Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Grimmaer Kleiderkammer ist Anlaufstelle für Rentner, Aufstocker und Flüchtlinge

Top-Sachen für kleines Geld Grimmaer Kleiderkammer ist Anlaufstelle für Rentner, Aufstocker und Flüchtlinge

Die Kleiderkammer „Stiftung St. Georgenhospital“ liegt alles andere als „um die Ecke“. Trotzdem gibt am Dienstag, als Christa Werner (62) von 12 bis 17.30 Uhr zur Annahme geöffnet hat, ein Spender dem anderen die Klinke in die Hand. Bis 15.30 Uhr waren schon 27 Leute da", erzählt die Leiterin der Einrichtung.

Die Kleiderkammer liegt im Gewerbepark zwar nicht zentral, ist aber dank guter Ausschilderung leicht zu finden.
 

Quelle: Foto: Thomas Kube

Grimma.  Die kommunale Kleiderkammer „Stiftung St. Georgenhospital“ in der Bahnhofstraße 5 liegt alles andere als „um die Ecke“. Trotzdem gibt am Dienstag, als Christa Werner (62) von 12 bis 17.30 Uhr zur Annahme geöffnet hat, ein Spender dem anderen die Klinke in die Hand. Bis 15.30 Uhr waren schon 27 Leute da. „Und dabei ist heute eher ein ruhiger Tag, manchmal stapeln sich hinter mir die Kisten und Beutel“, erzählt die Leiterin der Einrichtung. Und der Strom reiße auch nicht ab, weil der ein oder andere seine Sachen in der gegenwärtigen Situation vielleicht direkt in eine Flüchtlingsunterkunft schafft. „Die Leute kennen die Kleiderkammer über Jahrzehnte und wissen, dass ihre Spende hier einem guten Zweck dient“, sagt Werner. Am nächsten Tag wird sie die Sachen sichten und für die Ausgabe sortieren. Wer sich dann etwas abholt, dem sei die Lage im TLG-Gewerbepark Grimma im Vergleich zum ersten Domizil vor 25 Jahren in der Marktgasse – danach war die Kleiderkammer bis zum Jahr 2000 in Grimma-West – sogar lieber: „Denn manche haben sich geschämt, wenn sie beim Gang in die Kleiderkammer beobachtet wurden“,weiß Werner, die die Sammelstelle von Anfang an betreut.

Christa Werner kann in der kommunalen Kleiderkammer dank großzügiger Spender eine breite Warenpalette anbieten – vom Anorak über Schuhe bis zu Taschen und Spielzeug.

Christa Werner kann in der kommunalen Kleiderkammer dank großzügiger Spender eine breite Warenpalette anbieten – vom Anorak über Schuhe bis zu Taschen und Spielzeug.

Quelle: Thomas Kube

Auch Elke Scheibner ist heute aus Großbothen gekommen, um ein paar Kleidungsstücke abzugeben. „Früher hat man erst mal unter Verwandten herumgefragt, ob sie die Sachen brauchen könnten. Aber heute hat ja jeder schon alles selber, außerdem kommt jedes Jahr etwas anderes in Mode“, sagt sie. „Und so gebe ich die Sachen hier ab und helfe noch jemandem, denn es gibt genug Menschen, die gar nichts haben.“ Zum Wegwerfen jedenfalls seien die Sachen zu schade. „Das ist wahrscheinlich noch alte DDR-Erziehung“, schmunzelt die 58-Jährige. Und bei der Kleiderkammer wisse sie, dass die Sachen weder in den Reißwolf kommen, noch kommerziellen Zwecken dienen. Kaum ist die Großbothenerin gegangen, bringt eine andere Frau einen Beutel mit Anoraks. „Die können wir jetzt gut gebrauchen“, freut sich Werner.

Die Regeln für das, was sie annimmt, sind einfach: „Sauber und ganz müssen die Sachen sein. Ich hänge nur hin, was ich selber noch anziehen würde.“ Denn anders als große Firmen, die die Altkleiderverwertung als lukratives Geschäft betreiben, hat Werner in ihrem Ein-Frau-Betrieb keine Wäscherei oder Näherei nebenan. Wer regelmäßig spendet, weiß das, auch was gefragt ist. Andere schauen vorher schon mal vorbei, bevor sie die Gardinen bringen, die nach dem Umzug nicht an die neuen Fenster passen. Denn anders als der Name Kleiderkammer vermuten lässt, finden sich in den Regalen auch Schuhe, Rucksäcke, Spielzeug, Bücher oder Geschirr und andere Haushaltartikel.

An manchen T-Shirts und Hosen hängt sogar noch das Preisschild. „Denn ich gehe auch selbst nicht nur zu Haushalt-, sondern auch zu Geschäftsauflösungen“, erklärt Werner. Eine Markenjeans, die im Laden 80 Euro gekostet hätte, gibt es bei ihr für 15 Euro, ein paar Stiefel für acht, eine Bluse für fünf Euro. Die Preise richten sich nach Zeit- und Gebrauchswert oder ob es sich um Neuware handelt. „Wichtig ist, der Preis muss sozial sein“, betont Werner. Schließlich gehe es nicht um Gewinn. Die wenigen Euro, die sie nimmt, sind lediglich dazu gedacht, die Unkosten, wie zum Beispiel Strom und Miete, zu decken. Da geht auch schon mal eine Daunendecke im Top-Zustand für fünf Euro über den Tisch. Überhaupt sind das Teuerste in der Kleiderkammer elektrische Geräte, wie Kaffeemaschinen oder Toaster, die momentan besonders gefragt sind.

Stiftung St. Georgenhospital

Die Stiftung wird als kommunale Stiftung geführt und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke durch die Unterstützung von bedürftigen Personen.

Stiftungsorgane sind Vorstand und Beirat. Der Vorstand besteht aus dem Bürgermeister und vier vom Stadtrat bestellten Stadträten. Der Beirat aus dem Sozialamtsleiter der Stadt Grimma, je einem Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche und zwei weiteren vom Stadtrat bestellten Personen.

Das Vermögen der Stiftung besteht im Wesentlichen aus Grundbesitz, der Stiftungszweck wird aus Miet- und Pachteinnahmen realisiert. Sehr dankbar werden Spenden entgegengenommen.

Seit 1995 ist die Stiftung Träger der Kleiderkammer, weiterhin ist sie Träger des Projektes „Mehrgenerationswohnen“ mit Betreuungsangeboten im PH9.

Seit 1836 besteht die Stiftung ununterbrochen bei der Stadt Grimma. Im Jahre 1993 wurde ihr eine neue gesetzeskonforme Satzung gegeben.

Quelle: http://www.hospitalschenke.de/stiftung-St-Georgen-Hospital.html

Einen Nachweis über ihre Bedürftigkeit, um hier billig einkaufen zu dürfen, müssen Werners Kunden übrigens nicht erbringen. „Denn jemand anders als Aufstocker und Rentner kommen sowieso nicht in die Kleiderkammer“, weiß sie. Und zwar nicht nur aus Grimma, sondern sogar aus Leipzig. „Dass hier alles ordentlich ist und man sich die Sachen nicht aus einem Wühltisch suchen muss, ist manchem der Weg wert“, sagt Werner nicht ohne Stolz. Obwohl sie heute eigentlich nur Annahme hat – Ausgabe ist immer donnerstags – kommen immer wieder Leute in den Laden. Es sind offensichtlich Flüchtlinge. Mit wenigen Brocken Deutsch erklären drei muslimische Frauen, dass sie aus Leipzig-Grünau kommen. Werner drückt ein Auge zu. Wieder einmal. „Eigentlich müsste ich Annahme und Ausgabe strikter trennen, denn meiner anderen Kundschaft gegenüber ist das nicht fair.“ Durch die Flüchtlinge habe die Kleiderkammer im Moment sehr viel mehr Zulauf als vorher, sagt deren Leiterin. „Sie machen inzwischen über die Hälfte der Kundschaft aus. Wer eine Wohnung zugewiesen bekommen hat, sucht hier zum Beispiel nach Töpfen und Tellern.“ Wobei es durchaus Unterschiede gebe. „Manchen Familien mit fünf, sechs Kindern sieht man das Elend richtig an, denen schenke ich dann auch schon mal ein Spielzeug, andere suchen gezielt nach Markenware.“

Die drei Frauen haben sich für eine Jacke und eine Bluse entschieden – und versuchen den Preis zu verhandeln. An das Feilschen kann sich Christa Werner nur schwer gewöhnen. „Es ist schon wenig Geld für gute Ware“, sagt sie und rückt von ihrer Preisliste deshalb auch nicht ab. „Wenn die Diskussion gar kein Ende nimmt und sich draußen vor der Tür schon eine Schlange bildet“ – um den Überblick zu behalten, lässt sie immer nur schubweise ein –, „hänge ich die Sachen auch schon mal wieder auf die Stange zurück.“ Da ist sie rigoros.

Genauso wie ihre Hilfsbereitschaft beziehungsweise die der Kleiderkammer im Wortsinne grenzenlos ist. Denn Christa Werner bestückt nicht nur die Kleiderstangen ihres kleinen Verkaufsraumes. Erst vor Weihnachten hat sie aus ihrem Fundus wieder drei Tonnen für einen Caritas-Hilfstransport nach Lublin in Polen beigesteuert. „Auf den Dörfern muss die Armut erschreckend sein“, weiß sie von den LKW-Fahrern. Und so gibt sie gern, „wenn genug da ist oder Saisonwechsel ansteht oder ich weiß, es geht in ein Kinderheim“. Auch ein paar Privateleute, die zum Beispiel Transporte nach Rumänien organisieren, unterstützt sie.

Kommunale Kleiderkammer, Bahnhofstraße 5, Einfahrt hinter „Würth“, Telefon 0160/96950978; geöffnet: Dienstag 12 bis 17.30 Uhr (Annahme) und Donnerstag 8.30 bis 12 Uhr und 13 bis 15.30 Uhr (Ausgabe)

Von Ines Alekowa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr