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Grimma: Zwei Kleiderkammern einen Steinwurf voneinander entfernt

Für Bedürftige Grimma: Zwei Kleiderkammern einen Steinwurf voneinander entfernt

In Grimma gibt es gleich zwei Kleiderkammern für Menschen mit kleinem Geldbeutel. Sie liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Die kommunale Kleiderkammer wird von der Stiftung „St. Georgenhospital“ betrieben, die Kammer des DRK-Kreisverbandes Muldental ist etwas größer angelegt. Als Konkurrenten sehen sich beide Einrichtungen nicht.

In Grimma gibt es zwei Kleiderkammern.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. 2016 wird Christa Werner nicht so schnell vergessen. „Das war schon hart“, bringt es die Einzelkämpferin auf den Punkt. Denn durch die Flüchtlingswelle gaben sich bei ihr die Leute sozusagen die Klinke in die Hand. Die 63-Jährige ist die gute Seele der kommunalen Kleiderkammer der Stiftung „St. Georgenhospital“. Zweimal in der Woche öffnet sie die Kammer, die etwas versteckt in der Grimmaer Bahnhofstraße 5 liegt. Dienstags nimmt sie von 12 bis 17.30 Uhr ausrangierte, gut erhaltene Textilien entgegen, donnerstags können sich Bedürftige von 8.30 bis 12 und 13 bis 15.30 Uhr etwas Passendes aussuchen.

Im vorigen Jahr zählte Werner 4750 Besucher in ihrer Kleiderkammer. Das waren 720 mehr als 2015. Da blieb der Frau, die bei der Stiftung für 22 Wochenstunden angestellt ist, kaum Zeit zum Luftholen. Zum größten Teil steckten Asylbewerber ihre Nase herein, um sich für kleines Geld einzukleiden, inzwischen ändert sich das Bild langsam wieder. Die Verständigung erfolgte „mit Händen und Füßen“, verdeutlicht die Grimmaerin. „Ganze Familien schlugen auf und hatten nichts – sie brauchten ja fast alles.“ Schon für einen Euro hängen bei Christa Werner ordentliche Sachen auf der Stange. Einen nagelneuen Markenanzug, der mal 300 Euro kostete, gibt sie für 15 Euro her. Allerdings lässt sie nicht mit sich feilschen. Das hätten die Flüchtlinge erst lernen müssen. Auch, dass die Kleidung nach dem Anschauen wieder auf ihren Platz gehört. Werner, die seit 1991 die Kleiderkammer betreut, pocht auf Ordnung.

Sie hat aber nicht nur mit der Annahme und Ausgabe und dem Sortieren der Kleidung zu tun. Manchmal ist Christa Werner auch als Seelentrösterin gefragt. Gerade Ältere aus den Neubauten kämen mit einem Pullover oder einer Hose in der Tasche und wollten eigentlich ihr Herz ausschütten. Manche suchen Rat zu Bescheiden oder Anträgen, die 63-Jährige, die zu DDR-Zeiten als Technische Zeichnerin ihr Brot verdiente, hilft so gut sie kann. Viele Leute bringen die Sachen zu ihr, weil sie das Ausrangierte so in guten Händen wissen. „Manche kommen schon seit mehr als 20 Jahren“, erzählt die Frau. Was sie nicht verkauft, macht Christa Werner für Hilfstransporte fertig. So steuerte sie im September für eine Ladung ins polnische Lublin dreieinhalb Tonnen bei. Kisten packte sie 2016 auch für sechs private Hilfsreisen in die Ukraine und nach Serbien.

Wer bei ihr nicht fündig wird, den empfiehlt die Grimmaerin die Kleiderkammer des DRK-Kreisverbandes Muldental, die nur wenige Schritte entfernt an vier Tagen die Woche geöffnet ist (montags und mittwochs von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags jeweils bis 17 Uhr). Beide Einrichtungen sehen sich nicht als Konkurrenten. „Es ist in unser aller Interesse, Hilfsbedürftige der Region bestmöglich zu unterstützen“, gibt DRK-Sprecherin Antje Wedler zu Protokoll. Ein breites Angebot sei nur positiv zu bewerten. Das DRK zog nach der Muldeflut 2013 von der Schulstraße nach Grimma-Süd, aufgrund der Nähe zum Jobcenter habe sich der Standort für Bedürftige gut etabliert.

Die 80 Quadratmeter große DRK-Kleiderkammer mit Ausgabe-, Sortier- und Lagerraum ist üppiger angelegt. Leiterin Heike Förster weiß fünf „Ein-Euro-Jobber“ an ihrer Seite. Auch ehrenamtliche Helfer legen bei Bedarf mit Hand an. „Wir geben Textilien, Schuhe, Spielzeug und Haushaltartikel an hilfsbedürftige Familien mit geringen Einkommen aus“, so Wedler – für einen geringen Obolus. Derzeit sei jeder Fünfte, der die Kleiderkammer aufsucht, ein Flüchtling, schätzt sie ein. Die Gemeinschaftsunterkunft „Roter Ochse“ liegt nur einen Steinwurf entfernt. Im vorigen Jahr zählte das DRK in der Bahnhofstraße 1080 bedürftige Familien, die sich rund 26 000 Kleidungsstücke, 1250 Paar Schuhe und etwa 12 000 sonstige Dinge aussuchten.

Während Christa Werner ihre Regale und Stangen ausschließlich mit Ware bestückt, die ihr gebracht wird, nutzt das DRK auch seine 48 Sammelcontainer in Grimma und Umgebung. In der Kleiderkammer selbst wurden laut Wedler im vorigen Jahr 112 Tonnen Kleiderspenden abgegeben.

Christa Werner wechselt gerade von Winter- auf Frühlingskleidung. Sie ist zufrieden, wie es mit ihrer Kleiderkammer läuft. Eines treibt sie aber um. „Ich wünsche mir, dass die Leute von ihrer Arbeit auch leben können“, gibt die Grimmaerin zu verstehen. Dass sich Menschen trotz eines Jobs Zuschüsse vom Amt holen müssen, ist für sie nicht tragbar. Sie hätte deshalb lieber weniger Kundschaft.

Von Frank Prenzel

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