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Grimmaer Gästeführer lädt am Sonntag zur letzten Tour

Klaus Büchner Grimmaer Gästeführer lädt am Sonntag zur letzten Tour

Vierzehn Jahre lang hat Klaus Büchner, der Grimmaer Gästeführer, neben Stadtführungen auch zu Wanderungen in die Region eingeladen. Nach der morgigen aber, die in Grethen startet, will er den Wanderstock in die Ecke stellen. „Es geht langsam über meine Kräfte“, sagt der 76-Jährige. „Jetzt wird nur noch privat gewandert, wo ich das Tempo angeben kann.“

Bildungswandern mit Klaus Büchner (l.): Seine Führungen in der Region verbanden Wandern, Geschichte und Kultur. Jetzt stellt er den Wanderstock in die Ecke.

Quelle: LVZ-Archiv

Grimma. Der gebürtige Wurzener hatte sich nach 40 Jahren als Pauker, in denen er an der Berufsschule, an der Oberschule Großbardau, in Grimma Süd und zuletzt am Seume-Gymnasium seinen Schülern Geografie und Russisch vermittelte, auf einen Aufruf des Fremdenverkehrsamt es hin gemeldet. „Bettina Holfter wollte damals die Sparte der Gästeführer ausbauen. Und ich bin nun mal ein Typ, der eine Aufgabe braucht, auch im Rentenalter“, sagt Büchner, der sich auch viele Jahre als Stadtrat engagiert hat. Zu dem Zeitpunkt hatte er privat schon etliche Wanderkilometer hinter sich. „Es gab keinen Urlaub zum Faulenzen“, schmunzelt er. Seine Wege führten ihn zum Beispiel nach Südtirol, in die Steiermark und an den Bodensee. „Die Tour sollte anspruchsvoll sein und in der Gegend Wein wachsen“, nennt der Hobbywinzer wichtige Wegmarken.

Büchner absolvierte einen Kurs und ging ab Sommer 2002 auf Tour. Ein nasser Start. Mitten im Hochwasser. „Aber  ich wollte kein Hochwasser-Gucken veranstalten, sondern mit sachlichen Touren motivieren zu helfen.“ Und tatsächlich seien viele Besucher später wiedergekommen, um sich vom Wiederaufbau zu überzeugen. Als das 2013er-Hochwasser diesen wieder zunichte machte, war der Gästeführer gerade drei Tage mit einer Reisegruppe vom Niederrhein auf Schlösser- und Parktour. „Da hätte es uns in Canitz fast weggeschwemmt, wir mussten blitzartig mit dem Bus verschwinden“, erinnert er sich.

Ein ganz besonderes Angebot aber hat er mit den Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung kreiert. „Die Stadt hat mir dabei völlig freie Hand gelassen“, sagt er. Es sollte ein echter Renner werden, den der sächsische Wanderverband regelmäßig mit in den Wanderkalender aufnahm. Denn die jährlich acht Touren boten neben Bewegung in der Natur und natürlich Geografie zum Anfassen auch Exkurse in Kultur und Geschichte. „Wir wandern seit Jahrzehnten immer zu Weihnachten mit Freunden, da kennt man die Region ganz gut“, sagt Büchner. Trotzdem hat er sich nie nur auf seine Erinnerungen verlassen, sondern jede Tour akribisch vorbereitet und dabei selbst noch viel Neues gelernt. Zuerst anhand der Karte. Dann folgten ein bis zwei Probewanderungen – mit manchmal überraschenden Ergebnissen. „Da fehlte mal eine kleine Brücke, ein Weg war weggebaggert oder voller Windbruch. Dann musste ich neu planen.“ Und er versuchte immer, einen kulturellen Höhepunkt einzubauen, holte sich dafür auch Mitstreiter vor Ort ins Boot, beispielsweise in Polditz, wo es an der Kirchenorgel ein Vorspiel gab.  „Manchmal trugen auch unverhofft Mitwanderer zur Wissensbereicherung bei, so am Flugplatz Waldpolenz, wo jemand die Sprengung von Maschinen 1945 schilderte“, erzählt Büchner. Obendrein war meistens „Büchner-Wetter“, lacht er. Nur einmal habe es bei Hohburg wie aus Kannen geregnet, „dass die Sachen anschließend doppelt wogen“.

Jetzt aber hört Klaus Büchner auf und mit ihm auch der Grimmaer Fritz Franke, der von der ersten bis zur letzten Wanderung für eine Stärkung aus der Feldküche gesorgt hat, zu besonderen Anlässen auch schon mal mit zartem Wildschweinbraten und Klößen. Einen Nachfolger hat Büchner bislang nicht. „Aber ich mache die Stadtführungen noch so lange es geht“, verspricht er. Sein Fankreis wird es bedauern, das lassen Dankkarten, wie die von Wolfgang Engert ahnen: „Durch Sie haben wir große Teile unserer näheren Heimat besser kennen gelernt. Sie vermittelten uns viele Details, die uns bisher unbekannt waren.“

Von Ines Alekowa

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