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Grimma: Schuhhändler Joachim Mädler saniert denkmalgeschütztes Haus

Grimma: Schuhhändler Joachim Mädler saniert denkmalgeschütztes Haus

Aber die Macher der Muldestadt raffen sich auf und beginnen von vorn. Eine rote Schleife windet sich um die Eingangstür zum Laden in Grimmas Altstadt.

t. Die Eröffnung kurz vor Weihnachten sei für ihn das schönste Geschenk gewesen, sagt Joachim Mätzold vom gleichnamigen Schuhhaus. Die zurückliegenden Monate hätten Kraft und Nerven gekostet. "2013 war nicht unser Jahr", so der 60-Jährige. Er hoffe, dass 2014 besser werde.

Obwohl das Unternehmen in der Langen Straße ein Flaggschiff im Branchenmix der Stadt ist, nehmen sich die Mätzolds Zeit für die Sanierung. Nicht nur, weil sie dem Laden in dem denkmalgeschützten Gebäude die Zeit zum Trocknen geben möchten. "Wir haben auch intensiv nach Lösungen gesucht, um künftige Schäden in Grenzen zu halten", erklärt der Unternehmenslenker und bemüht ganz bewusst das Wort nachhaltig. Die Falte auf der Nasenwurzel vertieft sich, während er von der Odyssee erzählt, Experten zu finden, die realistische Sanierungswege für Altbauten aufzeigen können. "Jetzt haben wir Vorsorge getroffen", so der Geschäftsmann. Versorgungsleitungen seien beispielsweise aus dem Fußboden entfernt und in den Wänden versteckt. Die Heizung habe er höhergelegt.

Aber das kann die Zuversicht nach zwei Flutkatastrophen in den Jahren 2002 und 2013 nur bedingt stärken. Der grauhaarige Mann, der als Mitglied im Grimmaer Gewerbeverein und in der Genossenschaft Grimma erleben mitmischt, wenn es um die Belange der Altstadt geht, appelliert an die Stadtväter. "Sie haben eine Verantwortung, um die Einwohner der Altstadt zu schützen - wir sind auch ein Teil von Grimma", fordert er. Tief sitzt die Furcht, dass die Hochwasserschutzmauer mit Fertigstellungstermin im Jahr 2017 zu spät kommt.

Trotz der Bedenken hadern Mätzolds nicht mit dem Standort. "Wir haben eine Verpflichtung gegenüber der Tradition", so der Kaufmann, der Mitte der 80er-Jahre den Beruf des Maschinenbauers an den Nagel hängt, in das traditionsreiche, elterliche Schuhgeschäft Jubisch einsteigt und dieses Anfang der 90er-Jahre um das ehemalige HO-Lederwarengeschäft in der Langen Straße erweitert. Als im Sommer vorigen Jahres die Einladungen für das 125-jährige Jubiläum des Schuhgeschäfts Jubisch in Druck gehen, überflutet die Mulde beide Häuser. "Der Schaden ist genauso hoch wie 2002", resümiert Mätzold betroffen.

Obwohl sie wissen, wie mühsam die nächsten Monate und Jahre werden, entscheiden sie sich ein zweites Mal für den Neuanfang. "Davon hängt unsere und die Existenz unserer Mitarbeiter ab", so die 59-jährige Beate. Die Treue der Kunden, die während des provisorischen Schuhverkaufs in einer Wohnung des Hauses den Weg zu ihnen fanden, und die Unterstützung durch Freunde sowie Handwerker hätten sie motiviert. "Auch wenn es vielleicht zwei, drei Jahre dauern wird, bis das Geschäft wieder auf dem früheren Niveau ankommen wird - wir müssen weitermachen", pflichtet Joachim Mätzold seiner Frau bei. Wohlwissend, dass äußere Rahmenbedingungen die Familie dazu zwingen. Auf den Immobilien, die bis 2002 grundlegend saniert worden sind, liegen Kredite. Ein Verkauf würde voraussichtlich nicht den Ertrag erzielen, der zur Ablösung notwendig wäre. "Für uns stand es außer Frage, aufzugeben", so Mätzold nachdenklich. Auch Schwester Ursula Richter, die die Filiale in der Weberstraße führt, habe zur Stange gehalten.

Nachdem die gebürtigen Grimmaer den Kraftakt gestemmt haben, sehen sie die Zukunft der Altstadt aber mit Sorge. Mätzold denkt durchaus kritisch über die Entwicklung des Einzelhandels nach. Nicht nur in der hohen Altersstruktur der etablierten Händler sehe er ein Problem. Auch weiteren Einzelhandelsflächen, etwa für einen Supermarkt, unweit der Altstadt erteilt er eine Abfuhr. "Das bedroht zwar nicht uns persönlich, aber Händler mit ähnlichen Sortimenten", befürchtet Beate Mätzold. Ein Sterben von Einzelhändlern könnte die Folge sein. "Dann wird Grimma zur Schlafstadt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.01.2014
Schöppenthau, Birgit

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