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Grimmaer Drogist und die Geschichte der Kondome

Grimmaer Drogist und die Geschichte der Kondome

In Grimma wurden 2009 gut 30 Babys weniger geboren als noch im Vorjahr. Immer zuverlässigere Verhütungsmethoden wie die Anti-Baby-Pille machen das möglich. Ihr kleiner Stiefbruder Präservativ dagegen hat seine Glanzzeit hinter sich gelassen.

Grimma. Doch der Grimmaer Drogist Georg Dornig hat sie nicht vergessen.

Die Bedeutung von Kondomen scheint heute weniger wichtig zu sein als noch vor ein paar Jahrzehnten. Besonders die Gesetzeslage dokumentiert einen weniger verkrampften Umgang mit den schützenden Gummiwaren. Noch Anfang des letzten Jahrhunderts wurde per Gesetz bestraft, wer „Gegenstände, die zu unzüchtigen Gebrauch bestimmt sind, an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausgestellt oder solche Gegenstände dem Publikum ankündigt oder anpreist“. Derartige, aus heutiger Sicht eher komische Verordnungen, hat Georg Dornig zusammengetragen. Er selber hält es mit diesem Thema lockerer. „Gevögelt wurde immer“, erklärt der Vollblut-Drogist und schmunzelt. Für seine Branche gestaltete sich der Umgang mit den Präservativen als äußerst lukrativ, denn diese Warengruppe war mit Abstand auch ein Gewinnbringer, da sie mit 50%er Handelsspanne oder 100% Aufschlag verkauft wurden. Von jeder Mark blieben dem Drogisten ganze 50 Pfennig im Geldbeutel.

Auch zu DDR-Zeiten konnte nicht jeder, wie er wollte. Alle Artikel waren bekanntlich bedarfsgerecht geplant und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Die Gummis waren noch nicht verschweißt, sondern dreisam und gepudert in einer Schachtel erhältlich. 1965 konnte laut Planungsunterlagen der enorm steigende Bedarf in der Artikelgruppe Präservative nicht mehr befriedigt werden. Dornig sieht das Defizit in der hohen Nachfrage des sowjetischen Brudervolks begründet. „Die russischen Ehefrauen, die nicht arbeiteten, waren ja scharf wie Rettsche.“ Und auch in der Heimat im Osten sollen die Gummiverhüterlis hochbegehrt gewesen sein. Der in Grimma als Schorsch bekannte Hobby-Historiker weiß von eigenwilligen Gewohnheiten zu berichten. „Die Kondome wurden nach Gebrauch ,regeneriert’, also ausgewaschen, über einen Besenstiel gezogen und gepudert.“

In der DDR selber sollte der Kunde in dem Geschäft seines Vertrauens diskret vorgehen. Der Artikel wurde dabei in anonymen Tüten über den Ladentisch gereicht. Drogist Dornig erinnert sich an einen solchen Fall, als eine betagte Dame den Vorgang beobachtete. In dem festen Glauben, dass es sich in der Tüte um eine begehrte Mangelware handeln würde, orderte sie „das Gleiche“. Der Inhalt schien sie zuhause dann etwas überrascht zu haben und so brachte sie am nachfolgenden Tag die aufgerollten Pariser wieder zurück.

Heutzutage hat das Präservativ einiges seiner Wichtigkeit an Pille und Spirale verloren. „Der Umsatz an Kondomen ist fast Null“, sagt Georg Dornig über die eigenen Erfahrungen. „Die kann jeder überall im Supermarkt an der Kasse mitnehmen.“ Hin und wieder kämen noch 14- oder 15-jährige Gymnasiasten an den Ladentisch, um sich sachlich über die Vorzüge von Präservativen zu informieren. Die pikante Note ging aber irgendwann verloren.

Thomas Düll

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