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Grimma Grimmaer Firma züchtet Soldatenfliegen – Larven sollen Palmöl ersetzen
Region Grimma Grimmaer Firma züchtet Soldatenfliegen – Larven sollen Palmöl ersetzen
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Ein Züchter zeigt die Larve einer Soldatenfliege (Hermetia illucens). Quelle: dpa
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Die Larven der Insekten, die ausgewachsen aussehen wie eine Wespe und zweieinhalb Zentimeter groß werden, sind reich an Proteinen und Fetten und haben damit das, was Palmöl so begehrt macht.

Das Projekt läuft seit vier Jahren, sagt Dennis Hluschi, Biologe und bei Bios im Grimmaer Ortsteil Beiersdorf für die Zucht von Soldatenfliegen verantwortlich. "Wir ziehen die Soldatenfliegen auf", die dann von Mitarbeitern der TU Dresden unter die Lupe genommen werden. Soldatenfliegen sind Zweiflügler aus der Familie der Waffenfliegen, die üblicherweise in wärmeren Gefilden, dem Süden der Vereinigten Staaten etwa oder auch in Spanien und Frankreich vorkommen. Die ersten Soldatenfliegen, die in der Grimmaer Firma verwendet wurden, stammten allerdings aus einer Zoohandlung. Dort gehören sie zum Standardangebot, weil sie etwa auf dem Speisezettel von Reptilien stehen.

Soldatenfliegen sind sehr vermehrungsfreudig, sagt Biologe Hluschi, und das macht sie für die Wissenschaft und als potenziellen Palmölersatz ebenfalls interessant. Etwa 500 Eier legen die Tiere in ihrem kurzen Leben. Die Maden, auf die es Bios und der TU Dresden ankommt, ernähren sich von totem organischen Material, Speiseresten und Küchenabfällen etwa. Hlsuchi: "Die fressen im Prinzip alles, was in der grünen Tonne landet." Und verwerten es einträglich, indem sie viel Fett und Proteine anlegen. Das ist entscheidend, denn es handelt sich um die Stoffe, deretwegen die Nachfrage nach Palmöl ständig zunimmt. Palmöl findet sich in Lebensmitteln ebenso wie in Waschmitteln und Kerzen.

Sind die Tiere ausgewachsen, sind sie nach Angaben des Fachmannes völlig ungefährlich. Sie stechen nicht, und sie haben als Maden so viel gefressen, dass sie für den Rest ihres irdischen Daseins, wenige Wochen nur, keine Nahrung mehr brauchen und deshalb auch keine Krankheiten übertragen können. Bios und den Wissenschaftlern in Dresden geht es um die Larven. Biologe Hluschi: "Wir suchen nach einer Möglichkeit, die Larven effizient zu produzieren." Gelänge dies, wäre es ein Durchbruch von internationaler Bedeutung. Hluschi ist davon überzeugt, dass die Abholzung von Regenwäldern zugunsten von Palmenplantagen dadurch zumindest eingeschränkt werden könnte, auch wenn es ganz ohne Palmöl wohl auch dann nicht gehen wird.

Bleibt die Frage, wie lange die Untersuchungen mit den Soldatenfliegenlarven aus Beiersdorf noch andauern. Das lässt sich naturgemäß nicht genau prognostizieren. Experte Hluschi: "Ich gehe davon aus, dass wir noch ein, zwei Jahre dazu benötigen."

Von Nikos Natsidis

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