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Grimmaer Tafel steht vor der Umstrukturierung

Rettung in letzter Minute Grimmaer Tafel steht vor der Umstrukturierung

Vor einem Strukturwandel steht die Grimmaer Tafel, die Mahlzeiten an bedürftige Menschen ausgibt. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Mulde-Collm kann sie nicht weiter allein betreiben. Deshalb soll ein neuer Trägerverein gegründet werden, dem unter anderem vier Städte angehören. Ganz reibungslos geht der Wandel jedoch nicht über die Bühne.

Bedürftige, darunter auch Asylbewerber, holen in der Grimmaer Tafel Lebensmittelspenden ab.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Wurzen/Trebsen/Colditz. Vor einem Strukturwandel steht die Grimmaer Tafel, die Mahlzeiten an bedürftige Menschen ausgibt. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Mulde-Collm kann sie nicht weiter allein betreiben. Deshalb soll ein neuer Trägerverein gegründet werden, dem unter anderem vier Städte angehören. Ganz reibungslos geht der Wandel jedoch nicht über die Bühne.

Von den Kommunen hat sich bislang nur Trebsen dafür ausgesprochen, den Verein mitzugründen. „Wurzen signalisierte Zustimmung, wird aber erst später beitreten“, sagt der federführende Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Sein eigener Stadtrat soll erst in einer Woche entscheiden. Und Colditz braucht noch Bedenkzeit. „Wir müssen erst wissen, was auf uns zukommt“, sagt Hauptamtsleiter Peter Kiesel. Für die Einladung zur heutigen Stadtratssitzung seien die Unterlagen ohnehin zu spät im Rathaus eingetroffen. Somit könne Colditz garantiert kein Gründungsmitglied werden, wie es vorgesehen war.

Die Zeit drängt. Aus personellen und organisatorischen Gründen sieht sich die Awo nur noch bis zum 30. Juni in der Lage, die Tafel allein zu führen, weshalb an diesem Tag der Verein ins Leben gerufen werden soll, der die Geschäfte ab 1. Juli fortführt. „Die meisten Menschen, die uns das Kommunale Jobcenter vermittelt, können nicht eigenständig arbeiten und haben keinen Führerschein. Wir bräuchten noch jemanden, der sie anleitet“, nennt Awo-Geschäftsführer Daniel Schippan eine der Schwierigkeiten.

Die bisherige Leiterin der Tafel scheidet zum Monatsende aus. „Ein Mitarbeiter, der über das Programm Soziale Teilhabe des Jobcenters gefördert wird, bleibt. Wir haben den Antrag gestellt auf eine zweite solche Stelle – mit Aussicht auf Bewilligung“, so Schippan. Das heißt, die Awo engagiert sich weiter und will auch Gründungsmitglied des Vereins sein. Sogar ihre vier Fahrzeuge übergibt sie ihm. Schippan: „Und wir zahlen die Miete für die Räumlichkeiten am Gabelsberg vorübergehend weiter.“

Allerdings nur, bis ein Ausweichquartier gefunden ist. Ein anderer Partner im Boot, das Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental, springt hier in die Bresche. „Bis zum Jahresende wollen wir eine Lösung finden“, sagt Geschäftsführer Christian Kamprad. „Die qualifizierteste wäre, die Tafel zum Prophetenberg zu verlegen, wo wir unseren Möbelfundus für Sozialhilfeempfänger betreiben.“ Vor einem Umzug dorthin müssen aber noch Räume ausgebaut werden, wofür die Zustimmung der Behörden nötig ist.

Laut Schippan wird neben einem Steuerberater auch die Diakonie Leipziger Land den Verein mitgründen. „Deutsches Rotes Kreuz und Caritas sind angefragt, eine Entscheidung steht dort jedoch noch aus“, informiert er. „Als wichtig erscheint mir aber, dass sich alle vier Städte beteiligen, denn die Tafel ist keine Sache, die nur im Ehrenamt zu bewältigen ist“, betont Kamprad. Um den Verein in Schwung zu bringen, steuert das BSW Ein-Euro-Jobber bei, die am 3. Juli ihre Arbeit aufnehmen. Beantragt sind die Stellen für ein halbes Jahr.

Im Januar hatte die Awo das sich anbahnende Problem erstmals bei Grimmas Oberbürgermeister angesprochen. „Mein Anliegen war es, die aus sozialer Sicht sicher unstreitig wertvolle Einrichtung auf alle Fälle zu erhalten“, sagt Berger. Mit Schippan prüfte er mehrere Optionen, das jetzige Vorhaben erschien den beiden als beste Variante.

Dass sie auch Wurzen, Trebsen und Colditz ansprachen, hat einen einfachen Grund. „Wir sind verpflichtet, in den Kommunen, aus denen uns Geschäfte qualitativ hochwertige Lebensmittel spenden, diese den Menschen anzubieten“, erklärt Awo-Chef Schippan. Schon jetzt würden Kunden aus Wurzen, Trebsen und Colditz nach Grimma kommen. Bei nur einer Ausgabestelle, wenngleich am anderen Ort, bleibe es auch nach der Umstrukturierung. Es werde keine Zweigstellen außerhalb Grimmas geben.

Zurzeit versorgt die Grimmaer Tafel im Durchschnitt 500 Menschen pro Woche, sie alle müssen ihre Bedürftigkeit vor dem Empfang der Lebensmittel nachweisen. In Wurzen existiert ein weiterer Tafelservice, ihn betreibt der Verein Zuversicht in der Stephanstraße.

Von Frank Pfeifer

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