Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Grimmas Wochenmarkt krankt an vielen Ursachen
Region Grimma Grimmas Wochenmarkt krankt an vielen Ursachen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:23 11.02.2019
Gärtner Peter Lindner aus Grimma-Hohnstädt (re.) zählt zu den wenigen Händlern, die dem Grimmaer Wochenmarkt auch im Winter die Treue halten. Die Umsätze sind dennoch bescheiden. Nun hofft der Blumenverkäufer auf bessere Geschäfte zum bevorstehenden Valentinstag. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Eine Augenweide ist Grimmas Wochenmarkt, der jeden Donnerstag von 8 bis 13 Uhr am Fuße des Rathauses abgehalten wird, eher nicht. Seit Mai 2017 liegt er in den Händen der Deutschen Marktgilde, deren Mitarbeiterin Katrin Schiel jetzt im Grimmaer Beirat für Kultur, Jugend und Sport über den Stand der Dinge informierte. Dabei schüttete sie ein Füllhorn an Problemen aus, warum in Städten wie Grimma der Wochenmarkt eher wenige Händler und Kunden zieht.

Nach acht Monaten vom Dienstag verabschiedet

Nach nur acht Monaten hatte die Marktgilde in Grimma eine erste Reißleine gezogen und sich aufgrund des geringen Zuspruchs vom Dienstag verabschiedet. Seit vorigem Jahr lädt der Wochenmarkt nur noch am Donnerstagvormittag zum Schauen und Kaufen ein. „Die Einnahmen durch die Standmieten waren in dem reichlich halben Jahr 2017 geringfügig höher als im gesamten Jahr 2018“, führte Schiel den weiteren Abwärtstrend vor Augen. „Das regt natürlich zum Nachdenken an“, so Schiel. Es liege aber nicht an Grimma und auch nicht an Sachsen oder am Osten. „Wir haben seit einiger Zeit bundesweit eine Entwicklung nach unten.“

Händler leiden unter Personalmangel und Nachfolge

Die Ursachen sind vielschichtig. Händler leiden wie andere Branchen unter Personalmangel und finden keine Nachfolger. Schiel spricht von einer Überalterung der Händlerschaft, doch kaum einer wolle den Job den eigenen Kindern zumuten. „Es ist ein sehr schwerer Beruf“, so die Marktgilde-Frau. In die Lücke stoßen ausländische Händler, die aber Waren feilbieten, die viele einheimische Kunden wenig interessieren. Schiel nannte als Beispiel Textilien oder Gürtel und Geldbörsen aus dem Großhandel.

Es fehlt die junge Kundschaft auf dem Wochenmarkt

Die Kunden der Wochenmärkte reihen sich gut ein ins Alter der gestandenen Händler. „Uns fehlt die junge Kundschaft“, beklagt Schiel. Es kämen jene Leute, die kaum noch in große Läden oder in die Großstadt fahren können. „Die Attraktivität des Wochenmarktes hebt das nicht“, weiß die Fachfrau. Doch die Händler seien auch nicht dazu zu bewegen, den Markt auf den Nachmittag oder frühen Abend zu verlegen, wenn Berufstätige nach Hause kommen. Sie wollten die Frischeprodukte vormittags verkaufen.

Mindestlohn und Online-Handel sind auch ein Thema

Auch der Mindestlohn ist ein Thema. Personal, das der Händler einstellt, ist laut Schiel deshalb meist in Teilzeit beschäftigt. Ein Wochenmarkt von 8 bis 17 Uhr – wie viele Jahre nach der Wende üblich – sei auch deshalb heute kaum noch möglich. Die Frische-Theken in den Supermärkten führte Schiel ebenso ins Feld wie den wachsenden Online-Handel mit seinem Haustür-Service – alles Gründe, die das Krankheitsbild der Wochenmärkte prägen. Und es kommt noch ein Punkt hinzu: Anders als vor 20 oder 30 Jahren könnten die Händler dorthin gehen, wo sie sich die besten Geschäfte erhoffen. Und das sind die Großstädte. „Wenn ich Händler frage, ob sie nicht mal Grimma probieren möchten, höre ich, sie seien in Leipzig“, führte Schiel aus.

Wochenmarkt in Grimma auf dem Marktplatz vorm Rathaus. Quelle: Thomas Kube

An guten Tagen stehen etwa ein Dutzend Händler auf dem Grimmaer Markt. Um neue Anbieter anzulocken, unterbreitet die Marktgilde jetzt ein spezielles Angebot. Vier Wochen zahlen sie den üblichen Standpreis von 1,25 Euro je Quadratmeter und Markttag und in den folgenden vier Wochen einen symbolischen Euro.

Sachsenmarkt und Frischemarkt in städtischer Hand

Die Stadt Grimma hält aber am Wochenmarkt ebenso fest wie an der Zusammenarbeit mit der Deutschen Marktgilde. Diese funktioniere super, sagte Grimmas Marktmeister Frank Schütz. In städtischer Hand liegt der Sachsenmarkt, der wie gehabt von März bis November jeden ersten Freitag im Monat über die Bühne geht. An dessen Sortiment werde sich nichts wesentlich ändern, informierte Schütz den Beirat.

Der erfolgreiche Frischemarkt in der Klosterkirche – ab März wieder jeden dritten Sonnabend im Monat – wird am 20. April mit dem ersten Grimmaer Pflanzenmarkt auf dem Marktplatz gekoppelt. An jenem Tag startet der neue Stadtverkehr in Grimma, beide Buslinien verkehren dann in engeren Takten und an zusätzlichen Haltestellen.

Wochenmarkt fehlt die Attraktivität

Der städtische Frischemarkt lockt an den Sonnabenden zahlungskräftiges Publikum an, wohl auch wegen seines Eventcharakters mit Showkoch und Gewinnchance. Auf dem Wochenmarkt indes fehlt dieses Klientel. Beiratsmitglied Andreas Hörig brachte es dann irgendwie auf den Punkt: „Man dreht sich im Kreis.“ Man bemängele den Zuspruch, habe aber nicht die Qualität, den Zuspruch anzukurbeln: „Dem Wochenmarkt fehlt es an Attraktivität.“

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Landkreis kommt jetzt allein für das Kreismuseum in Grimma auf. Weil die Stadt keinen Sitzgemeindeanteil zahlt, hat sich der Kulturraum zurückgezogen. Über die Zukunft des Hauses wird weiter debattiert.

12.02.2019
Grimma Einblicke in Unterrichtsalltag - Grimmaer Gymnasium stellt sich vor

Zum Tag der offenen Tür hatte das Grimmaer Gymnasium St. Augustin am Samstag eingeladen. Junge Talente werden hier gezielt gefördert. „Wir sind eines von fünf Kompetenzzentren für die Begabtenförderung in Sachsen“, erklärte Schulleiter Wolf-Dieter Goecke.

10.02.2019

Die besten Vorleser des Landkreises Leipzig wurden beim Finale in Naunhof gekürt. Siegerin wurde Ayleen Hammer vom Internationalen Gymnasium Geithain. Auf den Rängen folgten Maya Gierich vom Freien Gymnasium Borsdorf und Matthias Kühn vom Grimmaer Gymnasium.

11.02.2019