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Grimmaerin auf der Spur ihrer Ahnen in Namibia

Grimmaerin auf der Spur ihrer Ahnen in Namibia


Grimma/Windhoek. Gisela Weiser schaut von der auf 1500 Meter Höhe liegenden Ghaub-Farm ins Land.

. Ein Stück entfernt ist der Ort Grootfontein. Hier wurde 1913 ihre Mutter Hildegard geboren. Auch Giselas Töchter Christine und Cornelia sind in diesem Moment ganz still. Die Spuren der Ahnen im afrikanischen Namibia sind Wirklichkeit, geben aber auch ein Stück Raum für Phantasie.

Handschriftliche Aufzeichnungen ihres Großvaters Reinhold Schlinke, die sie wieder einmal genauer durchlas, ließen in der 66-jährigen Grimmaerin Gisela Weiser den Entschluss reifen, einen wichtigen Lebensabschnitt ihrer Vorfahren nachzuvollziehen. Es war im November 1904, als sich der 25-jährige Soldat Schlinke in Hamburg einschiffte, um einen Monat später im damaligen Deutsch-Südwestafrika zu landen. Etwa 40 Siedler aus Deutschland seien es damals gewesen. In Swakopmund, einer Stadt am Atlantik, kamen sie an. Hier fehlte es an einem richtigen Hafen. 1912 entstand ein hölzerner Pier, Swakopmund wurde damit zum Haupthafen des Protektorats Südwestafrika. Wie Großvater seinerzeit aufgeschrieben hatte, wohnte man unter primitivsten Bedingungen, in Wellblechbehausungen oder mit Brettern verschalten Höhlen.

Reinhold Schlinke, der sich mittlerweile zum Postbeamten hochgearbeitet hatte, kam nach ein paar Jahren wieder nach Deutschland zurück und heiratete hier. Doch Afrika hatte ihn irgendwie gefesselt. 1912 kamen er und seine Frau zurück. Diesmal nach Grootfontein ins Landesinnere. Drei Mädchen wurden geboren. Die älteste war Gisela Weisers Mutter, die spätere Hildegard Pfaff. Sie war gerade mal sechs Jahre alt, als die Familie 1919 nach Deutschland zurückkehrte, da die deutsche Kolonie aufgelöst und der Großteil der Schutztruppen abgezogen wurde. Der Traum für den Aufbau einer eigenen Farm war für die Schlinkes geplatzt.

Nun, nach mehr als 90 Jahren, machten sich Gisela Weiser und ihre beiden Töchter – 43 und 39 Jahre alt – auf die afrikanische Spur ihrer Ahnen. „Mit dem Auto allein durch Namibia zu fahren, das war uns doch zu abenteuerlich", sagt die Enkelin des einstigen Postbeamten in Deutsch-Südwestafrika. Und so schlossen sich die drei einer Reisegruppe an, die auf der Rundreise einige der wichtigen Stationen der Vorfahren im Programm hatte. Swakopmund zum Beispiel, wo die Familie auch vor der Rückreise nach Deutschland wieder gelebt hatte. „Wir bummelten durch die 20000-Einwohner-Stadt, sahen die gut erhalteten Kolonialhäuser und stärkten uns im Schweizer Haus Kaffee Anton. Wir stiegen auf den 1902 errichteten Aussichtsturm. Ob mein Großvater mit meiner Mutsch an der Hand auch hier oben war?", fragte sich Gisela Weiser. Als den dreien der Atlantik-Wind um die Nase wehte, fiel ihr ein, dass Mutter mal erzählt hatte, dass sie hier mit vier Jahren beim Baden fast ertrunken wäre. Im ehemaligen Kaiserlichen Hauptzollamt, heute Museum, gab es eine Postecke. Irgendwie und irgendwo war da auf einmal der Großvater präsent.

Vieles in Namibia erinnerte die Grimmaerin an die einstige deutsche Kolonialmacht. Doch ebenso vieles andere machte ihr und den Töchtern das Land liebenswert. Die geschickten Menschen im Damaradorf, die Hererofrauen in ihren viktorianischen Kleidern, die Himbas in ihren traditionellen Gewändern, die Völkergemeinschaft im Ovamboland… Der Panoramablick von der Ghaub-Farm, den wohl einst auch ihre Vorfahren genossen, versetzte die drei um hundert Jahre und zu ihren Wurzeln zurück.

Silke Hoffmann

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