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Grimma soll verseuchten Boden in einstiger Kaserne erneut sanieren

Grimma soll verseuchten Boden in einstiger Kaserne erneut sanieren

Die Hinterlassenschaften der sowjetischen, später russischen Streitkräfte beschäftigen Grimma auch zwanzig Jahre nach deren Abzug noch. Nicht nur als marode Gebäude über der Erde, auch durch giftige Stoffe im Boden.

Grimma. Besonders betroffen ist das einstige Kasernengelände am Wasserwerksweg, auf dem unter anderem eine Entgiftungsstation betrieben wurde. Dort muss in den nächsten Jahren voraussichtlich erneut großflächig saniert werden, nachdem bereits 2006 das Erdreich bis in sieben Meter Tiefe ausgetauscht worden war. Nun hat das Landratsamt Grimma angewiesen, noch einmal eine Sanierungsuntersuchung durchzuführen, wie sie schon damals der eigentlichen Sanierung vorangegangen war.

 Die Stadt Grimma, die Eigentümerin eines Teils der betroffenen Flächen ist, hält das zumindest vom Umfang her für übertrieben und hat der Auflage widersprochen. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Das Landratsamt des Landkreises Leipzig zählt das Kasernengelände in Grimma zu den 100 bedeutsamsten Altlasten in Sachsen. Zudem war nach Angaben der Behörde schon nach der ersten Sanierungsplanung im Jahre 2005 bekannt, dass die Sanierung zweistufig erfolgen muss. Zunächst durch eine Bodensanierung, wie sie 2006 erfolgte, danach durch eine Grundwassersanierung.

 Die Brisanz der Verunreinigung des Trinkwassers liegt in der unmittelbaren Nähe des Geländes zu mehreren Brunnen rechts und links der Parthe, die Grundwasser für das Grimmaer Wasserwerk fördern. Deswegen „ist eine Sanierungsmaßnahme zum Schutz des Trinkwassers erforderlich", teilt Landratsamtssprecherin Brigitte Laux mit. Mit der derzeit noch strittigen Anordnung fordert das Landratsamt zunächst nur eine Sanierungsuntersuchung. Die soll die Ergebnisse der Proben aus den 34 über das Gelände verteilten Grundwasserkontrollstellen auswerten und zu einer optimalen Sanierungsmethode führen.

 Nach den bisherigen Erkenntnissen habe der Schadstoffgehalt im oberen Grundwasserleiter nach dem Bodenaustausch vor sechs Jahren „deutlich abgenommen". Im unteren Trinkwasserleiter seien dagegen „keine so deutlichen Verringerungen der Schadstoffpotenziale festzustellen", heißt es aus dem Landratsamt. In den vergangenen zwei Jahren sei zwar eine Abnahme der Schadstoffe messbar, man könne aber nicht feststellen, wie die sich in der Fläche ausgedehnt haben. Das Wasserwerk bezieht rund 60 Prozent seines Rohwassers aus der Parthenaue, vierzig Prozent kommen von Brunnen an der Mulde.

 Dass das Parthewasser Schadstoffe enthält, sagt Detlef Bull von der Oewa, sei schon 1993 bei der Eröffnung des Wasserwerkes bekannt gewesen. Deshalb durchläuft das Wasser Aktivkohlefilter, die die Schadstoffe entfernen. „So wie es ist, ist das Wasser okay", sagt Bull, der keine akute Gefährdung sieht. Eine Aussage für die Zukunft sei aber schwer zu treffen. Denn von dem Kasernegelände bis zu den Brunnen sei das Grundwasser rund 40 Jahre unterwegs.

André Neumann

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