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Grimmaer Flutopfer: Lage am Markt ist ohne Alternative

Grimmaer Flutopfer: Lage am Markt ist ohne Alternative

Das Haus mit der grün-weißen Reklame ist bis zum Dach eingerüstet. Zielsicher springen Handwerker über die Dachsparren und verlegen rote Ziegel.

Das Auge stutzt: Mit seiner Agentur am Markt ist Udo Schönfeld, Vertrauensmann der LVM, zwar einer von hunderten Hochwasseropfern in Grimma. Die Mulde, die im Juni eine Pegel von knapp acht Metern erreicht, hat mit Sicherheit die Agentur von Schönfeld unter Wasser gesetzt. Aber bis zum Dach? Der 52-Jährige lacht: "Das machen wir jetzt mit", sagt er. Seit 2011 habe er um Fördermittel für die Sanierung des historischen Altstadthauses gekämpft. 2012 kam die Ablehnung, 2013 das Hochwasser. "Wenn wir jetzt die Fassade sanieren müssen, dann bis unters Dach", so die Überlegung.

Wie zahlreiche Gewerbetreibende ist Schönfeld in diesen Tagen so weit, die Geschäftsräume wieder einzurichten. Zeit für Gedankenspiele um die Zukunft des Hauses bleiben dem Versicherungsfachmann nicht. "Die Agentur hat nur einen einzigen Tag nicht gearbeitet", blickt er zurück. Obwohl das Wasser noch im Keller seines Hauses am Markt 22 steht, ordert er einen Container, um versicherten Hochwasseropfern bei der Regulierung ihrer Schäden behilflich zu sein. Mit 15 betroffenen Hauseigentümern sieht er seine Agentur in diesen Tagen mehr als ausgelastet, erinnert er sich. Aber mit dem Starkregen, der auf das Hochwasser folgt, wird der Kreis jener, die seine Hilfe benötigten, unüberschaubar. "Innerhalb von wenigen Monaten müssen über 80 Elementarschäden bearbeitet werden", so Schönfeld. Er habe funktioniert wie ein Uhrwerk.

Der seit 1961 in der Muldestadt lebende Grimmaer zweifelt dennoch keine Minute am Standort in der Altstadt. Obwohl das Haus erst seit 2011 in seinem Besitz ist, investiert er erneut in das unlängst sanierte Gebäude. "Für die Lage am Markt gibt es keine Alternative", sagt Schönfeld. Wettbewerber würden sich ebenfalls am besten Platz in der Stadt niederlassen. Wer sich zurückzieht, gibt Marktanteile auf. "Wenn ich eine Immobilie in der Stadt besitze, habe ich eine Verantwortung", so der Unternehmer. Auf seinen Schultern lastet diese Verantwortung gleich zweimal. Auch der Spielzeugladen in der Langen Straße, den seine Frau bewirtschaftet, kämpft mit Hochwasserschäden. "Aber hier ist 2002 gut saniert worden", sagt der Fachmann. Die Fußbodenheizung habe sich desinfizieren und wieder anfahren lassen. Die Putzschäden seien eher gering.

Obwohl beide Häuser wieder trocken und die Geschäfte geöffnet sind, kann Schönfeld noch immer nicht zur Tagesordnung übergehen. Denn zum Antrag auf Fluthilfe bei der Sächsischen Aufbaubank gibt es die ersten Einwände. "Trotz der Zustimmung von Stadt und Landratsamt, dass wir als Gewerbetreibende betroffen sind, wird die fehlende Gewerbeanmeldung angemahnt", sagt Schönfeld und versucht, ruhig zu bleiben. Er räumt ein, dass die Soforthilfe und auch Spenden der Stadt in den ersten Wochen weitergeholfen haben. Aber bei der Beantragung der Fluthilfe wiederhole sich die Bürokratie von 2002. "Wir haben gewusst, dass das auf uns zukommt. Und genau das hat die Menschen so runtergezogen", ist sich Schönfeld sicher.

Noch ist nicht klar, in welcher Höhe der eigene Schaden - rund 60 000 Euro - durch den Fluthilfefonds beglichen wird. Schönfeld hat eigene Rücklagen angegriffen und fremdfinanziert, um sich wieder aufzustellen. Wie im Spielzeugladen hat er auch in der Agentur versucht, Beton und andere resistente Materialien zu verbauen. Denn ein Rückzug aus Grimma kommt für ihn nicht in Frage.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.11.2013
Schöppenthau, Birgit

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