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Grimmas unendliche Geschichte um Fördergeld für den Frischemarkt

Bürokratie Grimmas unendliche Geschichte um Fördergeld für den Frischemarkt

Am Sonnabend geht der letzte diesjährige Frischemarkt in der Grimmaer Klosterkirche über die Bühne. Noch einmal werden viele Kauflustige erwartet, und diesmal dreht sich vieles um den Apfel. Allerdings läuft die Stadt Grimma seit Monaten dem Fördergeld für den Markt hinterher und muss immer neue Auflagen erfüllen.

Zum Frischemarkt zieht es viele Kauflustige in die Klosterkirche.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Etwa 5000 Leute strömten im Oktober zum Grimmaer Frischemarkt in die Klosterkirche am Ufer der Mulde, der seit März jeden dritten Sonnabend im Monat von 10 bis 14 Uhr Kauflustige anlockt. Sie greifen gern zu den Produkten der heimischen Händler – ob nun schmackhafte Wurst von nebenan, Obst und Gemüse, Eier, Backwaren oder Pflanzen. Zur Oktober-Auflage kam das Schlachtefest besonders gut an. Die 120 Liter Wurstbrühe der Fleischerei Wenzel aus Göttwitz waren binnen einer Stunde verkauft.

Was die Käufer nicht wissen, wenn sie Käse und Wurst in die Taschen packen: Noch immer plagt sich die Stadt Grimma mit dem sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) herum, um den Frischemarkt gefördert zu bekommen. Bislang hat die Kommune keinen Cent gesehen, obwohl die Frischemarkt-Saison an diesem Sonnabend endet. Es ist eine unendliche Bürokratie-Geschichte, die für Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) sinnbildlich ist: „Das ist unser Alltag hier, das legt alles lahm", schimpft er. Dabei geht es gerade mal um 12 500 Euro.

„Mit dem Frischemarkt wollen wir die Leute in die Innenstadt locken“, erklärt Berger das Ansinnen. „Und wir wollen den Direktvermarktern aus den Ortsteilen eine Plattform bieten, an einem zentralen Ort ihre Waren anzubieten“, ergänzt Grimmas Marktmeister Frank Schütz. Eigentlich sollte der Markt im September 2015 starten, doch es kam anders.

Da sich die Direktvermarkter wegen des Aufwandes anfangs sträubten, ihre Waren in Grimma feilzubieten, wollte die Stadt ihnen die Saat bereiten. Sie bot an, die Stände und Kühltheken zu stellen und im ersten Jahr die Standgebühr zu erlassen. Dafür, so das Kalkül, könnte der Geldtopf des SMUL zur Absatzförderung der sächsischen Land- und Ernährungswirtschaft angezapft werden. Im Juli 2015 reichte Grimma einen Förderantrag ein – offenbar zu spät für die Geld gebende Behörde, um bis September zu entscheiden.

„Also sagten wir, o.k., starten wir im März“, so Marktmeister Schütz. Im Februar stellte die Stadt einen komplett überarbeiteten Förderantrag – nun für die Jahre 2016/17. „Wir hatten alle Angebote neu einholen müssen.“ Mit dabei Robby Höhme aus Dürrweitzschen, der als Showkoch in der Klosterkirche zeigen soll, was sich aus heimischen Produkten alles zaubern lässt. „Die Förderstelle wollte dann, dass wir laut Richtlinie für den Showkoch drei Angebote einholen“, stöhnt Schütz. Ein Anbieter aus Leipzig sei zehnmal teurer gewesen. Es blieb bei Höhme.

Damit die Händler – bereits zweimal angefragt – nicht abspringen, langte die Stadt in die eigene Kasse und startete im März mit dem Frischemarkt. „Wir haben einfach angefangen“, so Schütz. Dresden reagierte am Montag darauf prompt: ein vorzeitiger Beginn sei förderschädlich, eine Förderung könne nun nicht mehr erfolgen. Danach setzten sich Berger und Schütz ins Auto und wollten in der Landeshauptstadt Druck machen. Dort lenkte man ein, doch hieß es nun, die Stadt müsse für ihren Eigenanteil Sponsoren gewinnen, da sie ohne Haushalt sei und deshalb der Kreis keine gemeindewirtschaftliche Stellungnahme geben könne. „Auf dem Rückweg klingelten wir das Geld zusammen“, erinnert sich der Rathauschef.

Doch die behördliche Odyssee hatte damit kein Ende. „Seitdem geht es hin und her“, klagt Schütz. Es gebe Nachfragen und Änderungen zum Antrag. Erst habe es geheißen, Give aways – also Werbeartikel – würden gefördert, dann wieder nicht, dann wieder doch... Mittlerweile summiert sich die Zahl der präzisierten Anträge auf fünf. Vor Wochenfrist rief die Förderstelle im Rathaus an, dass der Antrag bearbeitet sei und noch wegen eines strittigen Punktes in der Rechtsabteilung liege, erläutert der Marktmeister. „Wahrscheinlich fehlt seine Stuhlprobe“, formuliert es der Rathauschef sarkastisch und meint: „Das ist exemplarisch für unser Land.“

17 000 Euro hat die Stadt inzwischen hingelegt. Für den Markt hatte ein Tischler extra 35 Stände angefertigt, die jeweils ausgeliehen werden, auch die Kühltheken mietet die Stadt. Und zum Finale in diesem Jahr am Sonnabend soll es noch einmal richtig rund gehen, denn das steht im Zeichen des Apfels. Die Obstland Sachsen wird das schmackhafte Obst in vielen Varianten anbieten, und Robby Höhm zeigt, was man mit Äpfeln alles machen kann. Wegen des Erfolges im Vormonat erlebt das Schlachtefest seine zweite Auflage.

Grimma will mit dem Frischemarkt, der die Markttage am Dienstag und Donnerstag ergänzt, 2017 auf alle Fälle weitermachen. Denn der Markt „hat eingeschlagen“, so der OBM. Allerdings gibt es im neuen Jahr eine zeitliche Verschiebung. Dann bieten die Händler ihre Waren von 8 bis 12 Uhr feil.

Von Frank Prenzel

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