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Grimma Grimmaer Händler ist zurück: Blumen-Café setzt neue Akzente
Region Grimma Grimmaer Händler ist zurück: Blumen-Café setzt neue Akzente
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15:10 19.05.2015

In den alten, vom Trödelmarkt stammenden Vitrinen sind Gefäße, Kerzen, Ampeln aus schimmernden Zapfen und Waldgeister in Filzjacken geschmackvoll arrangiert. Dass ihr neues Blumen-Café, wie sie es selbst nennt, das eigene Herz scheinbar kaum berührt, merkt die Inhaberin selbst. "Ich kann mich noch gar nicht so richtig freuen", sagt die Floristin leise. Die Müdigkeit in ihren Augen können nur ihr nahestehende Personen lesen. Persönliche Schicksalsschläge und das Hochwasser haben die 47-Jährige vor Monaten in eine schwere Krise gestürzt. Eine Ankunft im Alltag ist für sie noch nicht vorstellbar. "Das wird eine Weile dauern", stellt Ines Schulze fest.

Dennoch haben sie und ihr Mann Peter, der seit der Wende im Blumengeschäft aushilft, die Herausforderung gemeistert und mit einer prächtigen Adventsausstellung das Geschäft wieder aufgeschlossen. Seit 20 Jahren belebt das Ehepaar den Grimmaer Altstadthandel, hat die Jahrhundertflut 2002 und Höhen sowie Tiefen in der Branche weggesteckt. Im August wollten sie das mit Mitarbeitern und Kunden feiern. "Nicht dran zu denken, wir habe alle Kräfte mobilisiert, um das Haus zu sanieren", erinnert sich Peter Schulze. Dass sie mitten in der Trocknungsphase von einem Sturzregen überrascht worden sind, der erneut Wasser in die Geschäftsräume spülte, erwähnt er fast beiläufig. Zu große ist der private Schaden mit 200 000 Euro, um sich in Details zu verlieren. "Wir haben Fluthilfe beantragt", bestätigt Schulze, aber in der Dankbarkeit über die Chance schwingt auch Wut mit. Dreimal sei der Antrag zurückgekommen, bis er jetzt endlich von der Sächsischen Aufbaubank akzeptiert worden ist. Auch der 48-Jährige ringt um Fassung. Ein drittes Mal würden sie den Neuanfang nicht schaffen, resümiert er und seine Frau nickt nur tonlos mit den Kopf. Doch der Gedanke, den Standort möglicherweise aufzugeben, mobilisiert sofort die Lebensgeister. "Das wäre, als würden wir 20 Jahre wegschmeißen", protestieren beide. Der Vater von Schulze habe 1969 mit 800 Ostmark auf dem Konto und sieben Kindern die Immobilie gekauft. "Es war damals schon ein Kampf, das Haus zu halten", erinnert sich der Sohn.

So schwer die Aufarbeitung des Erlebten auch fällt, ergeben wollen sich beide nicht. "Wir haben die Situation genutzt, um uns zu verändern und mit der Zeit zu gehen", erklärt die Geschäftsfrau beim Gang durch den Laden. Der vordere Teil, in dem zuvor die Schnittblumen präsentiert worden sind, bietet jetzt Fläche für das erweiterte Deko-Sortiments und das Café. Der Feinkostbereich mit Ölen, Aufstrichen und Weinen ist um eine für Blumen viel zu dunkle Ecke und um Wohlfühlprodukte wie Seifen und Sprudelbäder erweitert worden. Der Retrolook, den die Grimmaerin so liebt, zieht sich durch das gesamte Sortiment. Adventsklassiker, florale Arrangements oder nostalgisch-verspielte Winteraccessoires sind Unikate. "Jedes einzelne Stück ist durch die geschickten Hände der Mitarbeiter gegangen", sagt die Geschäftsfrau. Die positive Resonanz der Kunden mache ihr Mut, aber momentan fehle noch die Laufkundschaft in Grimma, damit fünf Monate Umsatzausfall aufgeholt werden können.

Weil die eigene Wohnung noch nicht saniert ist, nehmen Ines und Peter Schulze mitunter nach einem langen Tag selbst in ihrem Café Platz. Um das Erlebte zu begreifen und die Balance zwischen Neuanfang und Zukunftssorgen zu finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.11.2013
Birgit Schöppenthau

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