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Grimma Grimma nach der Flut: Handwerker improvisiert in der Garage
Region Grimma Grimma nach der Flut: Handwerker improvisiert in der Garage
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15:20 19.05.2015

In der Mitte steht ein runder Tisch mit Stühlen. An der weißen Wand hängt ein Bild mit einem Auszug aus der Lehre über Holz und die Fuge. "Sieht doch schon wieder gut aus", sagt Jörg Malke mit einer bewunderswerten Gelassenheit. Den fragenden Blick auf den Fußbodenbelag - für den Laien PVC-Belag - pariert er sofort. "Das sind PVC-Industriefliesen", erklärt er, "die sind hochwasserfest". Die Modulbauweise erlaube, dass sie aufgenommen und neu verlegt werden könnten. Vorsorge für den nächsten Hochwasserfall, registriert der aufmerksame Beobachter. Malke spricht das nicht aus. "Wir brauchen die Hochwasserschutzmauer", sagt er, "dann haben wir Sicherheit".

Weniger die übersichtliche Einrichtung des Ladens, vielmehr die gähnende Leere im Lager treibt den 34-Jährigen heute um. 1,70 Meter hat das Wasser im Geschäft am Markt und im angrenzenden Lager gestanden. Dabei raubt es dem Handwerker neben dem normalen Bestand an Fußbodenbelägen das Material für einen Großauftrag in Leipzig. Nach dem verheerenden Wochenende in Grimma wollte er mit der Verlegung von Parkett in einem Speisesaal einer Grundschule beginnen. "Die Bücher waren gefüllt", erinnert sich der diplomierte Betriebswirt. Mit einer Reichweite von drei Monaten habe er über eine gute Auftragslage in der sonst hart umkämpften Branche verfügt.

Malke realisiert den Auftrag dennoch. Aus Rücklagen und Spenden finanziert er neues Material und repariert die Maschinen. In der höher gelegenen, privaten Garage improvisiert er, um das Geschäft am Leben zu erhalten. "Wir hatten eigentlich nie geschlossen", sagt er mit einem kaum sichtbaren Lächeln. Fürwahr steht die Tür des Ladens, den Vater Roland vor mehr als zwanzig Jahren eröffnete und 2006 an seinen Sohn übergab, den ganzen Sommer über offen. Nachdem das Erdgeschoss trocken ist, geben sich Maurer und Maler die Klinke in die Hand. Der 70-jährige Vater managt den Wiederaufbau und hält dem Sohn den Rücken frei. "Dadurch konnte ich weiterarbeiten", resümiert Malke junior mit unübersehbarer Dankbarkeit im Blick.

Aber der Ausfall des Ladengeschäfts hinterlässt dennoch Spuren. Trotz geöffneter Türen bleibt die Kundschaft aus, weil sie damit rechnet, dass der Betrieb unterbrochen ist. "Wer kam, den haben auswärtige Firmen vor der Tür abgefangen", sagt Malke bitter. Die Sonderkonjunktur, die das Hochwasser dem Handwerk beschert, gehe an ihm vorbei. "Jetzt hangele ich mich von Auftrag zu Auftrag", gesteht er und schaut mit großer Sorge auf das Tal, dass sich in den nächsten Monaten auftun könnte.

Mit zwei Angestellten und Saisonkräften ist Malke so aufgestellt, dass er auch größere Objekte mit Fußböden ausstatten kann. Diese braucht er händeringend, um die Schäden aus der Flut von rund 200 000 Euro zu kompensieren. "Bislang ist der Auftragsboom ausgeblieben", sagt er. Aber wenn die Ausschreibungen für die Sanierung von Rathaus, Schulen und den Gebäude der Stadt Grimma kommen, will er dabei sein. "Deshalb bleiben wir auch hier, weil uns die Leute kennen", ist Malke vom Neuanfang überzeugt. Wenn doch mal Zweifel aufkommen, zieht er sich in den Privatwald der Familie zurück. Was er da macht? Natürlich Holz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.11.2013
Schöppenthau, Birgit

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