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Grimma Grimma will Glasfaser bis zu jedem Haus
Region Grimma Grimma will Glasfaser bis zu jedem Haus
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00:31 25.03.2018
Unter Glasfaser will es die Stadt Grimma nicht machen. Quelle: Vodafone
Grimma

Glasfaser möglichst in jedes Haus und Versorgungssicherheit für alle. Das ist das erklärte Ziel der Stadt Grimma beim Breitband-Ausbau. Noch aber stehen mehr Fragen als Antworten im Raum, um beim schnellen Internet endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Beigeordnete Ute Kabitzsch sprach im Stadtrat sogar davon, dass sich die Stadt erneut im Anfangsstadium befinde.

Versorgungsgrad in den Ortsteilen unbekannt

Das beginnt schon damit, dass der konkrete Versorgungsgrad in der Stadt mit 64 Ortsteilen eine unbekannte Größe ist. Nach 2012/13 hatte die Kommune 2016 eine zweite Breitband-Studie in Auftrag gegeben, die den Ist-Zustand aber nicht (mehr) korrekt abbildet. Ohnehin darf das Gutachten nicht älter als zwölf Monate sein, um auf seiner Basis Fördergeld abzugreifen. Deshalb hat sich die Stadt Anfang des Jahres mit der in Hamburg ansässigen Wirtschaftsrat Recht Bremer Woitag Rechtsanwaltsgesellschaft mbH einen neuen Berater ins Boot geholt. Die Firma soll die 2016er Studie aktualisieren und der Stadt ein Modell zum Ausbau und Betreiben empfehlen. Kabitzsch hofft, dass im Juni die Ergebnisse vorliegen. Mit den politischen Versprechungen im Rücken, dass die Kommunen keinen Cent zuzahlen müssen, will die Stadt die nächste Fördermöglichkeit nutzen. „Die bisherigen fünf Calls haben wir verstreichen lassen, weil es noch nicht entscheidungsreif war“, sagt die Beigeordnete, auf deren Tisch das Breitband-Thema liegt.

Weiße Flecken

Die Kommune will sich um die weißen Flecken kümmern – laut Kabitzsch alle Orte und Gebiete, die unter 30 Megabit je Sekunde (Mbit/s) liegen und kein privater Anbieter ausbauen möchte. Wie schwer es ist, diese Flecken zu lokalisieren, erläutert Kabitzsch an Beispielen. Nach Angaben der Telekommunikationsfirmen sei Grimma selbst zu 100 Prozent abgedeckt. „Doch im Elfackerweg liegen nur sechs Megabit an“, weiß die Beigeordnete. Auch Wohngebiete in Hohnstädt seien teils unterversorgt. Oder Nerchau. Die Telekom habe erklärt, die Randgebiete der Ex-Stadt auszubauen. „Im Hauptort liegt aber nur Kupfer im Boden“, so Kabitzsch. Weil jedoch die 30 Mbit/s erreicht werden, gelte er als erschlossen.

Telekom verweigert Auskunft

Zudem verweigere der Platzhirsch jegliche Auskunft. Die Telekom habe in Größenordnung Ausbauerklärungen abgegeben, „wir wissen aber nicht, wie sie vorgeht und wie ihre technischen Voraussetzungen sind“, klagt Kabitzsch. „Das ist unser größtes Problem.“ Zumindest ist klar, das elf Ortsteile mit etwa 1500 Menschen auf der Weiße-Flecken-Liste stehen. Um nicht in veraltete Technik zu investieren, hatte die Kommune hier im vorigen Jahr die Stopptaste gedrückt (die LVZ berichtete).

Veraltete Technik ist für Stadt keine Lösung

Es sei nicht Anspruch der Stadt, betont Kabitzsch, wie die Telekom nur bis zum Verteiler Glasfaser zu legen. Denn beim Weitertransport der Daten auf der alten Kupfertrasse gebe es „Verluste nach hinten“. Das sei alte, nicht nachhaltige Technik.

Bei allen Problemen strahlt Kabitzsch Optimismus aus. „Wir sind guten Mutes, voranzuschreiten“, sagte sie dem Stadtrat. Wichtig ist der Stadt das Einbinden der Bevölkerung. Sobald die Ergebnisse der Studie vorliegen, „gehen wir in die Ortschaftsräte“. Zudem wird eine Arbeitsgruppe „Digital“ ins Leben gerufen, die den Prozess begleiten soll. Die Stadtratsfraktionen können auch berufene Bürger in das Gremium entsenden.

Stadt muss Entscheidung treffen

Nach der Analyse muss die Stadt eine erste Entscheidung fällen. Beim Wirtschaftlichkeitslückenmodell würde sie die Leistung ausschreiben. Beim Betreibermodell würde sie Eigentümer des Netzes sein und die Betreibung vergeben. In dem Fall könnte sie auch schneller reagieren, wenn die Anforderungen steigen. Die nächste Schwelle werden wohl 100 Mbit/s sein, glaubt Kabitzsch. Wenn es optimal läuft, könnten – in Abhängigkeit der Fördermittel – im ersten Halbjahr 2019 die ersten Bagger anrollen, lehnt sich die Beigeordnete weit aus dem Fenster. Die Erschließung könne aber nur Schritt für Schritt erfolgen. „Schön wäre es, wenn wir ein städtisches Netz für Grimma aufbauen könnten“, so Kabitzsch.

OBM Berger wirft Politik Versagen vor

Oberbürgermeister Matthias Berger wird unterdessen nicht müde, der Politik den Spiegel vors Gesicht zu halten. „Bund und Land haben beim Thema Glasfaser auf der ganzen Linie versagt“, schimpft der parteilose Rathauschef. „Das wird immer deutlicher.“

Von Frank Prenzel

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