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Grimma Grimma fehlt’s Geld für Nicolaiplatz-Umbau
Region Grimma Grimma fehlt’s Geld für Nicolaiplatz-Umbau
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00:22 30.07.2018
Der Grimmaer Nicolaiplatz hat seine besten Zeiten hinter sich. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Die Frage wird Grimmas parteilosen Oberbürgermeister Matthias Berger regelmäßig aufgetischt: Wie sieht es mit der Sanierung des Nicolaiplatzes aus? Und jedes Mal muss der Rathauschef mit den Achseln zucken, erzählt, dass eine fertige Planung in der Schublade liegt und nur das passende Förderprogramm fehle. „Aus eigener Tasche können wir den Umbau nicht finanzieren“, sagt Berger auf LVZ-Nachfrage. Die Prioritäten lägen derzeit bei den Kindereinrichtungen und Schulen, dafür bitte er um Verständnis. „Aber der Nicolaiplatz steht auf der Agenda.“

Der zweitgrößte Schandfleck in Grimma

Nach dem Oberen Bahnhof sei der Busplatz im Zentrum der „zweitgrößte Schandfleck in Grimma“, ist der Oberbürgermeister überzeugt. Beim Umbau in den 1990er-Jahren habe man etwas Modernes gewollt, es habe aber leider nie funktioniert. Der Platz sei zurzeit weder schön noch funktional, „es reicht zum Einsteigen, zu mehr aber auch nicht“, sagt Berger.

Architekturpreis nach Fertigstellung

Busse halten schon eine halbe Ewigkeit auf dem Platz, an dem bis 1888 die Nicolaikirche stand. Nach der Wende erhielt eine Ludwigsburger Planungsgemeinschaft um Architekt Hans Schänzel den Auftrag, dem katastrophal aussehenden Platz ein neues Gesicht zu geben. Die Pläne wurden von 1992 bis 1994 verwirklicht, erinnert sich Lutz Simmler. Der heutige CDU-Stadtchef war seinerzeit im städtischen Tiefbauamt tätig, ehe er Baudezernent wurde. „Wir haben es uns damals nicht leicht gemacht und auch eine Bürgerversammlung durchgeführt“, weiß er noch. Der Stadtrat habe das Projekt schließlich abgenickt. Nach Fertigstellung gab es sogar den Sächsischen Architekturpreis, die Jury habe die gelungene Gestaltung gelobt, so Simmler. Neben einer kleinen Gaststätte plätscherte ein Brunnen, Kiosk und Toiletten standen zur Verfügung. Die Glasüberdachung wurde gebaut, um den Platz von allen Seiten queren zu können.

Viel Kritik an Gestaltung

Laut Simmler hat das einige Jahre funktioniert. Die Grimmaer hätten die Gestaltung aber nie so richtig angenommen und ständig Kritik geübt. Die Überarbeitung nach der Flut von 2002 sei das Werk der jetzigen Rathausspitze. Dabei sei auch das Funktionsgebäude abgerissen und der Brunnen zerstört worden, ärgert sich Simmler.

Oberbürgermeister Berger verteidigt das Vorgehen. „Wir haben versucht, die Situation zu entschärfen.“ Weil es zugig war, sei eine Glaswand errichtet worden, wegen Vandalismus seien das einstige Lokal zurück gebaut und die Scheiben heraus genommen worden, sagt er. Die Wasserfläche wurde verfüllt. Nach der 2013er Muldeflut wollte die Stadt mit Geld aus dem Hochwasserfonds den Umbau des Nicolaiplatzes anpacken. Doch Dresden zweifelte die Grimmaer Argumentation, der Untergrund des Platzes sei erheblich geschädigt, an. Statt der erhofften 1,2 Millionen Euro gab es laut Berger nur 70 000 Euro. Mit dem schmalen Budget wurde das Pflaster ausgebessert.

Pläne für Umbau

Die Planung für den Umbau liegt seit März 2014 auf dem Tisch. Die Stadt hatte dafür den Leipziger Architekten Andreas Leipold beauftragt. Berger findet, dass es eine „sehr gelungene Planung“ ist. So sollen die Konturen der verschwundenen Nicolaikirche wieder sichtbar werden. Neben dem geschichtlichen Aspekt lege der Entwurf wert auf eine funktionale und eine vor Vandalismus sichere Gestaltung.

„Wir wollen einen Komplettumbau“, betont Berger, zumal der Busbahnhof durch Muldental in Fahrt weiter an Bedeutung gewinnen wird. „Bislang konnten wir ihn fördertechnisch aber nicht unterbringen.“ Architekt Leipold weiß, das auch die Haltestellen neu zu ordnen sind. Die Busse könnten sie nur schlecht anfahren, und das Pflaster gerate aus den Fugen. Ein komfortabler und barrierefreier Einstieg sei Teil der Planung. Leipold bedauert aber, dass auf Wunsch der Stadt alles oberirdisch Vorhandene verschwinden soll. „Das einer großen Mücke gleichende Dach habe ich lange verteidigt“, sagt er. Diese Architektur habe etwas Leichtes. Durchgesetzt hat er sich nicht.

Von Frank Prenzel

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