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Grimmaer Eisläufer bangen um Zukunft

Grimmaer Eisläufer bangen um Zukunft

"Nichts ist so kaputt, dass man es nicht reparieren kann", sagte die 12-jährige Tamia-Marie Strichrodt. Ihre ganze Hoffnung ruht auf einem Neubeginn, getragen vom Eislaufverband, der Stadt Grimma und dem Landkreis.

Saisonbeginn ist im Herbst.

Momentan verhüllen weiche Schlafschoner die Kufen der Eislaufschuhe. "Ende März wurde die Saison beendet", so Johanna-Josefine Kaja. Obwohl das Prozedere immer auch von der Lust auf die Sommerpause und das Training auf Skatern begleitet war, lag diesmal eine schwere Stimmung über dem Grimma Eis. Denn der Saisonabschlusslauf gemeinsam mit den Berlin-Minis wurde zum Totentanz. Nach dem GGI-Pokal musste die Halle schließen. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht", sagt die 14-Jährige traurig. "Sie nehmen uns unser zweites Kinderzimmer", ergänzte Charlotte Meyer (13), die wie ihre Mitstreiterinnen in der Woche mehrmals auf dem Eis stand. Es seien viele Tränen geflossen.

Als die Grimmaer Synchronläuferinnen im Februar von der Schließung der Eislaufhalle erfuhren, da brach für sie eine Welt zusammen. "Viele stehen schon mehr als zehn Jahre auf dem Eis", erzählte Sabrina Baum, eine von sechzehn Läuferinnen bei den River Diamonds. Da die meisten Eiskunstläufer schon im zarten Kindesalter die ersten Schritte für eine Solokarriere auf dem Eis probierten, sei die Bande eng zum Trainer und zum Trainingsort. Außerdem hätte das Mixed-Age-Team mit Sachsenmeister und Deutschem Meister im Synchronlauf durchaus beachtliche sportliche Erfolge erzielt. "Das schweißt zusammen", so die zierliche, blonde Frau.

Aber im Moment ist die Zukunft mehr als ungewiss. Nach der Insolvenz des Eis- sportvereins Grimma gehen Sportler und Trainer eigene Wege. Wie bereits berichtet, konnte der Verein einen aufgelaufenen Schuldenberg von mehr als 300 000 Euro nicht mehr abbauen. Die Kosten für den Betrieb der Eislaufhalle und die Schäden durch einen Brand am Jahresende waren aus den Einnahmen von Mitgliedsbeiträgen, öffentlichem Betrieb und Eintrittsgeldern bei Wettkämpfen nicht mehr zu decken. Dennoch fiel die Bilanz von Insolvenzverwalter Stefan Hartmann von der Kanzlei Paul und Heinze in Leipzig nicht ganz vernichtend aus. Nach Umsetzung eines Sanierungskonzeptes seien die letzten drei Monate des Vereins durchaus kostendeckend gelaufen. Lediglich der hohe Schuldenberg, der durch unvorhergesehene Kosten für ein Gutachten nach dem Brand weiter wuchs, habe das Insolvenzverfahren unvermeidlich gemacht.

Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf einer einvernehmlichen Lösung zwischen dem Sächsischen Eislaufverband, der Stadt Grimma und dem Landkreis Leipzig. In einer Arbeitsgruppe aus Grimmaer Stadträten und Kreistagsabgeordneten werden derzeit die Bücher des Vereins ausgewertet, um belastbare Daten für ein zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten. Das ist Voraussetzung für den Landkreis im Fall, dass er eine Finanzierungslücke schließen muss.

"Wenn das nicht gelingt, werden wir uns wohl auflösen", sagte Sabrina Baum. Ein Anschluss der Eiskunstläuferinnen an andere Synchronlaufgruppen werde schwer. Denn alternativ könnten die Mädchen zwar in Chemnitz oder Taucha Eislaufen. Für die Jüngeren sei jedoch der Weg nach Chemnitz neben der Schule ein logistisches Problem. In der Dicolor-Arena, die von den Icefighters in Taucha betrieben werde, trainieren jedoch nur Acht- bis Zwölfjährige und eine U-18-Formation. "Die meisten Diamonds, die bei uns im Alter dazwischen liegen, würden hinten runterfallen", so Johanna-Josefine Kaja.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2014
Schöppenthau, Birgit

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