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Grimma Großbardau: Die Schule, in der Kinder selbstständig lernen
Region Grimma Großbardau: Die Schule, in der Kinder selbstständig lernen
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12:44 02.06.2016
120 Schüler lernen derzeit an der Grundschule in einem offenen Konzept. Quelle: dpa-Zentralbild
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Grimma/Großbardau

Clara Helene (9) und Greta-Louise (7) liegen ganz entspannt auf dem schwarzen Sofa. Zwischen ihnen ein Spielbrett, auf dem sie per Würfel die Ziffern 1 bis 9 „abräumen“ müssen. Die beiden Würfel, die sie dafür benutzen, können sie auf verschiedene Arten einsetzen: Entweder jeden Zahlenwert der beiden Würfel einzeln verwenden, die Einzelwerte zusammenzählen, sie voneinander abziehen, malnehmen oder teilen. Wer als erster die Ziffern abgearbeitet hat, ist Sieger. Und hat spielerisch Mathe gelernt.

So wie Clara Helene und Greta-Louise lernen auch die anderen Grundschulkinder am Evangelischen Schulzentrum Muldental in Großbardau bei Grimma sehr selbstbestimmt. „Es ist Teil unseres pädagogischen Konzepts, auf die Kinder einzugehen und den Unterricht nach deren Wünschen zu gestalten“, sagt Claudia Leipold.

Die Grundschule des gern kurz „Eva Schulze MTL“ genannten Schulzentrums ist erst die dritte Schule in Sachsen, die für den Preis nominiert wurde. 2006 hatte es das Chemnitzer Schulmodell in die Endrunde geschafft, 2013 die Kurfürst-Moritz-Schule aus Moritzburg.

Die Kinder können am Morgen sagen, was sie im Laufe des Tages machen wollen, und die Pädagogen machen dann unter Umständen ergänzende Vorschläge. Mit diesem Ansatz hat es die Grundschule des Schulzentrums bis zur Nominierung für den Deutschen Schulpreis geschafft, der mit immerhin 100.000 Euro dotiert ist. Leipold hat die Bewerbung für den Schulpreis federführend erarbeitet.

Die Klassenstufen 1 bis 4 sind zu sogenannten Stammgruppen zusammengefasst und werden gemeinsam unterrichtet. „Dabei lernen zum Beispiel auch die Erst- von den Viertklässlern und umgekehrt, da jedes Kind sein individuelles Wissen einbringen kann“, erläutert die Lehrerin. Zudem festigten die Schüler das bereits Erlernte, wenn sie es an andere weitergeben könnten. Und dies gelte auch für Kinder mit Beeinträchtigungen, die voll in den Unterricht integriert sind.

Lehrerin Claudia Leiphold. Quelle: dpa-Zentralbild

Aus den Themenvorschlägen entwickeln die Kinder Projekte, denen sie nachgehen. Dabei mischen sich immer wieder neue Grüppchen, manche Projekte werden weiter verfolgt, andere kommen nie zu einem Ende. „Das unterscheidet uns auch vom klassischen Unterricht, wo der Lehrer sein Ziel im Kopf hat, das dann auch erreicht werden muss, während wir gucken, wie weit es die Kinder schaffen können“, sagt Leipold.

Dabei können Projekte auch ganz selbstverständlich scheitern, „weil man dem Kind nach dem Scheitern auch vermitteln kann: „Das war einfach noch ein bissl viel für dich.““ Dass die Kinder dennoch am Ende des vierten Schuljahres all das gelernt haben, was laut Lehrplan den Schülern von Schulen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft vermittelt werden musste, sei sichergestellt, unterstreicht die Pädagogin.

120 Schüler lernen derzeit an der Grundschule, wie Geschäftsführer Niko Kleinknecht berichtet. „Zehn Prozent davon sind Schüler mit sogenanntem sonderpädagogischen Bedarf“, die mit entsprechendem Fachpersonal in den Stammgruppen arbeiteten, sagt der Geschäftsführer.

Geschäftsführer Niko Kleinknecht. Quelle: dpa-Zentralbild

Auch wenn die freie Grundschule zu einem Evangelischen Schulzentrum gehört, ist sie doch grundsätzlich offen für alle Kinder - unabhängig vom Glaubensbekenntnis. So sind Plätze für Flüchtlingskinder vorhanden, Interesse von muslimischen Familien gibt es laut Kleinknecht bereits. Das fällige Schulgeld von 75 bis 120 Euro pro Monat soll in ihrem Fall vorerst aus den Rücklagen des Trägervereins kommen. Erwartet wird allerdings, dass sich Flüchtlingsfamilien - wie alle anderen Eltern auch - aktiv in die Elternarbeit einbringen. Dazu gehört auch, sich an den monatlichen Arbeitseinsätzen in der Schule und auf dem Schulgelände zu beteiligen.

Das Evangelische Schulzentrum Muldental

Das Evangelische Schulzentrum Muldental, dessen Grundschule für den Deutschen Schulpreis 2016 nominiert ist, wurde 1999 in Döben, einem Gemeindeteil von Grimma gegründet. 2006 kam der Umzug an den heutigen Standort in Großbardau, das ebenfalls zu Grimma gehört. 2007 wurde eine Mittelschule zur bestehenden Grundschule und dem Hort angegliedert, 2009 kam ein Gymnasium hinzu. Insgesamt lernen im Schulzentrum inzwischen rund 290 Schüler. Unabhängig vom evangelischen Profil werden Kinder aller Glaubensrichtungen aufgenommen, deren Eltern Mitglied im Trägerverein des Schulzentrums werden müssen. Die Schüler kommen aus den Regionen Colditz, Wurzen, Bad Lausick und aus dem Südraum Leipzig.

Von LVZ

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