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Grimma Grimma will Kreismuseum nicht übernehmen
Region Grimma Grimma will Kreismuseum nicht übernehmen
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00:43 26.04.2018
Das Kreismuseum Grimma soll in neue Trägerschaft übergehen. Der Landkreis möchte die Einrichtung abgeben, die Stadt Grimma das Haus mit Personal und Bestand aber nicht übernehmen. Quelle: Thomas Kube
Grimma/Borna

Die Diskussion um die Perspektive der beiden Kreismuseen in Grimma und Wyhra ist nicht neu. Der Kreis möchte die Häuser gern in die Trägerschaft der Kommunen überführen. Doch Grimma und Borna weigern sich, die Hausherrenrolle zu übernehmen.

Grimma zahlt Anteil seit Jahren nicht

Besonders in Grimma spitzt sich die Lage offenbar zu. Da die Stadt seit Jahren keinen Sitzgemeindeanteil für das Kreismuseum zahlt und damit ein gewisses Desinteresse zum Ausdruck bringt, wird jetzt Klartext geredet. Sollte sich die Kommune nicht in der Lage sehen, wenigstens einen kleinen Obolus beizutragen, müsse auch der Kreis Konsequenzen ziehen. „Der Landkreis und der Kulturraum sehen sich nicht in der Lage und auch nicht in der Verantwortung, ein Museum, in dessen Sammlungsbestand zu einem nicht unwesentlichen Teil die Geschichte der Stadt Grimma ausgestellt wird, ohne das positive und mit finanziellen Mitteln untersetzte Votum der Sitzgemeinde perspektivisch aufrecht zu erhalten“, wird in einem Schreiben an die Stadt formuliert.

Berger: „Wir übernehmen das Museum auf gar keinen Fall“

Seit 1956 befindet sich das Museum in Kreisträgerschaft. So sicher wie Ostern und Weihnachten ergeht jedes Jahr ein Brief an die Stadt. Sie möge doch bitte darüber nachdenken, das Museum in ihre Trägerschaft zu überführen. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) gibt sich gar nicht erst die Mühe, Interesse zu heucheln. „Wir übernehmen das Kreismuseum auf gar keinen Fall“, gibt er zu Protokoll. Das habe er dem Kreis und auch dem Förderverein des Museums so mitgeteilt. Das Haus in der Paul-Gerhardt-Straße wäre für ihn ein Danaergeschenk, so Berger wörtlich. Gemeint ist damit eine Gabe, die sich im Nachhinein als unheilvoll erweisen könnte.

Stadt würde Immobilie gern anderweitig nutzen

„Wir verfügen mit dem Göschenhaus, der Schaddelmühle oder dem Künstlergut Prösitz schon über etliche kulturelle Einrichtungen, die uns kostenmäßig fordern.“ Er verstehe natürlich auch den Landrat, „der diese Strukturdebatte führen muss“, so der Rathauschef. Doch Grimma sehe sich nicht in der Verantwortung für das Kreismuseum. „Für konstruktive Gespräche stehen wir aber zur Verfügung, wenn es um die weitere Nutzung der Gebäude geht.“ In Grimma gilt es als offenes Geheimnis, dass die Stadt das Gebäude der ehemaligen Mädchenschule gern für andere Zwecke, zum Beispiel als Stadt-Archiv, nutzen würde. Auf die Frage, ob Grimma auch weiterhin den Sitzgemeindeanteil schuldig bleibt, auch wenn eine Schließung die Folge wäre, antwortet Berger: „Ja, selbst dann.“

Im Landratsamt will man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. „Wir sind stolz auf unsere beiden Kreismuseen“, erklärt die Zweite Beigeordnete, Ines Lüpfert. „Die Mitarbeiter leisten eine hervorragende Arbeit.“ Dennoch sei es unumgänglich, sich über die Zukunft der Häuser perspektivisch Gedanken zu machen. Dies sei nicht zuletzt auch mit Blick auf die Gleichbehandlung aller Städte und Gemeinden bezüglich der Betreibung eines Stadtmuseums unumgänglich.

Förderrichtlinie des Kulturraums erwartet

Zu Grimma äußert Lüpfert: „Wir sind mit der Stadt in Gesprächen und tauschen uns aus.“ Auf die Weigerung Bergers, sich finanziell zu beteiligen, reagierte Lüpfert mit Unverständnis. Niemand werde allerdings den Schlüssel im Schloss umdrehen wollen, versicherte die Beigeordnete, die noch nicht alle Argumente für ausgetauscht hält. Im Rahmen der Kulturraumförderung habe es schon immer Ausnahmen gegeben. „Letztlich bleibt auch abzuwarten“, so Lüpfert, „was die neue Förderrichtlinie des Kulturraumes besagt.“ Diese werde derzeit diskutiert und sei für das weitere Vorgehen mit entscheidend.

Konzept für Volkskundemuseum Wyhra in Arbeit

Für das Volkskundemuseum Wyhra wird ebenfalls gerade ein Konzept erarbeitet, das noch vor der Sommerpause vorliegen soll. Auch die Stadt Borna, so OBM Simone Luedtke (Linke) habe kein Interesse, das Haus zu übernehmen. „Wir tragen ja schließlich schon Verantwortung für das Bornaer Museum, so dass wir Wyhra gern beim Kreis lassen würden.“ Aktuell gebe es Pläne, den historischen Vierseithof in Wyhra für standesamtliche Trauungen zu nutzen. „Hierum bemühen wir uns gemeinsam mit dem Kreis. Dadurch“, gibt Luedtke zu bedenken, „ließen sich auch weitere Einnahmen für den Museumsbetrieb erzielen.“

Von Simone Prenzel

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