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Grimma gibt Einblicke in das Leben der Kriegsgefangenen von Golzern

Museumstag Grimma gibt Einblicke in das Leben der Kriegsgefangenen von Golzern

Zum Internationalen Museumstag am 21. Mai bietet das Kreismuseum in Grimma um 11.30 Uhr eine Sonderführung durch die Ausstellung „Das Kriegsgefangenenlager Golzern“ an. Das Lager existierte von 1914 bis 1917. Dabei erfährt der Zuschauer sogar, wie viel Kalorien damals auf dem Speiseplan standen.

Die Schau gibt Einblicke in das Lagerleben der Kriegsgefangenen von Golzern.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Zum Internationalen Museumstag am 21. Mai bietet das Kreismuseum in Grimma um 11.30 Uhr eine Sonderführung durch die Ausstellung „Das Kriegsgefangenenlager Golzern“ an. Das Lager existierte von 1914 bis 1917. Bei der Führung geht es auch um die Versorgung der Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges, die von zunehmender Kriegsnot, Nahrungsmittelknappheit und Versorgungsengpässen gekennzeichnet war. Insbesondere gefangene Franzosen prangerten die Dominanz bestimmter, für sie ungenießbarer Lebensmittel wie Hering, Rüben, Kohl oder Blutwurst an. Auch das deutsche Brot schmeckte ihnen nicht. Die hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe undefinierbaren Lagersuppen bekamen den Namen „soupe à la colle“ – Leimsuppe.

Die Mitglieder des Freundeskreises des Museums bereiten am 21. Mai auf dem Museumshof ab 11 Uhr eine Suppe vor, die hoffentlich von der „soupe à la colle“ weit entfernt ist. Ab 12.30 Uhr darf gekostet werden. Von 10 bis 17 Uhr kann auch die kleine Präsentation zur Musikaliensammlung der Fürsten- und Landesschule besichtigt werden.

Im Ersten Weltkrieg gab in den Stammlagern eine regelrechte Hierarchie des Nahrungsmittelmangels zwischen den kriegsgefangenen Nationen, informiert das Kreismuseum. Ganz unten in dieser Klassengesellschaft standen jene Kriegsgefangenen, die nicht umfassend durch Hilfspakete aus dem Ausland unterstützt wurden. Zu ihnen zählte die größere Gruppe der russischen Soldaten. Vergleichsweise privilegiert waren dagegen bis zum letzten Kriegsjahr Engländer und Franzosen. In ihren Heimatländern organisierten durch die Regierung unterstützte Hilfsorganisationen eine umfassende Nahrungsmittelhilfe, die durch zahlreiche private Pakete ergänzt wurde. Die von der Regierung in Frankreich organisierten Brotsendungen an französische Kriegsgefangene betrugen zuletzt bis 2,5 Kologramm pro Woche und Kopf. Nahrungsmittelpakete aus der Heimat wurden ausdrücklich zugelassen, ebenso die Zusendung von Genussmitteln wie Zigaretten, Tabak und Schokolade, deren Verkauf in den Lagern nicht gestattet war.

Mit erheblichem Aufwand erarbeitete das beim Berliner Unterkunftsdepartement eingerichtete Referat „Gefangenenernährung“ physiologisch berechnete Speisepläne, testete Nahrungsmittel und Kochrezepte und ließ sogar eigene Nahrungsmittel für die Gefangenen herstellen. Vorgesehen war eine „Nahrungsnorm“ von 2700 Kalorien, die einen physiologischen Gehalt von 85 Gramm Eiweiß, 40 Gramm Fett und 475 Gramm Kohlehydrate enthalten sollte.

Im März 1916 wurde die tägliche Kalorienzahl offiziell reduziert beziehungsweise eine Differenzierung vorgenommen: Für die nicht arbeitenden Kriegsgefangenen wurde die tägliche Norm auf 2100 Kalorien herabgesetzt, nur noch schwer arbeitende Gefangene sollten fortan 2900 Kalorien erhalten. Bis Ende 1916 sanken die empfohlenen Fleischrationen weiter ab: auf 100 bis 200 Gramm wöchentlich. Außerdem mussten in den Kriegsgefangenenlagern die fleischlosen Tage, die auch für die Zivilbevölkerung eingeführt worden waren, einhalten werden. Es gab nur noch an drei Tagen in der Woche Fleisch.

Von Frank Prenzel

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