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Grimma Grimmaer Geschichten von Treue und Leid
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17:00 13.04.2010
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Grimma

Alles scheint wie bei einem gemütlichen Kaffeetreff, und das soll auch so sein. „Für die Angehörigen von Alzheimerpatienten ist es oft eine Überwindung, über die Krankheit zu sprechen“, erklärt Sabine Richter. Sie ist Leiterin und gute Seele der Gruppe. Insgesamt sieben betroffene Menschen sind diesmal gekommen, Leiterin Richter mit eingeschlossen. Die Krankenschwester hat selber zwei Jahre lang ihre erkrankte Mutter gepflegt, neben ihrem regulären Beruf auf der Intensivstation. „Das Leben besteht in so einer Situation nur noch aus Pflege“, sagt sie. „Man muss für sich erkennen, wann der Punkt erreicht ist, an dem es nicht mehr geht. Und das ist dann auch okay, sonst geht man als Pflegender kaputt.“ Diese Erfahrungen, die sie selber schmerzhaft machen musste, will Sabine Richter nun weitergeben.

Fredo Groß ist seit über 60 Jahren innig mit seiner Frau verheiratet und kümmert sich nun nicht nur um den Haushalt, er muss das Essen zubereiten, sie anziehen, sich mit ihr beschäftigen. Nur bei der Pflege erhält er Unterstützung durch einen Pflegedienst. „Ich ziehe meinen Hut vor den Ehemännern“, sagt Elfriede Hantzsch, die sich um ihren Ehemann kümmert, und wendet sich an Fredo Groß. Die Herren kämen noch aus einer Generation, in der die häusliche Arbeit nicht zu ihren Aufgaben gehörte. Fredo Groß schaut in sein kleines Büchlein, in das er Details aus dem Alltag seiner Ehe notiert. „Früher haben wir uns nie wirklich gestritten“, erzählt der 82-Jährige. „Jetzt wird sie aggressiv, wenn ich zu ihr sage, sie solle mit dem Anziehen warten, bis sie gewaschen wurde: Ich mache, was ich will, sagt sie dann.“

Es ist spürbar, dass in dieser Gruppe ein Vertrauen herrscht, sich zu öffnen, auch zu klagen, aber immer nach Lösungen zu suchen, dem anderen Mut zu machen. Komplette Lebensgeschichten stecken in den Erzählungen der Anwesenden. „Wir sind viel gereist früher“, sagt Elfriede Hantzsch über ihre Ehe. „Wir wollten im Alter dann zu Hause bleiben. Dann habe ich gemerkt, dass etwas bei meinem Mann nicht mehr stimmt.“ Nach dem Befund Demenz sei er noch lange normal gewesen, hätte die Uhr erkannt. Dann gaben sie das Auto ab, es wurde immer schlimmer. Er sei früher schon ruhig gewesen, jetzt sei er sehr ruhig. „Ich sage zu ihm: Mach doch Striche, wie viele Worte du sprichst.“ Hantzsch versuche alles ein bisschen ins Lustige zu ziehen. Wenn er seine Aussetzer habe, spreche sie nicht mit ihm darüber. „Das würde ihn belasten“, erklärt sie.

Es sind große Anstrengungen, die sie tagtäglich unternehmen müssen. Immer mit der Angst, dass den Angehörigen in einem unbeaufsichtigten Moment etwas zustoßen könnte. Fredo Groß erzählt, wie er an einem Tag dreimal die Hose wechseln musste. „Wir haben uns ja geschworen: Bis zum Tod.“ „Ich tröste mich damit, dass wir Jahrzehnte glücklich zusammen gelebt haben“, meint Helga Tischer, auch 82 Jahre alt. Ihr Mann lebt im Heim und aus ihren Ausführungen ist eine gewisse Trauer heraus zu hören. „Ich habe es versucht“, sagt sie. Aber die Unterbringung im Heim hat eben auch Vorteile. Dort gibt es eine Gemeinschaft, die den alten Menschen Halt gibt. „Nichts ist schlimmer als Einsamkeit“, fügt Sabine Richter hinzu.

Die Selbsthilfegruppe gibt Halt, gibt Kraft, aber im Anschluss muss jeder wieder weiterkämpfen. Bei vielen ist es die Scham, die sie davon abhält, über die Krankheit zu sprechen. „Die Alzheimer-Gesellschaft hat hier noch eine große Aufgabe vor sich“, sagt Sabine Richter zum Schluss.

Thomas Düll

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