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Grimmas Eisvögel sammeln tonnenweise Müll an Angelgewässern ein

Umweltaktion Grimmas Eisvögel sammeln tonnenweise Müll an Angelgewässern ein

Uwe Rosner, Chef des Angelvereins Eisvögel Grimma, kann ein Lied über illegale Müllentsorgung singen. Seine Mitglieder haben in den 15 Jahren, seit der Verein besteht, wohl an die acht bis neun Tonnen Müll an ihren Betreuungsgewässern eingesammelt. Sogar Kühlschränke, Fernseher und Altreifen ziehen sie ins Freie.

Uwe Rosner vor der Mulde. Auch einen Teil des Flusses betreut sein Angelverein Eisvögel Grimma.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. „Wir haben in den 15 Jahren bestimmt schon acht bis neun Tonnen Müll eingesammelt“, schimpft Uwe Rosner. Der 56-Jährige ist Vorsitzender des 2002 gegründeten Angelvereins Eisvögel Grimma und kann nur mit dem Kopf schütteln, was einige Leute an und auch in die Gewässer schmeißen. Sein Verein, der im vorigen Jahr den Münchteich abgab, betreut derzeit mit der Lache Rothersdorf, dem Steinbruch Neues Tausend bei Beiersdorf und dem Harthteich gegenüber dem Ruhmberg drei Angelseen. Und neben dem Vergnügen, den einen oder anderen zappelnden Fisch aus dem Wasser zu ziehen und die Ruhe in schöner Natur zu genießen, haben die Angler auch die Pflicht zur Gewässerpflege.

Allerdings machen es ihnen einige Zeitgenossen nicht gerade leicht. Regelmäßig werde Hausmüll abgeladen, weiß Rosner. Doch auch ausrangierte Großgeräte landen in grüner Umgebung. „Kühlschränke, Öfen, Altreifen, Fernseher – wir finden alles“, ärgert sich der Eisvögel-Chef. Auch aus dem Wasser müssten Gegenstände geholt werden. Einmal habe einer einfach zehn blaue Säcke voller Äpfel illegal entsorgt. Rosner ist klar, diese Umweltsünder wollen sich die Entsorgungskosten sparen – letztlich muss dafür der Steuerzahler aufkommen. Der Angelverein arbeitet bei seinen Säuberungsaktionen mit dem Umweltamt des Landkreises zusammen, das den von den Petrijüngern eingesammelten Müll abholen lässt. Besonders schlimm sei es am Neuen Tausend, erzählt Rosner, der auch Kreisobmann der zwölf Fischereiaufseher im Muldental ist. Und er weiß, dass die anderen Angelvereine mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.

Verein mit 175 Mitgliedern

Mit etwa 35 Mitgliedern startete der Angelverein Eisvögel Grimma vor 15 Jahren, als er aus einer Trebsener Gruppe heraus ins Leben gerufen wurde. Heute zählt er 175 Mitglieder. Und Vereinschef Uwe Rosner ist besonders stolz über die 30-köpfige Kinder- und Jugendgruppe der Sechs- bis 15-Jährigen. Die gibt es seit fünf Jahren. Ein Erfolgsrezept für das jugendliche Interesse sei das jährliche Schnupperangeln an seiner Nimbschener Lache, ist Rosner überzeugt. Zuletzt haben 30 Kinder ihre Angel ins Wasser gehalten und sich auch über Roster und Urkunde gefreut. Der Verein lege aber Wert auf ein breitgefächertes Angebot für die Nachwuchs-Petrijünger. Sie können basteln und drechseln, sich mit Naturkunde beschäftigen und werden zu Ausflügen eingeladen. Im Mai dieses Jahres ging es zur Forellenzucht nach Niemegk. Und beim Angeln in einem dortigen Teich war garantiert, dass ein Fisch anbeißt. 40 Kinder und zehn Erwachsene ließen sich laut Rosner die Tour nicht entgehen. „Wir investieren in die Kinder“, betont der Vereinschef.

Eisvögel seien die besten Fischer, nennt Rosner den Grund für den für Angler ungewöhnlichen Vereinsnamen. Und die Eisvögel gehen auch wieder an der Mulde auf Jagd. Allerdings hat der aufstrebende Verein kein eigenes Domizil. Für seine Veranstaltungen mietet er sich den Eventraum der einstigen Handschuhfabrik am Oberwerder. Das kostet aber auch Geld. „Wir wären froh, wenn uns die Stadt etwas zum Ausbau anbieten würde“, meint der Vorsitzende. Der Verein trage sich zu 90 Prozent aus den Mitgliedsbeiträgen. Sponsoren habe er nur wenige.

Unter den erwachsenen Mitgliedern stehen die meisten in Lohn und Brot. Wie Rosner, der seit 40 Jahren seinem Hobby frönt, schätzen sie nach hektischen Berufsstunden beim Angeln die Ruhe und Erholung in der Natur.

Laut Statut des Deutschen Anglerverbandes hat jeder Angelverein Aufbaustunden zu leisten. Rosners Truppe nutzt für die Arbeitseinsätze vorwiegend das zeitige Frühjahr, manchmal auch noch den Herbst. Beim Müll müssen die Angler aber das ganze Jahr hinterher sein. Für das Neue Tausend habe er sogar eine Eingreiftruppe, erzählt der Vereinschef. Und: Jeder Angler, der fischen geht, hat seinen Platz sauber zu verlassen und auch den Unrat anderer mitzunehmen. „Das ist seine Pflicht“, bekräftigt der 56-Jährige.

Der mit 175 Köpfen mitgliederstärkste Angelverein in Grimma will künftig bei der Gewässerpflege gemeinsame Sache mit den anderen beiden Angelvereinen der Muldestadt machen – dem ASV MAG und dem ASV Muldeperle. „Wir sind einig geworden, die Gewässer zusammen zu betreuen“, so Rosner. Denn sein Verein habe noch Potenzial, Pflegearbeiten zu übernehmen. Dazu gehören auch die Wege. Am Harthteich etwa sei jetzt der Zufahrtsweg zu befestigen.

Der AV Eisvögel ist seit 2002 zudem für den Abschnitt der Mulde zwischen Großmühle und Bahren zuständig. Hier fällt laut Rosner ungleich weniger Müll an, wohl auch, weil die Leute in weiten Teilen gar nicht ans Ufer herankommen. Selbst für die Petrijünger ist das schwer. „Feldwege dürfen wir nicht befahren“, gibt Rosner zu verstehen. Höchstens ein- bis zweimal im Jahr komme der Verein in Teilbereichen der zwei Muldeufer zum Einsatz. Bei Verunreinigungen werde er als Betreuungsverein angesprochen, mit zuzupacken. Das ist zum Beispiel nach einem Hochwasser so, wenn der vom Wasser mitgespülte Unrat im Uferbereich hängen bleibt.

Von Frank Prenzel

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