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Grimma Grimmaer fühlen sich auf Fuerteventura wohl
Region Grimma Grimmaer fühlen sich auf Fuerteventura wohl
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05:00 17.02.2010
Finca mit Meerblick: Junge Grimmaer Familie lebt auf Fuerteventura. Quelle: privat
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Grimma

Ja, gibt Micha zu, ein bisschen stimme das Klischee vom Leben, wie andere Urlaub machen. Die drei bewohnen seit gut drei Jahren eine gemütliche Finca auf dem Land im Süden der zweitgrößten Insel der Kanaren, haben das Meer, Palmen und den Strand in Sichtweite und brauchen keine Heizung im Haus. Nur einen Kamin gibt es, und der wird zu Weihnachten immer angezündet, auch wenn draußen 20 Grad sind.

Der Wegzug der kleinen Familie von der Mulde war weder eine spontane Entscheidung noch eine Hauruck-Aktion. Denn eigentlich hatte Micha sein Traumhäuschen in Grimma schon gefunden. Das heißt im Volksmund Hexenhaus und steht unterhalb von Hohnstädt direkt am Fluss. Micha kam hier schon als Kind immer vorbei. Er und seine Frau kauften das Haus 2001. Ein Jahr später, erinnert er sich, „katapultierte uns das Hochwasser zum Rohbau zurück“. Zwei Jahre später war der zweite Neuaufbau abgeschlossen, doch irgendwie hatten Thieles keine Lust, so etwas noch einmal zu erleben. Hinzu kam, dass der gelernte Apparatebauer und später frisch ausgebildete IT-Systemelektroniker in Grimma keine Arbeit fand. Als er schon mit dem Gedanken spielte, zur Arbeit in die alten Bundesländer zu pendeln, brachte Isabels Mutter, die regelmäßig auf Fuerteventura Urlaub macht, von dort ein Arbeitsangebot als Musiker mit. Denn ganz nebenbei ist Micha auch noch Sänger und Gitarrenspieler.

Drei Monate überlegten Isabel und Micha, dann packten er und sein Bruder Mario ein Auto und einen Anhänger voll mit Musiksachen, Computer und einem Fahrrad, fuhren über Frankreich bis Südspanien, von dort mit der Fähre drei Tage bis Gran Canaria und nach einer Nacht auf dieser Insel mit dem nächsten Schiff nach Fuerteventura. Erst nachdem Micha hier drei Monate als Musiker von Lokal zu Lokal gezogen war und immer noch jede Menge Aufträge hatte, fiel die Entscheidung, „nochmal von vorn anzufangen“. Auch weil Isabel, die Spanisch und Deutsch spricht, ebenfalls schnell Arbeitsangebote bekam. Sie verkaufte das Haus in Grimma und kam mit Tochter Sandra hinterher gereist auf die Insel im Atlantik. Der damals 13-Jährigen fiel der Abschied von Familie und Freunden natürlich am schwersten. Heute ist sie 18, hat gerade ihre Fahrprüfung bestanden und düst mit ihrem handgestrichenen rosa Auto über die Insel.

Dort ist für die Familie längst der Alltag eingekehrt. Auch hier klingelt morgens der Wecker, wenn die Arbeit ruft. Isabel hat einen Pflegedienst und will jetzt in der Hauptstadt Puerto del Rosario eine Tagespflege aufbauen und Micha ist Rezeptionsmanager im Hotel Apartamentos Jandia Luz. Er koordiniert die Rezeptionsangestellten und sorgt dafür, dass das Hotel gut belegt ist. Musik macht er jetzt seltener, denn auch auf der Ferieninsel Fuerteventura sind seit der Wirtschaftskrise abends viele Kneipen leer. In seinem Hotel aber ist immer noch jeden Mittwochabend Livemusik von einem durchaus begabten Musiker aus Grimma in Sachsen zu hören. Alltag heißt hier aber auch permanent schönes Wetter, Besuche im einzigen Kino der Insel in der Hauptstadt und häufiges Tummeln am Strand,

Dennoch, als seine Heimat bezeichnet Micha nach wie vor Grimma. Auch wenn er und seine Familie sich auf Fuerteventura sehr wohl fühlen und er nur einmal im Jahr nach Grimma kommt. Zurück nach Deutschland wollen die Thieles aus heutiger Sicht nicht. Ihren Lebensabend, sagt Micha, wollen sie aber auch nicht auf Fuerteventura verbringen. „Wir sind schon immer am Liebäugeln mit Kuba“, sagt er. Doch ein Leben unter Fidel Castro mögen sie sich nicht vorstellen.

André Neumann

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