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Grimmas ältester Verein wird 130 – und feiert mit einem Tag der Briefmarke

Jubiläum Grimmas ältester Verein wird 130 – und feiert mit einem Tag der Briefmarke

Grimmas ältester Verein steht vor einem Jubiläum. Der 30. Mai 1887 gilt als Gründungstag des Philatelistenvereins Grimma – und dieser Geburtstag jährt sich jetzt zum 130. Mal. Gewürdigt wird das Jubiläum im Oktober mit einem Tag der Briefmarke in Grimma. Zur Jahreshauptversammlung wurde jetzt ein neuer Vorstand gewählt.

Stefan Lehn, Vorsitzender des Philatelistenvereins Grimma, mit der Festschrift zum 130-jährigen Bestehen des Vereins.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Grimmas ältester Verein steht vor einem Jubiläum. Der 30. Mai 1887 gilt als Gründungstag des Philatelistenvereins Grimma – und dieser Geburtstag jährt sich jetzt zum 130. Mal. Allerdings werden die Briefmarkenfreunde das besondere Ereignis in diesem Monat nicht mit einer Festveranstaltung würdigen. Dazu fehlt schlicht das Geld. Vielmehr wird zum traditionellen Großtausch im Herbst im Grimmaer Rathaussaal ein Tag der Briefmarke mit Ausstellung veranstaltet, bei dem für fünf Euro auch eine Festschrift erworben werden kann.

Das Jubiläum stand auch im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung, bei der turnusgemäß ein neuer Vorstand gewählt wurde. Das Zepter hält in den nächsten drei Jahren wie gehabt Stefan Lehn in der Hand, der dem Verein seit 1983 angehört und seit 2005 dessen Vorsitzender ist. Ebenfalls einstimmig wurden Karlheinz Timmel (Stellvertreter) und Hartmut Wolt (Schatzmeister) gewählt. Sie übernehmen die Ämter von Armin Richter, den es als Pastor der Adventisten nach Mittweida verschlagen hat, und Andreas Icke, der nicht wieder antrat. Alle drei Vorstandsmitglieder genießen bereits den Ruhestand, was eine Aussage über die Altersstruktur im Verein erlaubt. Der Durchschnitt liegt bei 68 Jahren.

Allerdings schwimmen die Grimmaer gegen den Trend in Sachsen. Während die Philatelisten auf Landesebene seit 2005 jährlich etwa fünf Prozent ihrer Mitglieder verlieren, wartet der Verein an der Mulde mit stabilen Zahlen auf. Derzeit halten ihm 29 Mitglieder die Treue. Im Zeitalter von WhatsApp und E-Mail finden aber keine jungen Leute den Weg zu den organisierten Briefmarkensammlern. Es sind vielmehr ältere Leute, die ihr Hobby aus Jugendtagen wieder entdecken oder Mitglieder aufgelöster Vereine wie aus Taucha und Geithain, erläutert Lehn.

Die Probleme auf Landesebene gehen am Grimmaer Verein nicht spurlos vorüber. Weil der sächsische Verband von seinen Vereinen mehr Geld verlangt, haben die Grimmaer eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von 27 auf 36 Euro pro Jahr beschließen müssen – beginnend ab 2018. „Davon bleiben 6,50 Euro in der Vereinskasse“, erläutert Lehn. Große

Die stabile Mitgliederzahl in Grimma schreibt der Vereinschef auch dem Angebot zu. „Ich versuche ein ausgewogenes Programm anzubieten“, gibt der 65-Jährige zu verstehen. Neben dem Großtausch im Frühjahr und Herbst gibt es Bildungsfahrten (wie eine Führung durch den DHL-Frachtflughafen), Vereinsabende und Fachvorträge. Im April etwa wurden die Sammler über Fälschungen aufgeklärt. Einige Vereinsmitglieder sind auch bestrebt, ihre besten Sammlungen auf Ausstellungen zu zeigen. Doch auch hier ziehen laut Lehn die Kosten an – vor allem wegen ausbleibender Sponsoren. Der Grimmaer wollte sich im Juli an der bilateralen Ausstellung Deutschland-Dänemark beteiligen, lässt aber doch die Finger davon. Bislang habe ein Rahmen 20 Euro gekostet, jetzt würden 35 Euro verlangt. Lehn hat acht Rahmen, hinzu kommen Fahrt und Hotel. „Das übersteigt die Finanzen eines Sammlers“, schimpft er. Die Breite der Philatelie ginge bei Ausstellungen damit verloren.

Doch bei allen finanziellen Sorgen: Mit dem Tag der Briefmarke am 15. Oktober von 8 bis 16 Uhr im Rathaussaal wollen die Grimmaer Philatelisten ihr Jubiläum öffentlich begehen und ihre gezahnten Schätze zeigen. Die reich bebilderte, 55 Seiten umfassende Festschrift, an der Lehn zwei Jahre lang arbeitete, ist in drei Teile gegliedert. Neben der Vereinsgeschichte werden 40 Jahre DDR-Philatelie und die Postgeschichte Grimmas beleuchtet. „Wir sammeln ja nicht nur, sondern forschen auch“, bekräftigt der Vereinschef: „Durch Sammeln wird man klüger.“ Als Schmeckerchen liegt der Festschrift eine sogenannte Ganzsache bei. Der Umschlag mit aufgedruckter Marke zeigt Grimmas einstiges Postamt – im Jahr 1895 und heute. Zudem soll es zum Tag der Briefmarke einen Sonderstempel mit einem historischen Stadtbriefkasten Sachsens geben.

Lehn ist sich übrigens sicher, dass sein Verein der älteste in Grimma ist. Aus diesem Grund hätten die Mitglieder im Jahr 2000 schließlich die „Goldene Eva“ in Grimma erhalten, seinerzeit eine Ehrung für Ehrenamtliche. Lehn setzt sogar noch eins drauf: „In Sachsen sind wir der drittälteste noch existierende Verein.“

Vereinshistorie

Am 6. Mai 1840 erschien mit der Black Penny die erste Briefmarke der Welt. Bereits 47 Jahre später organisierten sich Grimmaer Briefmarkensammler.

Doch der Reihe nach: Am 1. Januar 1877 gründete sich der Internationale Philatelistenverein Dresden, dessen Mitglied am 21. April 1883 Reinhold Große, Kanzleisekretär an der Grimmaer Amtshauptmannschaft, wurde. Am 19. Dezember 1885 wurden zwei weitere Grimmaer Mitglied: Regimentsschreiber Wilhelm Heinz sowie Organist und Mädchenlehrer Karl Friedrich Max.

Am 30. Mai 1887 eröffnete man in Meinhold’s Sälen in Dresden eine Postwertzeichenausstellung. Bei einem gemeinsamen Festmahl wurde die Sektion Grimma bekannt gegeben und damit ins Leben gerufen. Damit begann die Zeit des Philatelistenvereins Grimma 1887. Der erste Vorsitzende der Sektion Grimma war Karl Friedrich Max, der 1919 starb. Einmal im Monat trafen sich die Sammlerfreunde zum Tausch und Gespräch, zunächst im Gasthof zum ,,Goldenen Löwen“ am Markt, ab 1894 im Restaurant „Zur Post“ in der Lorenzstraße 12.

Die beiden Weltkriege überlebte der Verein dank interessierter und aktiver Grimmaer Sammler. Zunächst übernahm 1919 Dr. jur. M. Franz den Vorsitz, ab 1948 H. Hadlich. Sie sorgen für ein neues Vereinsleben. Eine große Anzahl an Mitgliedern garantierte nicht nur einen Fortbestand, sondern stand für eine sammlerorientierte Vereinsarbeit.

In der Zeit der DDR gehörte die Arbeitsgemeinschaft Philatelie Grimma zum Kulturbund. Durch zahlreiche Ausstellungen und Werbeschauen machte sie sich bekannt. Höhepunkt in dieser Zeit war die 14. Lipsia Bezirksbriefmarkenausstellung im Kreiskulturhaus Grimma vom 22. bis 23. Oktober 1983.

Nach dem Mauerfall schlossen sich Briefmarkenvereine zum Landesverband Sächsischer Philatelisten zusammen. Er wurde am 29. September 1990 in Leipzig ins Leben gerufen. Jetzt konnte die Grimmaer Sammler auch wieder ihren Namen tragen: Philatelistenverein Grimma 1887 e. V. In den letzten 22 Jahren fanden sieben kleinere und zehn größere Ausstellungen statt. Die letzte GRIBRIA (GRImmaer BRIefmarken Ausstellung) gab es im April 2012.
Quelle: Verein

Von Frank Prenzel

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