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Grimmaer Hermann Winkler nennt Wegfall der Roaming-Gebühren ein Achtungszeichen

Europäische Union Grimmaer Hermann Winkler nennt Wegfall der Roaming-Gebühren ein Achtungszeichen

Es sei ein Achtungszeichen, dass die Roaming-Gebühren ab sofort wegfallen, sagt Europapolitiker Hermann Winkler (CDU). Er hätte sich das nun in Kraft getretene EU-weite Handytelefonieren ohne Aufpreis schon drei, vier Jahre eher gewünscht. „Sei’s drum: Es ist mal eine sinnvolle Vereinheitlichung, die vor allem dem Bürger ganz direkt nützt.“

Die Zusatzkosten für Handynutzer im EU-Ausland werden wie geplant im Juni 2017 abgeschafft.

Quelle: EPA

Strasbourg/Grimma. Für den Grimmaer Europa-Abgeordneten Hermann Winkler (CDU) war es gestern im fernen Elsass ein Tag der Genugtuung. Nein, kein Tag des Jubels. Triumphieren sei angesichts der Krise, in der die EU stecke, wahrlich nicht angebracht, so der 54-Jährige. „Aber es ist schon ein kleines Achtungszeichen, dass die Roaming-Gebühren ab sofort wegfallen, spät, aber noch nicht zu spät.“ Er hätte sich das nun in Kraft getretene EU-weite Handytelefonieren ohne Aufpreis schon drei, vier Jahre eher gewünscht. „Sei’s drum: Es ist mal eine sinnvolle Vereinheitlichung, die vor allem dem Bürger ganz direkt nützt.“

Seit 2009 pendelt Winkler zwischen Grimma, Brüssel und Strasbourg. Für die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) sitzt er im Ausschuss „Industrie, Forschung und Energie“, der auch den Beschluss für die neue Roaming-Verordnung erarbeitet hatte. Im Gremium machte sich Winkler als einer von 50 Abgeordneten aus 28 Ländern in besonderer Weise dafür stark, dass Mobilfunknutzer im Ausland nicht mehr zahlen als zu Hause. Die Abgeordneten übten immer wieder Druck auf die Mobilfunkkonzerne aus – mit Erfolg.

Er kenne viele Sachsen, ob Unternehmer, Studierende oder Sportler, die quer durch Europa pendeln müssten und beim Telefonieren über die Maßen zur Kasse gebeten worden seien, sagt Winkler mit Verweis auf die eigenen Rechnungen. „Oder nehmen wir die Urlauber. Jeder zuckte doch zusammen, wenn er in Italien oder Kroatien auf seinem deutschen Handy angerufen wurde. Das ist jetzt Geschichte.“

Trotzdem sei die EU in der größten Krise seit Bestehen, sagt Winkler. „Der Vertrauensverlust ist immens, weil wir etwa bei der Aufnahme von Flüchtlingen keine Lösungen für ganz Europa finden. Nach wie vor gibt es gerade in dieser Frage zu viele nationale Alleingänge, zeigen einige Mitgliedsstaaten keinerlei Solidarität.“ Falsche Antworten würden seiner Meinung nach auch im Umgang mit Russland gegeben, so Winkler: „Ich halte die EU-Sanktionen gegen Russland für ungeeignet. Wir brauchen Russland als strategischen und wirtschaftlichen Partner. Auf Dauer schaden wir uns selbst am meisten.“ Als Grimmaer wisse er, dass zahlreiche Firmen seiner Heimatstadt traditionell enge Kontakte in den Osten pflegen: „Diese Betriebe leiden natürlich sehr stark unter den politischen Entscheidungen.“

Viel zu oft kümmere sich die EU um Dinge, die sie eigentlich nichts angehe. Insofern sei die Einigung auf die neue Roaming-Verordnung ein positives Beispiel, das Erleichterungen bringt und mit Recht auch vom Bürger honoriert wird: „Nationale Verträge gelten in diesem Fall europaweit.“

Übrigens, so Winkler, hätten die Briten den Wegfall der Roaming-Gebühren damals noch mit beschlossen. Bei einem Brexit, also dem Ausstieg des Landes aus der EU, müsse mit Großbritannien genau wie bei jeder anderen Geschäftsbedingung auch zu den Handygebühren neu verhandelt werden. „Das würde Zeit und Nerven kosten, aber auch Geld. Nicht nur die Briten hätten dann mehr fürs EU-weite Telefonieren und Surfen zu löhnen, auch die Deutschen, wenn sie zu Besuch im Königreich sind.“ Einerseits sei es schade, sagt der Grimmaer, dass die Briten aussteigen: „Andererseits ist es für uns ein Weckruf, wie wichtig Europa ist, gerade heutzutage, da Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeiten mehr sind.“

Von Haig Latchinian

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