Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Grimmaer Händler ist zurück: Blumen-Café setzt neue Akzente

Grimmaer Händler ist zurück: Blumen-Café setzt neue Akzente

Der Laden in der Hohnstädter Straße ist ein kleines Schmuckstück. Rote Weihnachtssterne, Deko-Materialien in kräftigen Naturfarben, silberne und cremefarbene Accessoires und der Duft von Kaffee empfängt seit wenigen Tagen die Kunden im Blumenladen von Ines und Peter Schulze.

In den alten, vom Trödelmarkt stammenden Vitrinen sind Gefäße, Kerzen, Ampeln aus schimmernden Zapfen und Waldgeister in Filzjacken geschmackvoll arrangiert. Dass ihr neues Blumen-Café, wie sie es selbst nennt, das eigene Herz scheinbar kaum berührt, merkt die Inhaberin selbst. "Ich kann mich noch gar nicht so richtig freuen", sagt die Floristin leise. Die Müdigkeit in ihren Augen können nur ihr nahestehende Personen lesen. Persönliche Schicksalsschläge und das Hochwasser haben die 47-Jährige vor Monaten in eine schwere Krise gestürzt. Eine Ankunft im Alltag ist für sie noch nicht vorstellbar. "Das wird eine Weile dauern", stellt Ines Schulze fest.

Dennoch haben sie und ihr Mann Peter, der seit der Wende im Blumengeschäft aushilft, die Herausforderung gemeistert und mit einer prächtigen Adventsausstellung das Geschäft wieder aufgeschlossen. Seit 20 Jahren belebt das Ehepaar den Grimmaer Altstadthandel, hat die Jahrhundertflut 2002 und Höhen sowie Tiefen in der Branche weggesteckt. Im August wollten sie das mit Mitarbeitern und Kunden feiern. "Nicht dran zu denken, wir habe alle Kräfte mobilisiert, um das Haus zu sanieren", erinnert sich Peter Schulze. Dass sie mitten in der Trocknungsphase von einem Sturzregen überrascht worden sind, der erneut Wasser in die Geschäftsräume spülte, erwähnt er fast beiläufig. Zu große ist der private Schaden mit 200 000 Euro, um sich in Details zu verlieren. "Wir haben Fluthilfe beantragt", bestätigt Schulze, aber in der Dankbarkeit über die Chance schwingt auch Wut mit. Dreimal sei der Antrag zurückgekommen, bis er jetzt endlich von der Sächsischen Aufbaubank akzeptiert worden ist. Auch der 48-Jährige ringt um Fassung. Ein drittes Mal würden sie den Neuanfang nicht schaffen, resümiert er und seine Frau nickt nur tonlos mit den Kopf. Doch der Gedanke, den Standort möglicherweise aufzugeben, mobilisiert sofort die Lebensgeister. "Das wäre, als würden wir 20 Jahre wegschmeißen", protestieren beide. Der Vater von Schulze habe 1969 mit 800 Ostmark auf dem Konto und sieben Kindern die Immobilie gekauft. "Es war damals schon ein Kampf, das Haus zu halten", erinnert sich der Sohn.

So schwer die Aufarbeitung des Erlebten auch fällt, ergeben wollen sich beide nicht. "Wir haben die Situation genutzt, um uns zu verändern und mit der Zeit zu gehen", erklärt die Geschäftsfrau beim Gang durch den Laden. Der vordere Teil, in dem zuvor die Schnittblumen präsentiert worden sind, bietet jetzt Fläche für das erweiterte Deko-Sortiments und das Café. Der Feinkostbereich mit Ölen, Aufstrichen und Weinen ist um eine für Blumen viel zu dunkle Ecke und um Wohlfühlprodukte wie Seifen und Sprudelbäder erweitert worden. Der Retrolook, den die Grimmaerin so liebt, zieht sich durch das gesamte Sortiment. Adventsklassiker, florale Arrangements oder nostalgisch-verspielte Winteraccessoires sind Unikate. "Jedes einzelne Stück ist durch die geschickten Hände der Mitarbeiter gegangen", sagt die Geschäftsfrau. Die positive Resonanz der Kunden mache ihr Mut, aber momentan fehle noch die Laufkundschaft in Grimma, damit fünf Monate Umsatzausfall aufgeholt werden können.

Weil die eigene Wohnung noch nicht saniert ist, nehmen Ines und Peter Schulze mitunter nach einem langen Tag selbst in ihrem Café Platz. Um das Erlebte zu begreifen und die Balance zwischen Neuanfang und Zukunftssorgen zu finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.11.2013
Birgit Schöppenthau

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr