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Grimma Grimmas Feuerwehr zählt deutlichen Anstieg der Einsätze
Region Grimma Grimmas Feuerwehr zählt deutlichen Anstieg der Einsätze
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18:06 14.01.2019
Hielt die Grimmaer Feuerwehrleute im vorigen Jahr in Atem: Der Strohballen-Brand bei Pöhsig. Quelle: Frank Schmidt
Grimma

143 – 207 – 255. Hinter diesen drei Zahlen verbirgt sich keine Kombination für einen Safe, sie benennen vielmehr die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Grimma in den Jahren 2016 bis 2018. Laut Wehrleiter Michael Grimm waren die 207 Alarmierungen in 2017 schon viel, doch das wurde im vorigen Jahr „noch getoppt“. Für die 68 aktiven Feuerwehrleute bedeutete dies vor allem eines: eine höhere Belastung.

Friedricke verursacht 42 Einsätze

Es war ein turbulentes Jahr für die Kameraden aus der Straße des Friedens, das im wahrsten Sinne des Wortes stürmisch begann. Das Orkantief Friedericke zwang die Grimmaer am 18. und 19. Januar allein zu 42 Einsätzen. Da ging es Schlag auf Schlag. Meist waren schadhafte Dächer zu sichern oder umgepustete Bäume aus dem Weg zu räumen. In Grimma-West etwa hatte es bewohnte Häuser abgedeckt und die Ziegel auf den Fußweg geschleudert. „Wir beseitigten lose Ziegel, demontierten lose Bleche und sperrten die Bereiche ab“, erläutert der 45-jährige Wehrleiter. Mit Mann und Maus arbeiteten die Grimmaer Kameraden die Aufträge ab und steuerten von ihrem Einsatzleitwagen die Feuerwehren im Gemeindegebiet.

Im Februar stand eine Tischlerei in Kuckeland in Flammen. Quelle: Haig Latchinian

Zahl der Brände nahezu verdoppelt

Die Zahl der Brände verdoppelte sich fast im Vergleich zum Jahr 2017. Neben rund 50 kleinen und mittleren Feuern hielten vor allem acht Großbrände Grimmas Floriansjünger in Atem. Am 23. Februar stand eine Tischlerei in Kuckeland in Flammen und band mehrere Wehren.

Am Tag der Deutschen Einheit gingen in den Abendstunden in Pöhsig 170 Strohballen in Flammen auf. Quelle: Frank Schmidt

Am 17. Juli brannten bei Fremdiswalde 40 Hektar Getreide ab. Am 3. Oktober loderte bei Pöhsig ein riesiger Berg Strohballen. Über 50 Kameraden aus dem Raum Mutzschen, Nerchau und Grimma waren bist in die tiefe Nacht hinein mit den Löscharbeiten beschäftigt.

Wehrleiter Grimm erinnert auch an den Wohnungsbrand am 25. September in der Grimmaer Kreuzstraße, als sein Trupp fälschlicher Weise in die Grenzstraße beordert wurde. „Zum Glück waren wir noch rechtzeitig am richtigen Einsatzort.“

Die Feuerwehr rückt im September zum Wohnungsbrand in der Kreuzstraße an. Quelle: Frank Schmidt

Ernsthafte Verletzungen gab es beim vorjährigen Brandgeschehen nicht. „Das ist auch unserer guten Technik und dem gut ausgebildeten Feuerwehrleuten zu verdanken“, bricht Grimm eine Lanze für seine Truppe, die im Mai mit der neuen Drehleiter ein weiteres Hightech-Fahrzeug in Empfang nahm und sich darüber riesig freute. „Damit sind wir wieder auf dem Stand der Technik“, so Grimm.

Psychische Belastung

Ein sattes Plus gab es auch bei den technischen Hilfeleistungen. 170 Ereignisse stehen im Einsatzbuch und damit 25 mehr als ein Jahr zuvor. Spuren in den Köpfen der Einsatzkräfte hinterließen vor allem zwei tragische Verkehrsunfälle.

Am 10. Juni starb auf der Umgehungsstraße eine 18-Jährige aus Grimma. „So etwas geht an die Substanz“, weiß der Feuerwehrchef. „Wenn es eine Person nicht schafft, dann ist das für die Kameraden eine psychische Belastung, die auch verarbeitet werden muss.“ Gespräche nach solchen Einsätzen im Gerätehaus helfen ebenso wie die Möglichkeit, den Seelsorger zu rufen.

Michael Grimm, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Grimma. Quelle: Frank Prenzel

Am 25. November hatte es einen 31-jährigen Leipziger auf der Autobahn aus seinem Pkw geschleudert. Der Mann wurde in den dunklen Morgenstunden von mehreren Fahrzeugen bis zur Unkenntlichkeit überrollt, was auch Grimmas Kameraden beobachten mussten. „Nur ein Pkw hielt an, sonst keiner“, schüttelt Wehrleiter Grimm den Kopf und spricht von Rücksichtslosigkeit.

Der PKW war in Richtung Leipzig/Magdeburg unterwegs, als er knapp tausend Meter vor der Muldebrücke ins Schlingern geriet und nach rechts von der Fahrbahn abkam. Quelle: Frank Schmidt

16 Verkehrsunfälle

Alles in allem rückten die Grimmaer zu 16 Verkehrsunfällen aus, um technische Hilfe zu leisten. Und 24-mal schrillte der Alarm, um Ölspuren zu beseitigen. Zunehmend werden die Feuerwehrleute auch gerufen, um Türen zu öffnen oder Menschen zu tragen. „Oftmals hätte der Sozial- oder Schlüsseldienst gereicht, aber das kann die Leitstelle halt nicht einschätzen“, so Grimm.

Meist sind es gestürzte Personen, die hilflos hinter einer verschlossenen Tür liegen. Im letzten Jahr hatten es die Kameraden aber auch mit einer jungen Frau mit epileptischem Anfall zu tun. Einmal hatte sich eine Frau ausgesperrt, und ihr Kind war allein in der Wohnung.

18-mal marschierte die Grimmaer Feuerwehr zu Türöffnungen los, in acht Fällen leistete sie Tragehilfe. „Das ist eigentlich Aufgabe des Rettungsdienstes“, weiß Grimm. Mit der Schleifkorbtrage und der Drehleiter sind die Floriansjünger der Muldestadt aber gut gerüstet, um zum Beispiel übergewichtige Personen aus der Wohnung zu holen.

Zahl der Einsätze steigt

Grimm fällt auf, dass die Einsatzzahlen seit Inbetriebnahme der neuen Rettungsleitstelle in Leipzig vor eineinhalb Jahren steigen. Die Feuerwehr werde jetzt schneller alarmiert als zuvor, „weil die nach einen gewissen Schema arbeiten“. Nach anfänglichen Problemen habe sich inzwischen aber alles eingespielt, und das Verständnis füreinander sei besser geworden. Grimmas Wehrleiter sieht aber noch einen anderen Grund für das Einsatz-Plus: „Die Leute wählen schnell mal den Notruf, selbst wenn das nicht nötig ist.“

Von Frank Prenzel

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