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Grimma Grimma bei Neubau von Stadion unter Druck: Bank setzt Deadline 2019
Region Grimma Grimma bei Neubau von Stadion unter Druck: Bank setzt Deadline 2019
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00:20 17.09.2017
Müssen selbst die etwa 500 Sitzschalen weg? Darüber verhandelt die Stadt Grimma noch mit der Sächsischen Aufbaubank. Quelle: Frank Schmidt
Grimma

Die Zeit könnte knapp werden. Bis zum 30. Juni 2019 muss die Stadt Grimma der Sächsischen Aufbaubank (SAB) die Schlussrechnungen für die neuen Fußballplätze an der Lausicker Straße und den Umbau des Stadions der Freundschaft vorlegen. Das sind knapp zwei Jahre, und bislang ist kein einziger Bagger zu sehen. Für beide, im Zusammenhang zu betrachtende Vorhaben liege die Genehmigungsplanung und die Baugenehmigung vor, sagt Grimmas Hochbauamtsleiterin Ute Hoppe. Die sogenannte Ausführungsplanung ist noch für beide Objekte auszuarbeiten. Nach jetzigem Stand sei in der ersten Aprilwoche 2018 mit dem Baustart zu rechnen, erläutert Hoppe.

Die Bauarbeiter werden zunächst am künftigen „Sportzentrum Husarenkaserne“ anrücken. Um den Sportbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, sollen die Arbeiten im Stadion der Freundschaft erst später beginnen. Um ein paralleles Baufeld kommt die Stadt aber nicht herum. Eine Herausforderung, da mit dem Wegfall des Jahnstadions, an dessen Stelle ein Supermarkt entsteht, bereits Training und Spiele des Fußballnachwuchses verlagert werden müssen.

Der Zuwendungsbescheid der SAB vom 28. Juni 2016 weist einen Zuschuss von rund 3,28 Millionen Euro aus. Für den Ersatzneubau der Fußballplätze muss die Stadt 1,29 Millionen Euro selbst aufbringen und auch den Umbau des Stadions der Freundschaft aus eigener Tasche stemmen: 485 000 Euro. Summa summarum ist das eine Investition von reichlich fünf Millionen Euro. Grimma deckt die Eigenmittel aus Versicherungsgeldern der Hochwasserkatastrophe und dem Verkauf des Jahnstadions an den Rewe-Bauherrn. Sobald der die 1,6 Millionen Euro überwiesen hat, kann die Stadt loslegen und die Detailplanung auslösen.

Das Stadion der Freundschaft steht vor einem gravierenden Wandel: Einst Heimstätte von Sachsenligist FC Grimma steht nun ein gravierender Rückbau bevor. Seit dem Hochwasser 2013 ist ein Neubau am Rand von Grimma geplant. In der traditionsreichen Sportstätte soll künftig nur noch Schulsport stattfinden.

Weil an der Lausicker Straße als Ersatz für die zwei innerstädtischen Fußballplätze ein Neubau mit Kunstrasen- und Rasenplatz entsteht, muss aus der traditionsreichen Sportstätte in der Friedrich-Oettler-Straße alles weg, was mit Fußball zu tun hat. Es dient künftig nur noch dem Schulsport und der Leichtathletik. Diese Förderlogik der SAB stößt in Grimma nicht nur auf Gegenliebe, der Ortsverband der Linken geht mit einer Petition dagegen vor. Laut Zuwendungsbescheid sind im Stadion der Freundschaft zwingend „unter anderem folgende bauliche Anlagen“ abzubrechen: Vereinsgebäude Altbau mit Umkleideräumen, Sanitäranlagen, Clubgaststätte und Büroräume; Eingangsgebäude; sämtliche Kassenhäuser; sämtliche Blockhäuser/-hütten. Steh- und Sitztribüne seien zurück zu bauen sowie Trainerbänke und Bandenwerbung zu entfernen.

Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) ist dennoch überzeugt: „Es entsteht eine herrliche Leichtathletik- und Schulsportanlage auf höchstem Niveau.“ Nach dem Hochwasser 2002 sei ein neuer Sanitärbau entstanden, so Berger. Das alte Gebäude, das abzubrechen ist, sei „eine nicht sanierungsfähige Bausubstanz“, ergänzt Amtsleiterin Hoppe. Und die Stehtribünen seien derzeit nicht im verkehrssicheren Zustand, erklärt sie weiter. Laut Berger werden sie zu einer schiefen Ebene umgebaut, auf der man stehen könne. Für Kopfschütteln in Grimma sorgt vor allem, dass die gegenüber liegenden Sitzschalen raus sollen, rund 500 an der Zahl. „Wir würden sie gern erhalten“, sagt Berger. Die Stadt verhandele dazu noch mit der SAB. Das Dach über der jetzigen Sitztribüne müsse nicht weg.

Diskussion: Betriebskosten und Grundwasser

An zwei Sachverhalten des künftigen Fußballzentrums neben dem Finanzamt entzündet sich immer wieder die Diskussion: Die künftigen Betriebskosten und das kontaminierte Grundwasser.

Der FC Grimma als Hauptnutzer der zunächst zwei neuen Fußballplätze (Kunstrasen- und Rasenplatz) soll an den Unterhaltungskosten mit jährlich 10 000 Euro beteiligt werden. „Da sind wir gerade in der Diskussion“, sagt Jana Kutscher, die Leiterin des Amtes für Schulen, Soziales und Kultur. Hinter verschlossenen Türen war die Beschlussvorlage bislang im Sozial- wie im Verwaltungsausschuss als auch im Beirat für Kultur, Jugend und Sport Gegenstand der Beratung. Alle Stadträte hätten den Vertragsentwurf zur Kenntnis erhalten, so Kutscher. Kommenden Donnerstag soll der Stadtrat den Vertrag zwischen FC und Stadt absegnen. Damit wäre der Fußballverein mit etwa zehn Prozent an den Betriebskosten beteiligt. Laut Kutscher stellt er aber auch Personal zur Verfügung. Zudem könnten andere Vereine die Fußballplätze nutzen, sagt die Amtsleiterin. Bereits im November vorigen Jahres hatte die Verwaltung den Stadträten eine umfassende Berechnung der Unterhaltungskosten vorgelegt. Danach sind für Pflege sowie Strom, Heizung, Wasser und andere Aufwendungen knapp 105 000 Euro im Jahr kalkuliert.

Klar ist auch, dass an der Lausicker Straße das mit Trichlorethen belastete Grundwasser nicht zum Beregnen des Rasenplatzes genutzt werden darf. Damit habe sie von Anfang an rechnen müssen, so Hochbauamtsleiterin Ute Hoppe. „Mit Beginn der Planung 2014 haben wir die Beteiligten darüber voll informiert“, sagt sie und spricht von umfangreichen Studien zu dem Sachverhalt. Der Rasen soll künftig mit einer Kombination aus Trink- und Regenwasser bewässert werden, dafür sind rund 4800 Euro im Jahr kalkuliert. Das sei allen bewusst, so Hoppe. „Uns ist daran gelegen, für den Wasserverbrauch eine andere Lösung zu finden. Im Moment haben wir die noch nicht.“

Frank Prenzel

Grimma geht bei den Verhandlungen offenbar behutsam zu Werke. Die SAB schaue genau hin, sagt der Rathauschef und betont: „Wir sind finanziell gut bestück worden und wollen nichts in Gefahr bringen.“ Alles angemeldete Fördergeld für den Neubau sei genehmigt worden. Und es werde nur gezahlt, wenn das Stadion der Freundschaft mit eigenem Geld entsprechend angepasst wird. Dort sei künftig der Schulsport abzusichern, antwortet Jana Kutscher, Leiterin des Amtes für Schulen, Soziales und Kultur, auf die Frage, warum die Stabhochsprunganlage weg soll. Sie sei nicht genutzt worden, und eine Diskus- und Hammerwurfanlage habe es nie gegeben. Vereine und Schulsportkoordinatoren seien von Beginn an in die Planungen – auch des Umbaus – einbezogen worden, so Kutscher. Große Veranstaltungen seien auch künftig im Stadion der Freundschaft möglich.

Den Rückbau des Jahnstadions finanziert übrigens der Investor von Rewe- und dm-Markt. „Wir übergeben das Stadion wie es steht und liegt“, zitiert Hoppe aus dem Verkaufsvertrag des Grundstücks.

Von Frank Prenzel

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