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Grimma rüstet sich gegen Sommerflut und schließt die Mauer mit Sandsäcken

Hochwasser Grimma rüstet sich gegen Sommerflut und schließt die Mauer mit Sandsäcken

An der Pöppelmannbrücke lassen es sandgefüllte Big-Bags erahnen: Die Stadt Grimma macht ernst mit ihrem Vorhaben, entlang der historischen Altstadt den Flutschutz ein Jahr vor Fertigstellung der komplexen Hochwasserschutzanlage zu gewährleisten. Wenn auch nur provisorisch.

Grimmas Rathauschef Matthias Berger und Heinz Kaiser, Betriebsteilleiter Mulde der Landestalsperrenverwaltung, schauen sich die bereitgestellten Big-Bags an, mit denen Grimma für ein Jahr die zwei Lücken des Schutzwalls schließen will.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. An der Pöppelmannbrücke lassen es sandgefüllte Big-Bags erahnen: Die Stadt Grimma macht ernst mit ihrem Vorhaben, entlang der historischen Altstadt den Flutschutz ein Jahr vor Fertigstellung der komplexen Hochwasserschutzanlage zu gewährleisten. Wenn auch nur provisorisch.

Seit 2007 wird an der außergewöhnlichen Anlage gebaut, die Grimma künftig vor einem Hochwasser abschotten soll, das statistisch gesehen aller 100 Jahre auftritt (HQ 100). Eine Flut der Mulde wie 2013 würde die Wand fern halten. Am 10. August vor nunmehr zehn Jahren setzte Stanislaw Tillich (CDU) – damals noch Sachsens Umweltminister – den ersten Spatenstich für den 2,2 Kilometer langen und 60 Millionen Euro teuren Schutzwall. Die derzeit größte Baustelle der Anlage erstreckt sich an der Roggenmühle, wo Männer des Bauunternehmens Matthäi mit Armierungsstahl und Beton an Fundament und Mauer arbeiten. Im Mai sollen die Bauarbeiter hier fertig sein, erläutert Heinz Kaiser, Betriebsteilleiter Mulde bei der Landestalsperrenverwaltung und damit oberster Bauherr für das Grimmaer Projekt. Dann gibt es im Schutzwall noch zwei größere Lücken, die die Stadt Grimma auf eigene Kosten mit etwa 300 Big-Bags provisorisch verschließen will. Denn funktionstüchtig wird die Schutzanlage erst 2018 sein.

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Auf Besichtigungstermin mit Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger und Heinz Kaiser von der Landestalsperrenverwaltung an der Hochwasserschutz-Anlage in Grimma.

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Allerdings klingt das einfacher, als es ist. „Wir werden uns regelmäßig abstimmen müssen, denn die Big-Bags dürfen ja nicht dort stehen, wo wir bauen“, erläutert Kaiser. „Das Baufeld darf nicht behindert werden.“ Auch die Ein- und Ausfahrt der Baufahrzeuge muss gewährleistet sein. 10 000 bis 15 000 Euro schätzt Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) die Kosten, um die zwei Lücken mit den gigantischen Sandsäcken abzudichten. „Das ist es uns wert.“ Etwa 40 Meter sind zwischen Pöppelmannbrücke und Schloss zu verschließen, hinzu kommen etwa 30 Meter zwischen dem Gymnasium St. Augustin und der Klosterkirche. Jeweils eine Tonne Sand befindet sich in den quaderähnlichen Big-Bags, die vor Ort passgerecht gefüllt und wie eine Pyramide aufgestapelt werden: Übereinander liegen nach Fertigstellung drei, zwei und schließlich ein Big-Bag. Normale Sandsäcke helfen an neuralgischen Stellen, das ganze Bauwerk wird schließlich mit Folie abgedichtet.

„Es wäre fatal, wenn Wasser in die Stadt käme, nur weil es noch zwei Lücken gibt“, so Berger. „Wir schließen sie in Eigenregie für einen hohen vorzeitigen Schutz.“ Die Studie und statische Berechnung für das Projekt hat die Planungsgesellschaft Scholz und Lewis aus Dresden erarbeitet. Die Stadt will mit dem Provisorium eine HQ-100-Flut abhalten, ohne zu wissen, ob das auch wirklich funktionieren würde. Berger ist es wichtig, dass die zwei Behelfswände im Mai stehen – also mit Fertigstellung des Abschnitts an der Roggenmühle. Das wäre dann rechtzeitig vor einem möglichen Sommerhochwasser. Sowohl 2002 als auch 2013 hatten sintflutartige Niederschläge die verheerenden Fluten in der warmen Jahreszeit ausgelöst – zunächst im August, dann im Juni.

Die zwei nächsten großen Baustellen des künftigen Schutzwalls liegen in der Nähe der Pöppelmannbrücke. Mitte Mai beginnt der Bau eines Schöpfwerkes, damit sich im Hochwasserfall der unterirdisch verlaufende Thostgrundbach nicht auf Altstadt-Seite staut. Und ab Juni werden die Mauern des Gymnasiums St. Augustin und der Klosterkirche abgedichtet. „Da brauchen wir ein Jahr“, erläutert Kaiser. Insgesamt 2000 Bohrungen werden in beide historische Bauwerke eingebracht, um die Hohlräume mit Schaummörtel zu versehen. Die unteren Fenster werden verschlossen.

Nach Fertigstellung wird Grimmas zwölf Meter in den Grund reichender Flutschutz 77 Verschlusseinheiten haben, darunter 15 Tore – jedes anders konstruiert, jedes ein Unikat. Allerdings gab es zur ersten Bewährungsprobe in diesem Winter Probleme, als die nördlichen Tore wegen des Eisstaus geschlossen wurden. An zwei Toren hatten sich durch den strengen Frost Asphalt beziehungsweise Pflastersteine gehoben. Beim Schieben bestand die Gefahr, dass die Gummilippe der Tore beschädigt wird. An anderer Stelle hatte sich Luft zwischen Lippe und Boden gebildet. „Es arbeitet bei Frost“, so Berger. Die Fluttore müssten im Jahr mehrfach überprüft werden. Eine Möglichkeit zur Korrektur besteht im Nachspannen.

Von Frank Prenzel

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