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Grimma Grimma hält Mahnwache an Stolpersteinen
Region Grimma Grimma hält Mahnwache an Stolpersteinen
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15:48 10.11.2010

. An sechs Stellen der Innenstadt, wo in den vergangenen Jahren 18 Metall-Stolpersteine in den Gehweg eingebracht wurden (LVZ berichtete), gab es halbstündige Mahnwachen.

„Wir denken heute daran, was am 9. November 1938 passiert ist", sagte Pfarrer Christian Behr, „und gedenken der Opfer der Reichspogromnacht." Dazu wolle man heute „an den Stolpersteinen der Geschichte" stehen, dort Kerzen anzünden und Blumen niederlegen. Pfarrer Behr, seine Frau sowie Schüler und Lehrer des Evangelischen Schulzentrums Großbardau machten sich dann vom Treffpunkt Klosterkirche auf den Weg in die Friedrich-Oettler-Straße, wo an der Hausnummer 20 die Steine zum Gedenken an die jüdische Familie Nikusch eingelassen sind. Cornelia Behr las aus dem Buch des Marokkaners Tahar Ben Jelloun „Papa, was ist ein Fremder?", das sich mit Fragen des Rassismus beschäftigt und „ein Plädoyer für die Achtung des anderen" ist, wie die Pfarrersfrau sagt. Ihr Mann spielte zur Mahnwache ein Kirchenlied auf der Posaune, Andreas Reinke brachte mit der Gitarre „Knockin‘ on heavens door" dar.

Ulf Weiland, Bärbl und Peter Schäfer und weitere Grimmaer hielten Mahnwache vor der Paul-Gerhardt-Straße 28, wo einst der jüdische Rohproduktenhändler Bernhard Meinhardt wohnte, der im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurde und dort starb. Kantor Tobias Nicolaus, seine Frau Katharina und weitere Mitglieder der Kirchgemeinde putzten den Stein von Albert Michel in der Wiesenstraße 33 und hielten dort Wache. In der Brückenstraße 23 trafen sich Schüler und Lehrer des Gymnasiums St. Augustin im Gedenken an die Familie Urbach. Denise, Esther, Julien, Theresa und andere lasen vor, welches Schicksal diese Grimmaer Juden erleiden mussten.

Marko Lungwitz, Tobias Burdukat, Christian Bergner und weitere Mitglieder und Freunde vom Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit trafen sich zur Mahnwache in der Langen Straße 58/60 vor dem einstigen Kaufhaus, putzten gründlich die Steine von Bernhard Motulsky und der Familie Heimann. Mit einer Fackel in der Hand stand die Grimmaerin Steffi Schlick mit in der Runde. „Ich hatte jüdische Vorfahren", sagt sie zu ihren Beweggründen, an der Mahnwache teilzunehmen. Ihr Großvater Walter Franken habe jüdische Wurzeln gehabt, sei jedoch mit dem Leben davon gekommen. „Es wurde in unserer Familie nie viel über das Thema gesprochen."

Aus Wurzen und Umgebung kam die Gruppe, die in der Marktgasse 5 an den Steinen der Familie Moses Glaser Wache hielt. Dabei Mitglieder des Netzwerks für Demokratische Kultur wie Ingo Stange, aber auch Ältere, wie Helga Budnik von der Gedenkmarschgruppe. „Ich werde den Tag vor 72 Jahren nie vergessen", sagt die mittlerweile 79-Jährige. Als sie am Morgen nach dem 9. November in Leipzig zur Schule gegangen sei, wären all die jüdischen Geschäfte in der Bayrischen Straße (heute Arthur-Hoffmann-Straße) völlig zerstört gewesen. „Wir konnten das überhaupt nicht verstehen, denn die Inhaber waren gerade zu uns Kindern immer so nett." Und dann sei die Angst gekommen.

Silke Hoffmann

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