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Grimma Grimmaer Firma legt Glasfaser in Mutzschen
Region Grimma Grimmaer Firma legt Glasfaser in Mutzschen
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11:04 06.12.2018
Martin Flechsig ist der Gründer und Geschäftsführer der Grimmaer Firma web+phone. Sie verlegt in Mutzschen Glasfaserkabel. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Mutzschen

Mit kritischen Augen verfolgt der Mutzschener Christian Schäbe, was derzeit vor seiner Tür passiert. Die Grimmaer Firma web+phone IT Systeme und Kommunikationslösungen GmbH verlegt Glasfaserkabel und klappert Haus für Haus ab, um die Bewohner für den Anschluss an ihr Netz zu werben. Schäbe fragt sich nun, auf welcher rechtlichen Grundlage das Unternehmen in Mutzschen tätig sei und warum es vorab keine Bedarfsermittlung gegeben habe. Er wundert sich auch, warum die Stadtverwaltung seit Oktober in vielen Ortsteilen über ihr künftiges Breitband-Netz informiert, nur nicht in Mutzschen. Und er schüttelt den Kopf darüber, wie die Firma nach dem Verfüllen der Kabelgräben die Straße hinterlässt. „Die Sache scheint schief zu sein“, mutmaßt der Mutzschener.

Infoveranstaltung in Mutzschen geplant

Die Grimmaer Firma web + phone legt in Mutzschen Glasfaserkabel. Derzeit nutzt jeder zweite Angeschlossene die Möglichkeit zum schnellen Internet. Quelle: Frank Prenzel

Ist sie nicht, wie Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) verdeutlicht. Die Kommune könne die frühere Stadt Mutzschen nicht in ihr künftiges Glasfasernetz integrieren, weil ein privater Betreiber gegenüber dem Bundeskartellamt für das Gebiet eine Ausbauerklärung abgegeben habe. Dabei handelt es sich um die Telekom. „Wenn das der Fall ist, gibt es keine Förderung für die Stadt“, erklärt der Rathauschef. Aus diesem Grund ist Mutzschen auch nicht in den Info-Marathon der letzten Wochen einbezogen worden, laut Berger soll es demnächst aber auch dort eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben.

Grimma errichtet stadteigenes Netz

Grimma könne zunächst nur dort sein stadteigenes Netz errichten, so Berger, wo keine Ausbauerklärungen vorliegen und weniger als 30 Megabit je Sekunde anliegen. Das betrifft etwa 40 Prozent der Grimmaer, vor allem im ländlichen Raum. Beim Anschluss der unterversorgten Gebiete ans schnelle Internet winkt der Kommune eine komplette Übernahme der Kosten durch Bund und Land. Es geht um mehr als 50 Millionen Euro. Berger: „Wir setzen nicht auf den freien Markt, sondern wollen Daseinsfürsorge leisten.“ Grimmas erklärtes Ziel: Glasfaser für alle bis ans Haus.

Allerdings ist es Berger lieber, dass dort, wo Grimma nicht zum Zuge kommt, einheimische Firmen zukunftsfähige Netze bauen. Das ist besser, „als auf die Versprechen der Telekom zu warten“, sagt der 50-Jährige. Zumal der Platzhirsch nur die veraltete Vectoring-Technik anbiete. „Jetzt reichen vielleicht die 250 Mbit, doch der Datenbedarf verdoppelt sich alle eineinhalb Jahre“, so Berger.

Mutzschen erhält als erster Ortsteil Glasfaser

Web+phone-Gründer und Geschäftsführer Martin Flechsig rannte deshalb in der Verwaltung offene Türen ein, als er anfragte, ob die Stadt Bedarf beim Internet-Ausbau habe. Offenbar einigten sich beide Seiten schnell auf das ehemalige Stadtgebiet von Mutzschen – mit Ausnahme von Wagelwitz, das die Kommune ausbauen wird. „Wir haben das gemeinsam entschieden“, erläutert Flechsig. Mutzschen erhalte eines der modernsten Netze, das Glasfaserkabel werde bis zum Haus geführt, wo dann ein Gigabite anliege.

Zehn Kilometer in Mutzschen bereits verlegt

Mutzschen ist – abgesehen von einigen Gewerbegebieten – damit das erste Grimmaer Gebiet, das Glasfaser erhält. Die erst 2012 gegründete Firma Web+phone will damit auch in ihrer Heimatstadt den Fuß in die Tür bekommen und der Telekom Kunden ablaufen. Laut Flechsig gab es kurz vorm Baustart im Mai eine Informationsrunde in Mutzschen, inzwischen sei von den rund zehn Kilometern in Mutzschen und Roda die Hälfte bewältigt. Der 38-jährige IT-Experte, der sich 2008 selbstständig machte, mit seiner Firma beständig wächst und jetzt schon fast 25 Leute beschäftigt, freut sich über die gute Resonanz der Einwohner. Etwa die Hälfte der Leute, an deren Haus die Leitung bereits liegt, sind mit web+phone einen Vertrag eingegangen. „40 Prozent brauchen wir, damit es sich rechnet“, sagt Flechsig.

Alle Ortsteile von Mutzschen bis 2022 am Netz

Mutzschen soll bis 2019, Roda bis 2020 erschlossen sein. Die anderen Ortsteile folgen bis Ende 2022, erläutert der Firmenchef. „Wir lassen keine Straße aus.“ Vor Ort tätig ist der eigene Kabelbau des Unternehmens, der neun Köpfe zählt. Die Gräben würden zunächst provisorisch verfüllt, reagiert Flechsig auf die Anwohnerkritik. Asphaltiert werde dann in einem Schub. „Wir machen jede Straße wieder vernünftig zu.“

Web+phone erfüllt alle Voraussetzungen, um eigene Glasfasernetze zu errichten, wozu auch das vereinfachte Wegerecht gehört. Die Baugenehmigung in Mutzschen erteilte die Stadt Grimma. Preislich „liegen wir im Bereich der Mitbewerber“, beteuert Flechsig. Je nach Vertrag liegt der Internet- und Telefonanschluss monatlich zwischen 29 und 69 Euro, die Telefon-Flatrate kostet extra. Die Mindestlaufzeit beträgt 24 Monate, wer danach aussteigt, müsse aber wieder auf das alte Netz wechseln, erläutert Flechsig. „Wir zwingen niemanden einen Vertrag auf“, bekräftigt der 38-Jährige. Es komme gut an, das seine Mitarbeiter von Haus zu Haus gingen und die Leute berieten.

Von Frank Prenzel

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