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Grimma Grimmas Stadtwerke-Chef geht nach Teterow
Region Grimma Grimmas Stadtwerke-Chef geht nach Teterow
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00:33 18.03.2018
Hagen Böhme wird nicht mehr lange hinter diesem Fenster arbeiten. Quelle: Klaus Peschel
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Grimma

Statt der Mulde liegt die Mecklenburgische Seenplatte vor der Tür. Statt drei sind 80 Mitarbeiter zu führen. Statt des technischen Vertriebs steht das Erschließen zukunftsträchtiger Geschäftsfelder im Mittelpunkt der Arbeit. – Hagen Böhme (36) kehrt den Stadtwerken Grimma den Rücken und lenkt ab 1. August die Geschicke der kommunalen Stadtwerke Teterow. Als er Aufsichtsrat und Gesellschafter in Grimma in Kenntnis setzte, seinen Vertrag nach den fünf Jahren nicht zu verlängern, hatte er die Stelle in der Kleinstadt am Rande des Landkreises Rostock bereits in der Tasche. An der Mulde sieht sich der 36-Jährige nicht am Ziel seiner beruflichen Vorstellungen. Man habe sich einvernehmlich getrennt, heißt es von beiden Seiten.

Als Böhme 2013 mit seiner Familie aus dem schweizerischen Gossau zurück nach Sachsen kehrte, übernahm er in Grimma die Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes. „Ich fand es extrem spannend, mal etwas Neues aufzubauen, so der Familienvater, der in Weinböhla aufwuchs, in Konstanz Anlagenmechaniker lernte und von da an stets bei Energieversorgern sein Brot verdiente. Böhme brachte als Geschäftsführer die Stadtwerke Grimma GmbH zum Laufen und etablierte die zwei Tochtergesellschaften, wobei die Energie GmbH im vorigen Jahr wieder aufgelöst und der Mutterfirma einverleibt wurde. Die Stadtwerke sieht er auf einem guten Weg. Doch einige Erwartungen, die der 36-Jährige an seine Aufgabe an der Mulde stellte, haben sich so nicht erfüllt und sind ein Grund, warum er Grimma nun adé sagt.

Die Kommune hatte im Zuge der Stadtwerke-Gründung zwei Beratungsfirmen engagiert. Deren Planzahlen „haben wir nicht zu 100 Prozent umsetzen können“, gibt Böhme etwas nebulös zu verstehen. Konkret meint er, dass der junge Energielieferant nicht so viel Geld verdient(e), wie man es dargestellt hatte – mit allen Konsequenzen. „Wenn weniger Mittel da sind als ursprünglich geplant, kann man große Projekte nicht angehen“, erklärt Böhme.

So wurde das Ziel verfehlt, Strom- und Gasnetze ab 2015 selbst zu bewirtschaften. Die kleine Firma kann es sich auch nicht leisten, etwa beim Breitband-Ausbau einzusteigen oder bei der Fernwärme Quartierslösungen aufzubauen. Dazu fehlt ihr das Kapital. Die fehlende Ertragskraft führe zum „mühseligen, langsamen Fortbewegen“, bringt es der Fachmann auf den Punkt. Vom angedachten Szenario „sind wir ein ganzes Stück weg“. Ihm sei es auch wichtig, Mitarbeiter zu führen. Doch die Vorstellung, dass die Stadtwerke rasch auf 20 bis 30 Beschäftige anwachsen, erwies sich als Trugschluss. Mit Böhme sind hier derzeit vier Angestellte tätig.

Doch das ist nicht der hauptsächliche Grund, der Böhme wegtreibt. Die Stadtwerke Grimma seien im Strom- und Erdgasvertrieb erfolgreich aufgebaut und steuerten auf den 2000. Kunden zu. Und mit dem Wärme-Contracting und dem Mieterstrom seien zwei neue Geschäftsfelder erschlossen worden, die es nun zu vermarkten gilt. „Das aber ist für mich der klassische technische Vertrieb und nicht das, wofür ich hergekommen bin“, gibt Böhme offen zu. Das sei für ihn kein Job bis zur Rente, er sehe sich vielmehr als Kaufmann und strategischer Entwickler.

87 Bewerber

Um den frei werdenden Geschäftsführer-Posten bei der Stadtwerke Grimma GmbH bewerben sich 87 Personen. Die Ausschreibung der Stelle lief bis zum 28. Februar. Eine reichliche Woche darauf sichtete der Aufsichtsrat des kommunalen Unternehmens gemeinsam mit Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) als Vertreter des Gesellschafters den Bewerbungsstapel.

Ein Großteil der Bewerber erfülle die formulierten Anforderungen nicht, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Jörg Dossin auf LVZ-Anfrage. Vom Ergebnis der Ausschreibung sei man aber keinesfalls enttäuscht. Es seien zehn Personen in die engere Wahl genommen worden, die „weitgehend den Kriterien des Bewerbungsprofils entsprechen“, informierte Dossin, der im Stadtrat die Fraktion der Bürger für Grimma anführt. Unter den Bewerbern befänden sich Fachleute, die bereits Erfahrungen in anderen Stadtwerken sammelten. „Wir sind optimistisch, jemanden zu finden.“

Die Aspiranten sind in halb Deutschland zu Hause. Von Rostock bis Saarbrücken reichen die Adresse auf den Bewerbungsschreiben. Aus der Muldentaler Region haben laut Dossin nur wenige Leute den Hut in den Ring geworden.

Die Top-Zehn-Kandidaten werden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, die bis Ende April abgeschlossen sein sollen. Nach der Entscheidung im Aufsichtsrat soll der mögliche Nachfolger von Hagen Böhme in den Gremien und im Stadtrat vorgestellt werden. Das letzte Worte hat der Stadtrat. Laut Dossin wäre eine Einstellung ein bis zwei Monate vor Böhmes Ausscheiden ideal, um eine Einarbeitung zu gewährleisten.

„Ich verlasse Grimma mit einem guten Gewissen“, blickt Böhme auf die fünf Jahre zurück. Den Stadtwerken bescheinigt er eine gute Zukunft. Der 36-Jährige glaubt, dass der kommunale Energielieferant in zwei bis drei Jahren zum Grundversorger aufsteigt und wohl in einem Jahrzehnt zehn bis 15 Mitarbeiter zählen kann. „Wir bieten einen guten Kundenservice vor Ort und gute Preise“, das zahle sich aus.

Hagen Böhme lässt nun mit seiner Frau und den drei Kindern – fünf, sechs und neun Jahre alt – seine Wahlheimat Großsteinberg hinter sich und zieht in die Nähe der Küste. Bei den Stadtwerken Teterow hat er knapp 80 Leute unter sich, soll sich um den Kundenbestand kümmern und neue Geschäftsfelder entwickeln. „Es ist ein größeres Unternehmen und hat wesentlich mehr liquide Mittel, um Projekte anzuschieben.“ Ein Zustand, der ihm entgegen kommt.

Von Frank Prenzel

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