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Grimma unternimmt Zeitreise zu Luther

Grimma unternimmt Zeitreise zu Luther

Beim Katharinenmarkt stand am Wochenende der Wandel der alltäglichen Lebensverhältnisse vor und während der Reformation in Grimma im Mittelpunkt. Der Markt war der Publikumsmagnet des 12. Festivals der Reformation.

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Ausstellungsstück der Luther-Exposition in der Grimmaer Klosterkirche.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. An 35 Ständen gab es Interessantes über Sitten und Gebräuche und das Handwerk zu erfahren. Auf der Bühne wurden Musik und Tanz, Spiel und Disput geboten. Der Festorganisator Thorsten Bolte hätte sich wohl mehr Besucher an den 25 Veranstaltungsorten gewünscht. Doch die den Weg nach Grimma fanden, wurden nicht enttäuscht.

 Sie erlebten im Seumehaus Druckmöglichkeiten wie in der Lutherzeit. Oliver Helle aus Rhinow zeigte, wie auf Büttenpapier einst ein Druck entstand. Wenige Meter weiter war die kleinste Bibel der Welt auf einem Mikrochip im Bibelmobil zu sehen. Zum Selberdrucken stand eine nachgebaute Druckerpresse bereit. Der Dürrweitzschener Udo Brodhuhn probierte diese mit seinen Kindern Rudi (7) und Luzi (5) aus.

Impressionen von dem Festival der Reformation in Grimma.

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 Zum Mitmachen lud auch die interaktive Ausstellung "Mensch Martin - Hut ab" in der Elisabethkapelle ein. "Die Dohle Dora führt durch acht Stationen, an denen die Kinder Interessantes aus dem Leben Martin Luthers erfahren", erzählte die Religionslehrerin Bettina Baumgärtel. Zum Schluss können die Kinder an Luthers Familientisch Platz nehmen. Doch zuvor besteht die Möglichkeit, selbst in das Kostüm von Katharina von Bora und Martin Luther zu schlüpfen. Im Supturgarten nebenan wartete unterdessen die Gemeindepädagogin Cornelia Beyer, die mit den Mädchen und Jungen Matzenbrot, eines der ältesten Brotsorten der Welt, herstellte. Der Tischler Rainer Heidrich ermutigte die Besucher wiederum, Ziegel aus Lehm und Stroh wie im Mittelalter zu kreieren.

 Wer etwas über die Orte der Reformation erfahren wollte, war bei den Schülern des Gymnasiums St. Augustin richtig. In Grimma soll Martin Luther sechs- bis achtmal an der Nikolaikirche gepredigt haben, erzählt die Lehrerin Helma Lautenschläger. "Die Nikolaikirche wurde jedoch 1888 auf dem Nikolaiplatz wegen Baufälligkeit abgerissen", ergänzte Jeniffer Juhrich (15). "Wir haben im vorigen Schuljahr begonnen, uns intensiv mit der Stadtgeschichte zu beschäftigen", ergänzte Lautenschläger, die darauf verwies, dass aufgrund der Reformation aus dem einstigen Augustinerkloster das Gymnasium entstand.

 Die Reformationszeit in Zinn konnten Besucher im Stadtgut erleben. Der Autor Klaus Möse fertigte 30 Diorama-Bilder en miniature an, darunter Martin Luther, als er die Bibel auf der Wartburg übersetzte.

 Über 40 Kinderbibeln waren in der Buchhandlung Bücherwurm zu sehen. Die Katechetin Anne Fritzsch (29) stellte diese vor. Eltern konnten bereits im Buch "Die Buchdruckerin" blättern. Beim Kauf signierte die Autorin Sabine Weiß ihre Bücher nach der Lesung in der Kreisbibliothek. Sie erzählte vor dem Hintergrund der Reformation die Geschichte der Straßburger Buchdruckerin Margarethe Prüß, einer starken Frau in einer Männerdomäne. Die starke Frau an der Seite Martin Luthers, Katharina von Bora, verkörperten zum Fest gleich zwei Frauen, Paula Herold und ihre Tochter Freya. Paula Herold war gleichzeitig die Organisatorin des Katharinenmarktes. Dieser verwandelte sich am Sonntag in einen Frühstückssaal. Beim Katharinenfrühstück ließen die Gäste des Festes Luftballons mit Versen aus der Bibel in die Lüfte steigen. Wessen Ballon am weitesten fliegt, kann eine Überraschung gewinnen - und auch jener, der die Karte an die Stadtverwaltung frankiert zurücksendet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.08.2015
Cornelia Braun

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