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Grimma Grimma: Reitverein will privaten Investor aus dem Feld schlagen und Rittergut kaufen
Region Grimma Grimma: Reitverein will privaten Investor aus dem Feld schlagen und Rittergut kaufen
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00:21 13.11.2017
Der Reit- und Fahrverein Grimma möchte nun selbst das desolate Türmchenhaus vom alten Rittergut in Hohnstädt erwerben. Quelle: Foto: Frank Prenzel
Grimma

Im Galopp – wenn man so will – arbeitet der Reit- und Fahrverein Grimma am Konzept für sein Domizil. Am kommenden Sonnabend muss es der Stadtverwaltung vorliegen. „Wir wollen Eigentümer werden“, bringt es Daniela Drese, Vorstandsmitglied und Tochter von Vereinschef Freimut Zuhl, auf den Punkt. Nur so ließen sich die Ziele des Vereins verwirklichen. Die Kaufabsicht ist auch eine Kampfansage an den potenziellen privaten Erwerber.

Wie berichtet, möchte die Stadt Grimma das Türmchenhaus des einstigen Rittergutes in Hohnstädt verkaufen – die Bahrener Straße 5. Seit vielen Jahren schon nutzt der Verein als Pächter das längst desolate Haus und das Nebengebäude. Als der mögliche Käufer seine Vorstellungen darlegte, brach jedoch schnell ein Konflikt auf. Der Verein mit seinen fast 100 Mitgliedern fürchtet um seine Zukunft am etablierten Platz und um seine Existenz, sollten die Pläne des Mannes Realität werden (die LVZ berichtete). Eigentlich sollte der Stadtrat im September den Verkauf an den Privatmann in trockene Tücher bringen. Doch nach einem Vor-Ort-Gespräch wenige Tage vor der Sitzung wurde der Beschluss abgesetzt und dem Verein die Chance eingeräumt, ein eigenes Konzept vorzulegen. Der kaufwillige Investor will sein Angebot bis Jahresende aufrecht erhalten.

Für 8650 Euro will die Stadt das Türmchenhaus veräußern. „Den Preis können wir aufbringen“, sagt Drese. Aus angespartem Geld. Als Eigentümer könne der Verein dann Fördermittel akquirieren und mit der Sanierung beginnen. Denn die Stadt will mit dem Verkauf endlich den Verfall des alten Rittergutes stoppen und setzt Auflagen.

Nach dem Vor-Ort-Termin im September rief der Verein umgehend eine 15-köpfige Arbeitsgruppe ins Leben, die am Konzept strickt und es untersetzt. „Uns wurde schnell bewusst, dass wir Eigentümer werden müssen“, so Drese. Dann sei es einfacher, Unterstützer zu werben, und man laufe nicht Gefahr, Fördergeld in den Sand zu setzen.

Positive Signale gebe es bereits vom Landessportbund. Möglicherweise können aus dem Topf zur Erhaltung von Sportstätten um die 60 000 Euro an den Verein fließen, der die gleiche Summe an Eigenmittel aufbringen müsste. Der Vereinsvorstand ist zuversichtlich, das mit Spenden und Sachleistungen auch stemmen zu können. „Es würde zum Beispiel schon helfen, wenn uns Baufirmen materiell unterstützen“, so Vereinschef Zuhl. Und unter den Eltern der Reitkinder seien auch viele Leute vom Fach. Der Verein möchte auch andere Fördertöpfe anzapfen und ist dazu mit dem Landespferdesportverband im Kontakt.

„Wir können aber nicht den zweiten vor den ersten Schritt setzen“, gibt Drese zu verstehen. Der Antrag beim Sportbund könne nur unter der Prämisse gestellt werden, „dass wir Eigentümer sind“. Mit Hilfe des Fördergeldes sollen dann zunächst Dach und Fassade des Türmchenhauses erneuert und so der Verfall gestoppt werden. In der Perspektive möchte der Reitverein dann auch das Nebengebäude erwerben, in das schon viel Eigenleistung steckt. „Wir brauchen alles“, so Zuhl. Derzeit sind in beiden Gebäuden acht Vereinspferde und 14 Einsteller untergebracht. Das Türmchenhaus dient auch der Heulagerung und Futtervorbereitung. Der Verein nutzt zudem ein fast neun Hektar großes Gelände, ist auch für die Pflege der Böhlschen Wiesen verantwortlich.

Zuhl erinnert, dass die Stadt für die Sanierung des einstigen Rittergutes schon einmal 50 000 Euro im Haushalt stehen hatte. Doch die Flut im Frühsommer 2013 kam dazwischen, das Geld wurde an anderer Stelle dringender gebraucht. Nach der ersten Ausschreibung habe sich Ritterguts-Nachbar Rico Chowaniec um das Türmchenhaus beworben. „Mit ihm hatten wir eine Lösung gefunden“, sagt Zuhl. Der Dachdecker kam aber nicht zum Zuge. Die neuerliche Ausschreibung hat den Verein dann offenbar kalt getroffen. „Leider sind wir als Pächter außen vor gelassen worden“, so der Vereinschef. Der Pachtvertrag enthält eine Sanierungsklausel. Erfüllt sie der Verein nicht, würde der Vertrag fünf Jahre eher und damit am 31. Dezember 2019 enden. Nun hofft der Vorstand, mit seinem Konzept den Stadtrat überzeugen zu können, um für seine gemeinnützige Arbeit eine solide Basis zu behalten.

www.reitverein-grimma.de

Von Frank Prenzel

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