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Grimmas Stadtchef übt harsche Kritik an privatem Bahnbetreiber

Schienenersatzverkehr und Lärmbelästigung Grimmas Stadtchef übt harsche Kritik an privatem Bahnbetreiber

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger ist dafür bekannt, dass er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und sie durchaus pointiert zu äußern weiß. Im Zusammenhang mit den zunehmenden Beschwerden über den neuen Betreiber der Bahnstrecke Leipzig-Grimma-Döbeln hat er diesbezüglich einen erneuten Beweis erbracht.

Seit dem Sommer fährt die Mitteldeutsche Regiobahn Grimma an. Die Probleme häuften sich, weshalb jetzt ein Krisentreffen anberaumt wurde.

Quelle: Roger Dietze

Grimma. Grimmas Oberbürgermeister (OBM) Matthias Berger (parteilos) ist dafür bekannt, dass er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und sie durchaus pointiert zu äußern weiß. Im Zusammenhang mit den zunehmenden Beschwerden über den neuen Betreiber der Bahnstrecke Leipzig-Grimma-Döbeln, die Transdev Regio Ost GmbH, hat das Stadtoberhaupt diesbezüglich einen erneuten Beweis erbracht. Berger zufolge hat der Verlust an Qualität auf selbiger Bahnverbindung seit dem Betreiberwechsel am 12. Juni zu Verhältnissen geführt, die sich denen „der indischen Eisenbahn Neu Dehli annähern“.

Ganz konkret geht es um Beschwerden von Fahrgästen und Anwohnern an die Mitteldeutsche Regionalbahn, die sich um die Themen Unzuverlässigkeit, Reinigungszustand der Züge, Totalausfälle mit Schienenersatzverkehr sowie nächtliche Lärmbelästigung durch abgestellte Züge mit laufendem Motor drehen. So erreichte die Stadtverwaltung das Schreiben eines nahe des Bahnhofes wohnenden Bürgers, der darin Klage darüber führt, dass Züge am oberen Bahnhof auf der freien Fläche hinter dem Supermarkt-Parkplatz mit laufenden Motoren für mehrere Stunden abgestellt würden. Auf seine Anfrage habe er vom Zugführer die Antwort erhalten, dass dieser Zug wohl Probleme mit der Batterieladung hätte.

Probleme hat die Transdev Regio Ost GmbH jedoch ganz offensichtlich nicht nur mit der Technik, sondern auch mit der Taktung ihrer Züge. Hanno-Erdmann Tietz aus Borsdorf informierte die LVZ darüber, dass sich die Zustände seiner Einschätzung nach in jüngster Zeit derart verschlimmert hätten, dass aufgrund fehlenden Platzangebots Fahrgäste nur noch mit Mühe einsteigen könnten. „Am 20. Oktober sind Fahrgäste in Engelsdorf überhaupt nicht mehr in den Zug gekommen, und erst zwischen Grimma und Döbeln normalisierte sich die Lage wieder“, so Tietz, dem zudem häufige Zugausfälle aufgefallen sind. „In Gesprächen mit anderen Reisenden wurden meine Eindrücke bestätigt“, so der Borsdorfer Bahnnutzer.

Berger kritisiert in diesem Zusammenhang, dass weder die vom Zweckverband für den Nahverkehr Leipzig (ZVNL) noch die von der von ihm beauftragten Firma Transdev Regio Ost GmbH in Aussicht gestellten Qualitätsverbesserungen eingetreten seien, ja dass vielmehr das Gegenteil der Fall wäre. „Das Maß ist voll, und die Bedingungen sind nicht mehr hinnehmbar“, so der Oberbürgermeister. Er habe sich deshalb an den Geschäftsführer des für die Beauftragung und Kontrolle verantwortlichen ZVNL, Oliver Mietzsch, gewandt, damit dieser die Firma Transdev Regio Ost GmbH an ihre vertraglichen Verpflichtungen erinnern möge. Daraufhin sei ein Spitzengespräch unter Beteiligung des ZVNL, der Transdev Regio Ost GmbH sowie der Stadt für November in Aussicht gestellt worden.

In diesem, so teilte die Pressestelle der Mitteldeutschen Regiobahn / Transdev Regio Ost GmbH auf LVZ-Anfrage mit, sollen unter anderem die genauen Ursachen für den nicht zuverlässigen Einsatz der Fahrzeuge mit den entsprechenden Folgeerscheinungen wie Überfüllung und Unpünktlichkeit analysiert werden. Zunächst jedoch müssten mit dem Fahrzeug-Dienstleister auf Fachebene die Gründe für den nicht zuverlässigen Einsatz der Fahrzeuge ausfindig gemacht werden.

Positives kann die Pressestelle immerhin die Themen Reinigungszustand und Zugabstellung betreffend berichten. Hinsichtlich des ersten Punktes habe man mit DB Services unter anderem neue Reinigungszeitfenster definieren können, Ursache für Punkt zwei sei ein fehlerhafter Elektrant von DB Netze gewesen, der bereits seit Ende September wieder funktionstüchtig sei.

Da am vergangenen Wochenende ein weiteres Ersatzfahrzeug in den Umlauf genommen worden ist, reduziere sich seit Wochenbeginn der notwendige Schienenersatzverkehr auf einen Zugumlauf, der nicht mit einem Talent bedient werden könne. Dies bedeute, dass über den Tag hinweg zwei Busse zum Einsatz kommen, die jeweils von Leipzig über Grimma nach Döbeln und zurück den Zug ersetzen.

Von Roger Dietze

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