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Grimma Grimmas Seume-Verein feiert 20. Geburtstag
Region Grimma Grimmas Seume-Verein feiert 20. Geburtstag
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12:01 27.11.2018
Die Vergabe des Seume-Literaturpreises gehört zu den Schwerpunkten des Grimmaer Seume-Vereins „Arethusa“, der jetzt seinen 20. Geburtstag feiert. Jan Decker (Mitte) hat ihn 2017 erhalten. Links neben ihm: Vereinschef Lutz Simmler. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Mit einem Festakt feiert der in Grimma beheimatete Internationale Johann-Gottfried-Seume-Verein „Arethusa“ am Sonnabend, dem 1. Dezember, sein 20-jähriges Bestehen. Lutz Simmler, der dem Verein seit 2014 vorsteht, wird in seiner Festrede zurückblicken und einen Ausblick wagen. Er stellt seine Worte unter ein Zitat des Dichters, der von 1763 bis 1810 lebte und durch seinen Spaziergang von Grimma nach Syrakus weltberühmt wurde: „Es würde alles viel besser gehen, wenn man mehr ginge.“

Mit dem Fahrrad von Grimma nach Syrakus

Simmler verschlang schon zu DDR-Zeiten Seumes „Spaziergang nach Syrakus“ und lebte den Traum, diesen Weg eines Tages selbst unter die Füße zu nehmen. Diesen Wunsch erfüllte er sich 2002, als er in Grimma mit dem Fahrrad nach Syrakus aufbrach. Simmler gehörte damit zu jenen, die am 1. April 2002 und damit auf den Tag die Ankunft Seumes an der Arethusa-Quelle 200 Jahre zuvor würdigten. Den Mitgliedern des jungen Seume-Vereins aus Grimma war es ein Herzenswunsch, das Jubiläum am Originalschauplatz zu begehen.

Lutz Simmler. Quelle: privat

Dieses hehre Ziel sei ebenso Auslöser für die Vereinsgründung 1998 gewesen wie die Unterstützung des Göschenhauses in Grimma-Hohnstädt, erläutert der 61-jährige Vorsitzende. Der Verleger Georg Joachim Göschen (1752-1828) verlegte 1797 seine Druckerei von Leipzig nach Grimma und erwarb in jener Zeit in Hohnstädt ein Landgut. In dem heutigen Museum wird dem Herausgeber ebenso gedacht wie dem Dichter, der in Grimma eine Zeit lang als Korrektor tätig war.

Verantwortung für das Göschenhaus

Bald nach seiner Gründung übernahm der Verein Verantwortung für das Göschenhaus und beschäftigte Personal sowie vom Jobcenter geförderte Mitarbeiter, um den Betrieb des Museums und die Pflege des Gartens zu unterstützen. Das ging so bis 2014, als die Stadt Grimma als Eigentümer des idyllischen Anwesens das Personal wieder in eigene Hände nahm. Geblieben ist die ehrenamtliche Vereinshilfe etwa bei Museumsfesten oder das finanzielle Engagement beim Restaurieren von Museumsstücken.

Annett Höhne langjährige Vorsitzende

Annett Höhne, langjährige Chefin des Göschenhauses und heute in der Stadtbibliothek tätig, stand 16 Jahre an der Spitze des Arethusa-Vereins. „Sie hat das mit Liebe und Leidenschaft gemacht und den Karren viele Jahre gezogen“, verneigt sich ihr Nachfolger Lutz Simmler vor der Leistung. Es war auch jene Zeit, als der Verein im Seume-Haus am Markt, der einstigen Göschen-Druckerei, Veranstaltungen anbot und Schülern das Handwerk der Drucker nahebrachte. Als die Kommune vor zwei Jahren die Mietzuschüsse strich, musste der Verein hier die Segel streichen. Nach 14 Jahren.

Bereits neun Literaturpreisträger

Wichtig war den Vereinsgründern der 200. Jahrestag des Spaziergangs. „Wir sind aber kein Wanderverein“, bekräftigt Simmler. Schon 2001 habe der Verein erstmals den Seume-Literaturpreis vergeben. Mittlerweile gibt es neun Preisträger der mit 3000 Euro dotierten Ehrung. Mit dem Preis soll Seumes literarisches Schaffen ins Bewusstsein gerückt werden. Doch es geht auch um die Reflexion des Heute. Der Dichter hatte einen kritischen Blick auf die Wirklichkeit und habe „deutliche Worte für soziale Missstände“ gefunden, verdeutlicht Simmler.

Arethusa – Seumes Ziel in Syrakus

Die Quelle ist das Ziel: „Arethusa“ ist der Name einer Quelle im Hafenviertel von Syrakus. Sie war das Ziel von Johann Gottfried Seumes weltberühmtem „Spaziergang nach Syrakus“, der am 6. Dezember 1801 in Grimma begann. Er führte den Schriftsteller 1802 nach Sizilien. Der unbestechliche Demokrat wurde damit zu einem legendären Fußreisenden. Sein Grundsatz war das individuelle Reisen aus eigener Kraft, einer neuen und bewusst reflektierten alternativen Art der Kulturerfahrung. Zugleich setzte er sich in seinen Reiseberichten, im Gegensatz zu den meisten traditionellen Darstellungen der zeitgenössischen Bildungsreisenden, engagiert und kritisch mit den kulturellen, sozialen und politischen Verhältnissen der bereisten Länder auseinander.

Fusion mit Leipziger Gesellschaft geplant

Nach 20 Jahren steht der Arethusa-Verein mit seinen derzeit 32 Mitgliedern vor einer Zäsur. Vermutlich im Frühjahr soll es zum Zusammenschluss mit der 1999 gegründeten Johann-Gottfried-Seume-Gesellschaft zu Leipzig (25 Mitglieder) kommen. Der Sitz wird Grimma sein. „Die Gesellschaft kam auf uns zu und brachte den Gedanken zur Diskussion“, erläutert Simmler. Mittlerweile arbeite eine AG an einer Satzung und bereite die Fusion vor. „Kräfte zu bündeln, halte ich für sehr wichtig“, betont der Hohnstädter. Dabei gehe es weiterhin darum, Seumes Erbe bekannt zu machen und das Göschenhaus zu unterstützen.

Der dann gewachsene Verein will sich einer weiteren Herausforderung stellen. Es gebe Überlegungen, sagt Simmler, den Weg, den Seume 1802 ging, als Ganzes in den Blick zu nehmen. Um ihn als europäischen Weg abzubilden, wollen die Grimmaer eventuell mit anderen Städten auf der Route Kontakt aufnehmen und streben eine Vernetzung an. „Darüber debattieren wir im Frühjahr“, so der Vereinschef.

Festakt und ganz viel Seume

Auch darauf wird Simmler wohl eingehen, wenn am Sonnabend ab 14 Uhr im Haus Seume des Grimmaer Gymnasiums der 20. Vereinsgeburtstag gefeiert wird. Ein weiterer Festredner ist der Schriftsteller und Uni-Professor Georg Meyer-Thurow von der Leipziger Seume-Gesellschaft. Er will die „liebevolle Personenbeschreibung“ von Henry Crabb Robinson über Seume in dessen Grimmaer Jahr 1801 ins recht Licht rücken. Zudem warten Seume-Literaturpreisträger mit Grußworten auf. „Wir schätzen uns glücklich, den Knauthainer Kirchenchor bei uns zu haben“, geht der Vereinsvorsitzende auf den musikalischen Part ein. Die Sänger bringen Gedichte Seumes zu Gehör, die von Chorleiterin Margot Sander vertont wurden.

Von Frank Prenzel

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