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Grimmaer Gymnasiasten sprechen mit Vertriebenen

Grimmaer Gymnasiasten sprechen mit Vertriebenen

Grimma. Sieben Schülerinnen und Schüler des Grimmaer Gymnasiums St. Augustin fahren am Sonntag gemeinsam mit der Grimmaer Museumsleiterin Marita Pesenecker für vier Tage nach Milicz in Polen.

. Die Reise ist Teil eines Projektes, in dem die Schüler die Integration von Flüchtlingen im Muldental nach 1945 erforschen wollen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen rund 40 000 Flüchtlinge und Vertriebene aus dem damaligen Kreis Militsch-Trachenberg in Schlesien ins Muldental. Etwa die Hälfte der Menschen blieb, die anderen wurden nach Sachsen-Anhalt weitergeleitet. In dem Projekt mit den Augustinern will das Museum nun der Frage nachgehen, wie sich die Schlesier in und um Grimma integrierten. Dazu führen die jetzigen Zehntklässler Gespräche mit den meist schon betagten Frauen und Männern. Die Interviews werden in Wort und Bild mitgeschnitten. Herauskommen sollen ein Film und Material für eine Ausstellung über Flucht, Vertreibung und Integration im Museum, erläutert Marita Pesenecker.

Zinarin Mutlu und Lisa Höer haben schon einige Interviews geführt und dabei schon eine Menge über Vertreibung und über die Gegend um das heutige Milicz erfahren. „Wir erfahren bei jedem Interview immer wieder Neues über diese Zeit", sagt Zinarin, die findet: „Das muss eine ziemlich schöne Gegend sein". Jedenfalls schlussfolgern das die Mädchen daraus, wie die Leute von der alten Heimat schwärmen.

Ein bis zwei Stunden dauern die Gespräche meistens. Die Leute erzählen gern und ausführlich, die Schülerinnen haben manchmal Mühe, mit ihren Fragen, die Gespräche zu steuern. Zumal eine Erfahrung laut Marita Pesenecker ist: „Die können stundenlang über die Flucht erzählen. Über das Leben hier sagen sie wenig." Doch gerade darum geht es den Projektteilnehmern, sie wollen erfahren, wie das neue Leben hier war. Von dem die Neuankömmlinge damals noch ziemlich lange dachten, es sei nur vorübergehend. „Sie glaubten alle, sie können nach 14 Tagen zurück", hat Lisa den Gesprächen entnommen. Die Mädchen zeigen sich beeindruckt von den Entbehrungen der Leute auf der Flucht, von dramatischen Szenen, die sie geschildert bekommen und vom Zusammenhalt der Militscher in der Fremde.

Jetzt werden sie deren frühere Heimat kennen lernen, werden dort Gleichaltrige treffen und auch die an Seen und Tieren reiche Gegend erkunden. Danach gehen die Interviews weiter. Noch fehlen aber einige Gesprächspartner. Der Freistaat, der das Projekt finanziell unterstützt, verlangt dafür mindestens 40 Interviewpartner. Doch einige der Frauen und Männer, die Marita Pesenecker im vorigen Jahr bei einem Treffen ehemaliger Militscher kennen lernte, haben mittlerweile abgesagt, meist aus Alters- oder Krankheitsgründen. Kein Wunder, wer die Flucht damals schon bewusst erlebt hat, mit wenigstens zehn bis zwölf Jahren, der ist heute schon weit über 80. Lea und Zinarin versichern: „Wir fragen ganz lieb, das geht schon." Sehr viel Zeit ist nicht mehr. Bis Ende 2012 soll die Arbeit geschafft sein. Dazu müssen nach den Interviews mehr als 50 Stunden Film noch gründlich ausgewertet werden.

Das Kreismuseum Grimma sucht ehemalige Militscher. Telefon: 03437/91 11 32

André Neumann

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