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Grimma Grimmaer Pädagogen wegen Misshandlungsvorwürfen vor Gericht
Region Grimma Grimmaer Pädagogen wegen Misshandlungsvorwürfen vor Gericht
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10:34 06.12.2016
Die beschuldigten Pädagoginnen der Waldschule Grimma mit ihren Verteidigerinnen auf der Anklagebank im Amtsgericht Grimma. Quelle: Foto: Frank Schmidt
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Grimma

Eine 56-jährige Lehrerin und einer 47-jährige Heilpädagogin aus dem Landkreis Leipzig müssen sich seit Montag vor dem Amtsgericht Grimma verantworten. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Pädagoginnen sollen geistig und körperlich behinderte Kinder der Waldschule Grimma körperlich und verbal misshandelt haben. Beide sind in der Spezialschule für Kinder mit Behinderungen in Grimma Süd beschäftigt – jetzt sitzen sie auf der Anklagebank. „Wegen großen öffentlichen Interesses“, so eine Justizmitarbeiterin, fanden am Eingang des Gerichtssaales Personenkontrollen statt. Kurz darauf wurde der Sitzungssaal gewechselt, um allen Besuchern Platz zu bieten.

Nachdem Staatsanwalt Tobias Weber die auf Zeugen- und Vernehmungsaussagen basierende Anklageschrift verlas, stellten die beide Vertreter der Verteidigung den Antrag, das Verfahren einzustellen. Zur Begründung beriefen sie sich darauf, dass jeweils nur ein Elternteil der betroffenen Kinder Strafantrag gestellt habe. Und ein nachträglicher Antrag sei nicht fristgemäß gewesen. Richter Götz-Karsten Weimann und die Staatsanwaltschaft vertraten eine andere Rechtsauffassung und stellten klar, es dürfe davon ausgegangen werden, dass beide Elternteile darüber gesprochen und gemeinsam den Entschluss gefasst haben, Strafantrag zu stellen. Und so nahm die Hauptverhandlung mit der Vernehmung von insgesamt sechs Zeugen ihren Lauf.

Konkret ging es darum, dem achtjährigen Dustin (Name geändert) mit „...kurze Haare, kurzer Verstand“ beleidigt zu haben. Zudem habe er von der Heilpädagogin einen „Klaps auf den Hinterkopf“ bekommen. Der im Rollstuhl sitzenden neunjährigen Jessica (Name geändert) sei ein zu großes Stück der Mahlzeit in den Mund gewürgt worden, sodass sie sich „ungewöhnlich heftig verschluckt“ habe. Außerdem wurde von der Heilpädagogin gegenüber dem schlanken und großen Mädchen geäußert, „...hoffentlich wirst Du mal nicht auch so schwer und dick wie deine Mama“. Die Lehrerin soll indes eine Schreibmappe mit Absicht aus Kopfhöhe zu Boden fallen gelassen haben, weshalb das Mädchen erschrocken und verstört reagiert habe.

Mit den meisten Zeugenaussagen wurden die Tatvorwürfe zunächst relativiert. Eine Zeugin war nicht direkt bei den Geschehnissen dabei, eine andere wisse es nur vom Hörensagen und wieder eine andere konnte sich nicht mehr so genau erinnern, da die Vorkommnisse schon zwei Jahre zurückliegen. Bis eine schulbegleitende Ergotherapeutin als Hauptbelastungszeugin aussagte. Sie sei zwar noch nicht lange in der Schule, habe jedoch bald bemerkt, „dass der Umgangston mit dem Mädchen nicht angemessen war“, sagte sie und bestätigte die schon erwähnte Äußerung mit Bezug auf das Körpergewicht der Mutter. Und auch den aus ihrer Sicht „absichtlichen Vorfall“ mit der Schulmappe habe sie persönlich miterlebt. Überhaupt seien verbale Angriffe gegenüber den Kindern „regelmäßig vorgekommen“, belastete die Zeugin beide Angeklagten, während die Mutter des Mädchens auf der Bank der Nebenklage mit den Tränen kämpfte.

Eine andere Ergotherapeutin gab als Zeugin zu Protokoll, dass man nicht über solche Fälle sprechen würde. „Das Kollegium ist schwierig, die Kommunikation unter Kollegen unsachlich und nicht immer der Wahrheit entsprechend.“ Weshalb der Vertreter der Nebenklage gerne die Schulleitung in den Zeugenstand gerufen hätte. Doch die Stellvertreterin stand terminlich nicht zur Verfügung. Und die Schulleiterin selbst saß im Publikum, gab jedoch an, „keine Aussagegenehmigung“ zu haben. Deshalb wurde der Prozess auf Anfang Januar vertagt und zwei weitere Verhandlungstage anberaumt, um die gewünschten Personen als Zeugen vorzuladen.

Von Frank Schmidt

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