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Grimma: Stadt ist Stromexporteur

Grimma: Stadt ist Stromexporteur

Den European Energy Award (EEA) holt sich am 15. Oktober in Dresden eine kleine Grimmaer Delegation ab. Es klingt nach einer unglaublichen Auszeichnung – es ist ein Zertifikat für nachhaltige Energiepolitik.

Grimma. Die Energie- und Klimaschutzaktivitäten werden anhand eines festen Maßnahmekatalogs bewertet. Die Stadt Grimma erreichte 56,5 Prozent der möglichen Punkte. Was bedeutet: Mit der untersten Stufe ist ein Zwischenziel erreicht. Das Programm des EEA soll weiter verfolgt werden. Ein 200-seitiges Klimakonzept verfolgt bis zum Jahr 2025 noch höhere Ziele.

„Es ist relativ beachtlich, über diese Zwischenstufe gesprungen zu sein", sagt Jochen Lischke, Amtsleiter des Stadtplanungsamtes. Im Jahr 2010 beschloss Grimma, am EEA (EU-Projekt) teilzunehmen. Bis zur Prüfung im Juli 2012 waren schon über 50 Prozent der Kriterien erfüllt. Drei Säulen sind dafür maßgeblich gewesen: bessere Straßenbeleuchtung, Gebäudedämmung und Energiemanagement.

Bei der Straßenbeleuchtung wurden die alten Birnen durch Energiesparlampen ersetzt, unterstützt durch Förderungen des Freistaates. Weitere Einsparungen gibt es durch die Klassiker: „Etwa dimmen oder ab 23 Uhr nur jede zweite Laterne leuchten zu lassen", erklärt Lischke. Die zweite Säule ist die Gebäudedämmung. Bei Neubauten und Sanierungen werden durch die Energieeinsparverordnung die Standards vorgeschrieben. „Die Schulen und Feuerwehren sind teilweise schon auf dem Niveau von Passivhäusern. Auch dafür gibt es Förderungen." Zum Dritten mussten durch die Jahrtausendflut zahlreiche Heizungsanlagen erneuert werden. Ein Vorteil und „Alleinstellungsmerkmal in der Region", so der Amtsleiter. Dadurch könnten mittlerweile etwa Klassenzimmer einzeln geheizt werden, oder wenn sie nicht besetzt sind, unbeheizt bleiben. Allerdings seien manche Potenziale noch nicht ausgeschöpft, erklärt Lischke. So könnten etwa energiesparende Autos angeschafft werden. „Mit diesem Kleinvieh punktet man."

Parallel zum Konzept für den Award entwickelte die Firma „seecon" das Klimaschutzkonzept für die Stadt Grimma. Auch in diesem ist die Verminderung des Kohlendioxidausstoßes das Ziel. Es ist unter anderem die vorgesehene Entwicklung der erneuerbaren Energien beschrieben: „Die notwendigen Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien belaufen sich auf etwa 305 Millionen Euro innerhalb von 15 Jahren. Davon entfallen etwa 93 Millionen Euro auf die Photovoltaik, 108 Millionen Euro auf die Solarthermie und 99 Millionen Euro auf die Windkraft. Die Kosten für den Ausbau der Kapazitäten der Wasserkraft betragen schätzungsweise fünf Millionen Euro."

Bisher erzeugt Grimma „etwa 100 Prozent der verbrauchten Strommenge", schätzt Lischke. Was nicht bedeutet, dass die Stadt autark ist. Denn der Energiemix hat noch nicht jenes Niveau erreicht, dass eine Grundsicherung für die Stromversorgung gegeben ist. Weht kein Wind und scheint keine Sonne, reichen die vier Biogasanlagen nicht aus, um den Strombedarf der privaten Haushalte zu decken. „Grimma ist Energieexporteur." In der Zukunft sollen es gar einmal 300 Prozent aus selbst erzeugter Energie sein. „Ein erstrebenswertes Ziel", sagt der Stadtentwickler. Allerdings befürchtet er, dass damit Geister geweckt werden könnten: Initiativen gegen Biogas-, Wind- oder Photovoltaikanlagen. Die Beteiligung der Bürger sei wichtiger denn je. Matthias Pöls

Matthias Pöls

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