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Grimma Grimmas Bibliothek muss den Gürtel enger schnallen
Region Grimma Grimmas Bibliothek muss den Gürtel enger schnallen
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00:22 15.02.2018
Die Stadtbibliothek Grimma hat ein umfangreiches Angebot an Belletristik, Fachliteratur, Zeitschriften, Kinderliteratur, Videos, CD's, MC's, CD-Rom`s, Hörbücher, DVD's und Comics, Spielen sowie zwei Internetarbeitsplätze. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma

Grimmas Johann-Gottfried-Seume-Bibliothek muss den Gürtel enger schnallen. Flossen ihr aus dem Topf der Kulturraum-Mittel 2014 noch 46 000 Euro zu, sind es in diesem Jahr fast 10 000 Euro weniger. „Das ist schon schmerzhaft“, sagt Bibliotheksleiterin Katrin Örtl. Damit habe sie auch weniger Geld für Einkäufe.

Eine Regel besagt, dass eine Bibliothek jährlich sieben Prozent ihres Bestandes austauschen soll. Die kommunale Einrichtung in der Friedrich-Oettler-Straße, zu der die Bibliothek Nerchau und die Ausleihstellen in Großbardau, Bahren, Dürrweitzschen sowie Großbothen gehören, nennt rund 57 000 Medien ihr eigen, und 9700 Medien sind aktuell über den Onleihe-Verbund Leipziger Raum abrufbar. Im vorigen Jahr kamen 4731 Bücher, CDs, DVDs oder Zeitschriften hinzu. Im Gegenzug trennte sich die Bücherei von 5000 Titeln. Das entspricht in etwa den sieben Prozent. „Man muss den Bestand aktuell halten“, weiß Örtl nur allzu gut. Vergilbte Schwarten nehme niemand aus dem Regal, „die Leser wollen das Neueste“.

Dabei muss die 52-jährige Diplom-Bibliothekarin mit ihrem fünfköpfigen Team und den vier Ehrenamtlichen der Ausleihstellen auf Zeitgeist und Publikumsgeschmack reagieren. „Zeitnah kaufen wir alles, was auf den ersten zehn Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste steht“, verrät Örtl. Sowohl im Bereich der Belletristik als auch beim Sachbuch. „Wir reagieren auch auf Wünsche und schauen, was auf den Markt kommt.“ Als kommunale Einrichtung erhält die Grimmaer Bibliothek zehn Prozent Rabatt beim Einkauf. Doch gerade DVDs und CDs seien sehr preisintensiv, sagt die Chefin. „Alle Wünsche können wir nicht erfüllen“, weiß sie mit Blick auf das schmalere Budget. Eine wichtige Bezugsquelle ist übrigens die Einkaufszentrale für Bibliotheken in Reutlingen. Die Literatur wird aber auch in ganz normalen Buchhandlungen erstanden.

Rund 110 000 Entleihungen und knapp 21 000 Besucher zählte Grimmas Bibliothek im vorigen Jahr. 1850 aktive Nutzer kommen regelmäßig zur Suche ins Haus, das auf drei Etagen und 400 Quadratmetern seine Medien großzügig präsentieren kann. Nicht wenige sind schon im Rentenalter – rund 400. Unter den bis Zwölfjährigen haben 350 Mädchen und Jungen einen Bibo-Ausweis in der Tasche. Gerade in der Leseförderung für Kinder und Jugendliche sieht Örtl eine der wichtigsten Aufgaben der Bibliothek. Das geht bei Vorschulkindern los, denn „Vorlesen ist auch Sprachförderung“, weiß die 52-Jährige, die in ihren Beruf verliebt ist.

Ein Großteil der 139 Veranstaltungen, die im vorigen Jahr im Haus über die Bühne gingen, wandten sich deshalb auch an Kinder. Örtl erinnert sich dabei noch gern an die zwei zentralen Projekte. Beim Schreibwettbewerb „Träume“ freuten sich die Organisatoren über 200 Einsendungen. Und bei der Veranstaltungsreihe „Ich bin ein Leseheld“ wurden gezielt Jungs der dritten und vierten Klasse eingebunden. Ein gefragter Dauerbrenner ist „...und montags wird vorgelesen“ – jeden ersten Tag in der Woche immer um 16.30 Uhr. Fünf bis 20 meist junge Zuhörer finden sich dabei laut Örtl ein.

Die Bibliothekschefin hegt übrigens einen Traum. Sie wünscht sich, dass unterm Dach ein Veranstaltungsraum entsteht. Derzeit müssen die Regale beiseite gerollt werden, wenn die Einrichtung zu Vorlesezeiten einlädt. Dabei halten Örtl und ihr Team auch im neuen Jahr an bewährte Formate fest. So werden regelmäßig die Kita-Vorschulkinder zu „Pippilothek?“ eingeladen. Mit dem lustigen und neugierig machende Bilderbuchkino werden die Steppkes in die Bibliothek eingeführt. Die Bücherei beteiligt sich auch wieder am Vorlesewettbewerb des Loewe-Verlages. Erneut werden Grimmas Leselöwen der zweiten bis vierten Klassen gesucht. Die Leiterin verfolgt noch ein weiteres Ziel, um Kinder an die Einrichtung zu binden. Sie möchte jeden Zweitklässler aus der Kernstadt wenigstens einmal zwischen die Regale holen und für Literatur interessieren. Dazu werden für die 2. Klassen Führungen anberaumt. Auch eine neue Veranstaltungsreihe rückt ins Blickfeld. Örtl will für Kita-Kinder und Grundschüler Autoren einladen, die in ihren Büchern dem Wortspiel Bedeutung beimessen. Es wäre eine neue Seite, die in der Einrichtung aufgeschlagen wird.

Von Frank Prenzel

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