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Grimma Grimma schiebt Schwarzen Peter von sich
Region Grimma Grimma schiebt Schwarzen Peter von sich
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00:21 16.07.2018
Das Herrenhaus in Hohnstädt macht einen verwahrlosten Eindruck. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Hinsichtlich des gescheiterten Hohnstädter Bauvorhabens schiebt die Stadt Grimma den Schwarzen Peter von sich. Die Taucher Firma K&P Immobilien GmbH habe die Planung ohne Rücksprache und entgegen der Ausschreibung geändert, heißt es aus dem Rathaus.

Wie berichtet, will die Kommune den Bau attraktiven Wohnraums auf einer Freifläche in Hohnstädt mit der Sanierung des benachbarten Herrenhauses, das sich allerdings in privater Hand befindet und einen jämmerlichen Anblick bietet, verknüpft wissen.

Klare Vorgaben in Ausschreibung

Per Ausschreibung hatte sie das rund 6000 Quadratmeter große Areal Anfang 2016 zum Verkauf angeboten. „Entsprechend den planerischen Vorstellungen der Stadtverwaltung sind auf der Grundstücksteilfläche maximal 30 Wohneinheiten inklusive Stellplätze realisierbar“, heißt es dort. Die Art und Weise der Bebauung habe sich in die Umgebung einzufügen. Und: „Die planerische Einbindung des vorhandenen, denkmalgeschützten Herrenhauses Hohnstädt (privat) ist erforderlich.“

Die Firma K&P ließ sich auf das komplizierte Konstrukt ein, legte ein Angebot vor und steckte viel Arbeit in die Planung. Mit dem holländischen Besitzer des Herrenhauses kam es im Frühjahr 2017 zum Notartermin. Jetzt aber zog das Unternehmen – verbunden mit schweren Vorwürfen an die Stadt Grimma – die Notbremse und seine Kaufabsicht zurück (die LVZ berichtete).

Vorwurf der Firma: Stadt hat Rahmenbedingungen mehrfach geändert

An die ursprünglichen Verhandlungen habe die Stadtverwaltung die Rahmenbedingungen „mehrfach geändert“, so K&P-Chefin Christine Partschefeld. Abgestimmt gewesen sei, dass auf dem Grundstück bis zu 30 Wohnungen mit durchschnittlich 100 Quadratmeter errichtet werden können. Die gesetzlichen Grundlagen für denkmalschutzrechtliche Projekte dieser Art würden aber für das geplante Baufeld die Errichtung von nur 20 Wohnungen vorsehen, die innerhalb der Grundmauern der längst nicht mehr vorhandenen historischen Gebäude gebaut werden müssten, so die Immobilienfirma.

Dissens bei Details

Auch die vorgeschriebene Anzahl von 45 Parkplätzen sei so nicht mehr möglich. Obwohl Grimma seine Hausaufgaben „nicht ordentlich erledigt“ habe, habe K&P mit dem Bauaufsichtsamt und der Denkmalschutzbehörde des Landkreises eine konstruktive Lösung gesucht und die Baupläne angepasst, hieß es weiter aus Taucha. K&P plante den Bau von Seniorenwohnungen, damit das Projekt aus seiner Sicht wirtschaftlich bleibt.

Stadt: Betreutes Wohnen nicht Gegenstand der Ausschreibung

Die Stadt Grimma weist die Vorwürfe von sich. Im Vorfeld sei mit Bauaufsichtsamt und Denkmalbehörde gesprochen worden, sagt die Chefin des Stadtentwicklungsamtes, Janine Wolff. Der Bau von 30 Wohnungen sei möglich. „Nicht wir, sondern K&P schwenkte um“, ergänzt der städtische Sachgebietsleiter Gebäude- und Liegenschaften, Holger Krüger, mit Blick auf die K&P-Planung, die 80 Einheiten zu je 30 Quadratmeter für altersbetreutes Wohnen vorsieht. Die Stadt habe der Firma klar gemacht, dass das nicht möglich sei. Betreutes Wohnen sei nicht Gegenstand der Ausschreibung gewesen, „sonst hätten ja auch andere Investoren ein entsprechendes Angebot abgeben können“, erklärt Amtsleiterin Wolff. Auch die Zahl von 45 Parkplätzen erschließe sich der Stadt nicht. „Die haben wir nicht gefordert.“

Wohnraum für junge Familien geplant

Anliegen sei es, in Hohnstädt gehobenes Wohnen für junge Familien zu schaffen, bekräftigt Oberbürgermeister Matthias Berger. „Wir haben sauber und seriös gearbeitet“, gibt er zu verstehen. „Warum die Firma kneift, weiß ich nicht. Sie sollte es aber nicht uns in die Schuhe schieben.“

Kreis: Reihenhausbebauung ist möglich

Im Februar 2016 und damit schon vor der Ausschreibung habe es eine Abstimmung zwischen der Stadt Grimma und dem Bauaufsichtsamt des Landkreises zur künftigen Nutzung des Areals gegeben, erklärt Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux auf LVZ-Nachfrage. Auch der potenzielle Erwerber sei frühzeitig an Bauaufsichtsamt und Denkmalbehörde herangetreten. „Es gab keine denkmalpflegerische Zielstellung, die eine Rekonstruktion der Kubatur der ehemaligen Wirtschaftsgebäude vorsah oder nur 20 Wohnungen vorgegeben hat“, so Laux weiter. Eine Bebauung in der einstigen Anordnung aber schon. Laux: „Im Konsens mit dem Bauherrn wurde abgestimmt, dass eine Reihenhausbebauung im Sinne des Umgebungsschutzes möglich ist.“

Das Herrenhaus indes befindet sich weiter in den Händen eines Holländers. Offenbar versucht er, die ruinöse Immobilie loszuschlagen. Sein hiesiger Bevollmächtigter jedenfalls war vor wenigen Tagen mit einem Interessenten vor Ort, der den einstigen Herrensitz genau in Augenschein nahm.

Von Frank Prenzel

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