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Grimma Grimmaer Heimatforscher Gerhard Gimpel ist tot
Region Grimma Grimmaer Heimatforscher Gerhard Gimpel ist tot
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05:00 05.02.2018
Gerhardt Gimpel Quelle: Frank Schmidt
Grimma

Der Grimmaer Heimatforscher Gerhardt Gimpel ist tot. Er starb am 29. Januar, am 5. Februar findet auf dem Friedhof in Grimma die Trauerfeier statt. Ein Nachruf von Manfred Müller, dem langjährigen Herausgeber, Chefredakteur und Autor der Heimatschrift „Rundblick“.

Es waren stets anregende, fröhliche und nachdenkliche Gespräche, die ich mit meinem Freund Gerhardt Gimpel führen konnte. Am Ende in der Enge eines Altenheimes, wo er mit seiner Frau den letzten Abschnitt seines Lebens verbringen musste. Sie bewältigten diese schwierige Zeit mit innerer Kraft, manchmal mit heiterer Gelassenheit, aber auch nachdenklicher Wehmut.

Gerhard Gimpel war in Grimma und dem Umland vielen Leuten bekannt. Da waren die förderlichen Jahre mit den Schülern und Kollegen an der Schule am Wallgraben. Mit ihnen gemeinsam formte er die Einrichtung zu einer geachteten Bildungsstätte. Sie erlebten ihn als einen respektvollen und klugen Menschen, der dieses Amt nicht als bloße Tätigkeit, sondern mit Engagement und Herzblut ausführte. Ein Lehrer eben, wie wir ihn uns wünschen.

Die ersten Schritte dazu waren nicht leicht. Die Nazis hatten den gerade mal 18-Jährigen an die Front geschickt. Schwer verwundet erlebte er das Kriegsende. Er verlor einen Arm. Wir brauchen neue Lehrer! Dieser Ruf blieb auch bei ihm nicht ungehört. Um in der Schule mit Kreide an die Tafel zu schreiben, das geht doch. Also wurde er in seiner Geburtsstadt Leipzig Neulehrer. Manche seiner Mitstreiter wurden belächelt, andere kapitulierten. Gerhardt Gimpel holte sich mit einem Studium das fehlende Wissen. Er spürte, dass er das pädagogische Geschick im Umgang mit seinen Schülern besaß.

Auf dem Lande fehlten Lehrer. Er fand in der winzigen Dorfschule von Sermuth ab 1950 eine neue Arbeitsstätte. War es einfach sein Pflichtgefühl? Jedenfalls verstärkte die idyllische Landschaft an der Muldenvereinigung sein Heimatgefühl. Es lockte nicht mehr die Großstadt, er nahm den Ruf ins nahe Grimma an. Und dort blieb er bis zum Schluss. Inzwischen hatte er auch seine Familie gegründet, die ihm, dann auch zu dritt, ein beglückendes Leben brachte.

Mehr und mehr interessierte ihn die Heimatgeschichte. Was lag also näher, als mit dem Rundblick, der damaligen Heimatschrift, ins Gespräch zu kommen und mit Wort und Bild aktiv an der Gestaltung der Hefte mitzuwirken. Ich nahm diese Mitarbeit dankbar an, spürte ich doch sofort, dass hier einer tätig war, der so recht in unseren Mitarbeiterkreis passte. Das sind seine Worte: „Im Unterschied zur allgemeinen Historie ist Heimatgeschichte weitgehend konkret und nachvollziehbar. Mein regionalgeschichtliches Interesse führte mich zum Rundblick. Er bot seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern Möglichkeiten und erwünschte Freiräume, die Ergebnisse ihrer Nachforschungen und Recherchen zu veröffentlichen. Wie viele meiner Generation versuchte ich, Schlussfolgerung aus meinen Erfahrungen mit Faschismus und Krieg zu ziehen...“ Akribisch und gründlich betrieb er seine Forschungen, suchte engen Kontakt zum Museum. Seine Themen befassten sich unter anderem mit den Juden in Grimma, später erschienen dazu aussagekräftige Bücher. Nicht einfach abschreiben, sondern intensive Forschungen, das war sein Prinzip.

In all den Jahren vertiefte sich meine Freundschaft zu Gerhardt Gimpel. Unsere Gespräche zur kleinen und großen Politik, zu den kleinen und großen Dingen des Lebens überhaupt, brachten für beide einen Gewinn. Ich hatte in ihm eine grundehrliche Haut gefunden, die sich nicht verbiegt, die kritisch und zugleich tolerant die Ereignisse betrachtet, auch mal einen Widerspruch erzeugt, doch mit ihrem gesunden Menschenverstand der Wahrheit ziemlich nahe kommt.

Ich bleibe ihm dankbar verbunden, weil ich seine Freundschaft erleben durfte, die mein Leben bereicherte. Das seinige hat sich vollendet.

Von Manfred Müller

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