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Grimma Grimmaer Apothekerin kapituliert vor der Mulde
Region Grimma Grimmaer Apothekerin kapituliert vor der Mulde
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16:41 19.05.2015
Apothekerin aus Berufung: Ulrike Just führt die Sonnen-Apotheke in Grimma. Quelle: Birgit Schöppenthau

"Ein zweites Mal schaffe ich das nicht", gibt Just zu bedenken. Sie wirkt angespannt, aber die Entscheidung nimmt auch eine Last von ihren Schultern, für die ihr die Kraft und das Vermögen fehlt. "Ich hab 600 000 Euro verloren", sagt sie. Die Versicherung habe ihr 2007 den Elementarschutz gekündigt. Für einen Neubeginn würde sie erneut eine Finanzierung in Anspruch nehmen müssen. Aber noch drücken Altlasten aus der Flut 2002. "Das Risiko geht keine Bank mit mir ein", so Just.

Die Bilanz, die sie nach der verheerenden Katastrophe aufmacht, klingt wohlüberlegt. Aber innerlich ist sie aufgewühlt. Die Göschen-Apotheke markiert nicht nur den Beginn ihrer Selbstständigkeit. Sie verkörpert auch die Ideale, die Just als Apotherkin lebt. So erinnert sie sich an einen Briefwechsel mit Nachfahren des Verlegers Georg Joachim Göschen, in dem sie die Namensrechte für ihre Apotheke absicherte. "Ich wollte etwas machen, das zu Grimma passt", sagt sie. Mit Bafög-Schulden und ungebremstem Tatendrang startet sie '96 in der Langen Straße. Als sie Ende 2001 in den schmucken Altbau am Markt umzieht, scheint sie angekommen. Bis die Flut 2002 alles zerstört. Sie steht wieder auf, in der Gewissheit, dass sich die Ereignisse so schnell nicht wiederholen werden. "Ich hab aus eigener Kraft investiert", lässt sie die kurze Geschichte der Göschen-Apotheke Revue passieren. Ein Blister-Automat sicherte ihr ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt in und um Grimma. Mit dieser Technik, die Medikamente in Einzeldosen zusammenstellt und verpackt, holt sie Seniorenheime und andere Betreuungseinrichtungen mit ins Boot. "Wir haben alles richtig gemacht", sagt Just fast trotzig. Dennoch sei das Ende unvermeidbar. "Das ist wie eine Beerdigung, ein Teil von mir geht."

Aber mit der Entscheidung, so Just, tritt sie die Notbremse. Denn im Unternehmen mit einst Göschen- und Sonnen-Apotheke übernimmt sie Verantwortung für 18 Mitarbeiterinnen und technische Kräfte. "Dass wir jetzt Personal abbauen müssen, tut besonders weh", so die studierte Pharmazeutin, die mit ihrer Familie in Leisnig wohnt. Die Einschnitte, die sie vornimmt, um die Existenzgrundlage für sich und die Belegschaft zu sichern, stoßen nicht überall auf Verständnis. Dabei hat sie sich Expertenrat geholt, um Objektivität und Sozialauswahl sicherzustellen. "Ein Jurist hat das geprüft", fügt Just hinzu.

Einen anderen Weg sieht Just nach Konsultationen mit einem Unternehmensberater und den Banken nicht. Denn entgegen der landläufigen Meinung habe sie in den zurückliegenden Jahren keine Reichtümer anhäufen können, so die Unternehmerin. "Im Gegenteil", wirft sie ein. Die Sparpolitik der Bundesregierung im Arzneimittelmarkt habe die Margen in den Apotheken schmelzen lassen und den bürokratischen Aufwand in die Höhe getrieben. Trotzdem bleibt sie mit Leib und Seele Apothekerin. "Viele Dienstleistungen aus der Göschen-Apotheke behalten wir bei", sagt Just optimistisch. Auch neue Investitionen werde es geben, aber dann in der Sonnen-Apotheke.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2013

Schöppenthau, Birgit

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