerlehrer einstecken dürfen.

Von Frank Prenzel

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